Was geschah am 17.08. im Jahr ...

1945

Der britische Kommandant des Bezirks Charlottenburg wendet sich gegen Übergriffe der Haus-, Straßen- und Bezirksobleute und warnt sie vor willkürlichen Eingriffen in das Privatleben der Bevölkerung. "In vielen Fällen dünken sich diese Obleute ... kleine Könige der Bevölkerung gegenüber. Diese Auffassung soll sofort ausgerottet werden. Die Obleute sind nicht die Herren, sondern die Diener der Bevölkerung ...". Der britische Kommandant des Bezirks Wilmersdorf hatte bereits am 8. August eine ähnliche Warnung ausgesprochen.

Die amerikanische Militärregierung ernennt Dr. Hermann Fellinger zum Verwalter des gesamten im amerikanischen Sektor beschlagnahmten Vermögens und Eigentums der nationalsozialistischen Partei, ihrer Gliederungen und Mitglieder. Sie untersagt jede Art von Beschlagnahme durch deutsche Verwaltungsdienststellen ohne ihre Zustimmung.

Auf der Konferenz der Bezirksbürgermeister spricht Stadtkämmerer Dr. Siebert über einige vordringliche Fragen auf dem Gebiet des Finanzwesens. Er verweist auf die Notwendigkeit monatlicher Kassenabschlüsse durch die Bezirke, damit er für seine Verhandlungen mit der Alliierten Kommandantur den Finanzbedarf zuverlässig ermitteln kann.

Die Konferenz beschäftigt sich mit der verschiedenartigen Durchführung der Beschlagnahme von nationalsozialistischen Vermögen in den einzelnen Bezirken und Sektoren, die eine ständig steigende Zahl von Prozessen hervorrufe, wie bereits beobachtet werden könne. Dr. Siebert erläutert ausführlich die damit zusammenhängenden Fragen der Kriegs- und Besatzungsschäden. Da bis zum 1. Juni 1945 Kriegsrecht geherrscht habe, könne eine Regelung durch Verordnung oder Verwaltungsstreitverfahren vor dem noch zu errichtenden Verwaltungsgericht erst nach diesem Zeitpunkt getroffen werden. Nach den neuen Gesetzen könne jedoch kein Schadenersatz, sondern nur eine Hilfe bei sozialem Notstand geleistet werden.

Der Generalreferent der Abteilung für Ernährung, Heinricht, berichtet, daß auf Anweisung der Alliierten Kommandantur der Magistrat seit dem 16. August allein über die Verteilung der Lebensmittel zu bestimmen habe. Die Bezirkskommandanten könnten deshalb nicht mehr die von der Abteilung für Ernährung des Magistrats getroffenen Verteilungsbestimmungen einschränken oder abändern.
Zu den Klagen einiger Bezirksbürgermeister über die verschiedene Behandlung ehemaliger Nationalsozialisten bei der Einstufung in die Lebensmittelkartengruppen durch einzelne Bezirkskommandanten erklärt Bürgermeister Maron (KPD), daß diese Maßnahmen gegen einen klaren Befehl der Alliierten Kommandantur verstoßen. Der Magistrat werde nochmals durch Verhandlungen mit den einzelnen Besatzungsmächten versuchen, eine einheitliche Regelung für Berlin herbeizuführen.

Bürgermeister Maron verteidigt das von verschiedenen Bezirksbürgermeistern als zu hart empfundene Zuzugsverbot mit dem Hinweis auf die drohende Ernährungskatastrophe im kommenden Winter, da sich die Einwohnerzahl bereits in den letzten beiden Monaten, trotz striktem Befehl der Alliierten Kommandantur um 200 000 bis 300 000 Personen erhöht habe. Die Ernährung Berlins sei aber nur auf der Grundlage von 2,8 Millionen Einwohnern gesichert.

Die Hauptfeuerwache bezieht wieder ihren alten Standort im Gebäude Lindenstraße 40/41 im Bezirk Kreuzberg. Nachdem Teile der nach Westdeutschland verlagerten Feuerwehrgerätschaften zurückgebracht worden sind, umfaßt der Warenbestand jetzt 100 motorisierte Fahrzeuge, 90 Motorspritzen und 10 Maschinenleiterwagen. Die militärischen Dienstgrade sind abgeschafft. Es gibt nur noch Feuerwehrmänner, Oberfeuerwehrmänner, Brandmeister, Brandinspektoren und Brandingenieure.

Das Variete "Palast" eröffnet als Berliner Groß-Variete im ehemaligen "Theater des Volkes" im Bezirk Mitte in Fortsetzung der Tradition des während des Krieges zerstörten Berliner Wintergartens. Die Leitung hat Marion Spadoni.

1946

Der Oberste Chef der Sowjetischen Militärverwaltung, Marschall Sokolowski, setzt mit Befehl Nr. 253 fest, daß an Arbeiter und Angestellte unabhängig von Geschlecht und Alter eine einheitliche Arbeitsentlohnung für gleiche Arbeitsleistung zu erfolgen hat. Die Deutsche Zentralverwaltung für Arbeit und Sozialfürsorge in der sowjetischen Besatzungszone wird beauftragt, in den Tarifbestimmungen und Verträgen die sich aus diesem Befehl ergebenden Änderungen vorzunehmen.
Gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden und dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund soll die Deutsche Zentralverwaltung für Arbeit und Sozialfürsorge alle Berufe überprüfen, in denen der Arbeitseinsatz von Frauen eingeschränkt oder verboten war. Die Liste ist auf Tätigkeiten, die für Frauen mit Sicherheit gesundheitsschädlich sind, zu beschränken.

Der Magistrat stimmt in seiner Sitzung der Berufung von Geheimrat Professor Ludwig Justi zum Generaldirektor der ehemals staatlichen Museen in Berlin zu. Stadtrat Winzer (SED) erklärt, daß die gegen die Wiederberufung von Geheimrat Professor Justi seit Ende 1945 erfolgten Einsprüche inzwischen fallengelassen wurden. Bei seiner Vorstellung bezeichnet Generaldirektor Justi es als seine wichtigste Aufgabe, den durch die Kriegszerstörungen stark verringerten und verstreuten, früher so reichen Bestand der Berliner Museen wieder zurückzugewinnen. Die zur Zeit vorhandenen Bestände sollen der Bevölkerung durch Schausammlungen in kleinen Hallen auch in den Außenbezirken der Stadt nahegebracht werden.

Der Magistrat bewilligt auf Antrag von Stadtrat Professor Scharoun 60 000 RM für die Studiengesellschaft zur Kulturlandschaftsplanung e.V., deren Aufgabe es sein soll, in der Umgebung Berlins eine systematische Kultivierung von Moorboden zum Gemüseanbau vorzubereiten.

Für einen Wettbewerb im Rahmen der Ausstellung "Berlin plant", der eine Reihe von städtebaulichen Einzelproblemen zur Diskussion stellen soll, setzt der Magistrat 75 000 RM aus. Die Einzelpreise betragen mindestens 500 und höchstens 5000 RM. Das Preisgericht wird aus Mitgliedern des Magistrats, des FDGB, der politischen Parteien, aus Architekten und Wissenschaftlern sowie Referenten der Abteilung für Bau- und Wohnungswesen gebildet.

Der Magistrat erlaubt dem Stadtkontor, bestätigte Schecks auszustellen, die dadurch den Charakter von Bargeld erhalten. Weiter erkennt der Magistrat das Stadtkontor als Hinterlegungsstelle für Wertpapiere entsprechend dem § 27 der Reichshinterlegungsordnung von 1937 an, womit der frühere Zustand wiederhergestellt und dem gegenwärtigen staatsrechtlichen Zustand angepaßt wird.

Der stellvertretende Stadtrat Hauth (SED) berichtet über die von der Abteilung für Handel und Handwerk durchgeführten Handwerkerversammlungen, um den ständigen Angriffen der Handwerker gegen die Verwaltung entgegenzutreten. Die Fachabteilung wurde dabei für den Rohstoffmangel verantwortlich gemacht, obwohl sie alles versucht habe, dem Handwerk zu helfen. Eine sachliche Aufklärung sei aber bei einer Versammlung im Metropoltheater dadurch erschwert worden, daß ein Vertreter des Magistrats an alle Dienststellen und Behörden appellierte, nichts unversucht zu lassen, dem Handwerk Rohstoffe, moderne Maschinen und Geräte zu beschaffen. Bürgermeister Orlopp (SED) und Stadtrat Dr. Landwehr verweisen darauf, daß die Lösung des Rohstoffproblems von der Gründung einer deutschen Zentralregierung abhänge. Gegenwärtig seien alle alten Vorräte in der Provinz aufgebraucht. Der stellvertretende Stadtrat Dusiska (SED) bemerkt dazu, daß seit zwei Wochen Referenten der Abteilung für Wirtschaft zusammen mit sowjetischen Verbindungsoffizieren sich bemühen, die bewilligten Kontingente an Rohstoffen aus der sowjetischen Besatzungszone heranzuschaffen. Dabei würden sich große Schwierigkeiten mit den Länder- und Provinzialverwaltungen ergeben. Mit dem Länderrat der amerikanischen Besatzungszone in Stuttgart hätten bereits mit Unterstützung der amerikanischen Militärregierung Verhandlungen über Rohstofflieferungen begonnen. Bisher wurde zugesagt, nach Berlin monatlich ein bestimmtes Papierkontingent und 20 000 Quadratmeter Glas zu liefern. Doch befänden sich im allgemeinen weder in der sowjetischen noch in der amerikanischen Zone große Rohstofflager.

Auf Antrag Bürgermeister Marons (SED) beschließt der Magistrat, den politischen Parteien den Anschlag von Plakaten und Aufrufen in den Verkehrsmitteln der BVG während der Wahlkampagne zu gestatten.

Der Magistrat erläßt die von der Alliierten Kommandantur genehmigte Wahlordnung für die am 20. Oktober stattfindenden Wahlen der Stadtverordneten von Groß-Berlin und der Bezirksverordneten in den Berliner Verwaltungsbezirken.

Die bisher von der "Himmelskundlichen Arbeitsgemeinschaft" betreute Treptower Sternwarte wird in Erinnerung an ihren Gründer, Friedrich Simon Archenhold, in "Archenhold-Sternwarte Berlin-Treptow" umbenannt und der Abteilung für Volksbildung des Magistrats unterstellt.

Der Landesverband Berlin der SED eröffnet mit einer Kundgebung in der "Neuen Welt" in Neukölln den Wahlkampf für die Wahlen am 20. Oktober. Sprecher sind der Vorsitzende der SED, Otto Grotewohl, und der Vorsitzende des Landesverbandes Berlin, Hermann Matern. Matern betont die große politische Bedeutung der Berliner Wahlen, von deren Ergebnis die zukünftige Entwicklung Deutschlands in entscheidendem Maße abhängen werde. Er bezeichnet die SPD als den Hauptgegner bei den Wahlen.

Der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) nimmt mit einem eigenen Mittelwellensender seine Tätigkeit in Berlin auf. Die Beiträge zum Programm kommen zunächst aus Hamburg und Köln. Später soll Berlin in verstärktem Maße eigene Programmbeiträge senden. Bisher war dieses Programm nur im britischen und amerikanischen Sektor über Drahtfunk zu hören.

1946

Der Berliner Landesverband der SPD führt im Studentenhaus in der Hardenbergstraße im Bezirk Charlottenburg unter dem Vorsitz von Paul Lobe seinen dritten Parteitag durch. An ihm nehmen auch ausländische und westdeutsche Gäste sowie Vertreter der Besatzungsmächte teil.
Der Parteitag dient der weiteren Festigung der Organisation nach der Spaltung, der Beratung eines Organisationsstatuts und der Vorbereitung auf die Kommunalwahlen am 20. Oktober. In seinem Referat fordert Franz Neumann erneut die Freilassung der im sowjetischen Sektor und der sowjetischen Besatzungszone verhafteten Parteimitglieder. Eine Verschmelzung der SPD mit der SED lehnt er kategorisch ab, da in beiden Parteien völlig anders geartete Auffassungen über die Demokratie als Staatsform herrschten und es der SED an geistiger und politischer Unabhängigkeit fehle. Zu den bevorstehenden Wahlen in der sowjetischen Besatzungszone, die nach Meinung der SPD keine freie demokratische Entscheidung darstellen, fordert Franz Neumann die dort lebenden Sozialdemokraten auf, ungültige Stimmzettel abzugeben.
Zu Vorsitzenden werden Franz Neumann, Curt Swolinzky und Louise Schroeder, zum Generalsekretär Dr. Otto Suhr gewählt.

1947

In Berlin treffen die ersten politischen Flüchtlinge aus der sowjetischen Besatzungszone ein, die sich den dort angeordneten "Arbeitsverpflichtungen" entziehen wollen.

1948

Der sowjetische Stadtkommandant teilt dem Leiter der Abteilung für Wirtschaft des Magistrats, Stadtrat Klingelhöfer, durch Befehl Nr. 382 mit, daß der Leiter der Berliner Centralen Kohlenorganisation (BCKO), Dr. Kurt Mückenberger (SPD), wegen "Untätigkeit und desorganisatorischer Arbeit" seines Amtes enthoben sei. Er soll die Leitung dem Referenten und Verbindungsmann zur sowjetischen Zentralkommandantur, Constantin Neubürger, übertragen.
Stadtrat Klingelhöfer erklärt in einem Antwortschreiben, daß er aus verfassungsmäßigen Gründen und nach Rücksprache mit Bürgermeister Dr. Friedensburg dem Befehl nicht nachkommen könne. Durch Befehl der Alliierten Kommandantur BK/O (45) 35 vom 22. August 1945 sei der BCKO die Verantwortung für die Kohlenverteilung in ganz Berlin übertragen worden. Nach Instruktion FUSU/I (46) 14 vom 26. August 1946 seien für die personelle Leitung der Magistrat und die alliierte Brennstoffversorgungskommission zuständig.

Das Informationsbüro der Sowjetischen Militärverwaltung gibt die Verteilung von Kohlen für die Bevölkerung aller Sektoren bekannt. Hiermit wird der "Leiter" der Berliner Centralen Kohlenorganisation, Constantin Neubürger, beauftragt.

Das Büro des Leiters der Abteilung für Ernährung des Magistrats, Stadtrat Fuellsack, wird von der Wallstraße in das Neue Stadthaus, Parochialstraße, verlegt, da es seinem Stellvertreter, Magistratsdirektor Schöpke, und anderen Mitarbeitern unmöglich gemacht wurde, ihn in seinem Amtszimmer in der Wallstraße zu besuchen.

Das Organ der Sowjetischen Militärverwaltung, "Tägliche Rundschau", erklärt im Zusammenhang mit der Polizeisituation in Berlin in einem Leitartikel, die Interessen der Bevölkerung Berlins und der sowjetischen Besatzungszone forderten, "daß die gesamten politischen Verhältnisse in den westlichen Sektoren radikal geändert werden".

Das Vorstandsmitglied der amerikanischen Automobilarbeiter-Gewerkschaft im CIO, Victor Reuther, erklärt vor dem Vorstand der UGO, daß sich die beiden großen amerikanischen Gewerkschaftsverbände AFL und CIO für den Lebenskampf der Berliner einsetzen werden.

Die französische Militärregierung erteilt im Einvernehmen mit der amerikanischen und britischen Militärregierung dem Union-Hilfswerk Berlin, einer von CDU-Politikern gegründeten Wohlfahrtsorganisation, die Lizenz.

Auf dem Flugplatz Gatow landet eine amerikanische Transportmaschine vom Typ C 74 Globemaster mit 22 Tonnen Mehl. Das Flugzeug soll vor allem zum Transport sperriger Güter eingesetzt werden.

1949

Die Alliierte Kommandantur lehnt mit BK/L (49) 82 das Gesetz über die Lebensversicherungsanstalt Groß-Berlin mit Rücksicht auf die in Berlin zur Zeit bestehenden schwierigen finanziellen Verhältnisse ab.

Mit BK/L (49) 83 ordnet die Kommandantur an, daß der Magistrat Forderungen der Mineralölgesellschaften auf Vergütung ihrer Transportspesen für während der Blockade eingeflogene Verbrauchsgüter angemessen zu entschädigen habe.

Die Alliierte Kommandantur genehmigt durch BK/L (49) 84 die Zulassung der Berliner Industriebank Aktiengesellschaft. Falls der Magistrat später Anteile der Bank erwerben will, muß er im Haushaltsplan diese Ausgaben durch entsprechende Einnahmen ausgleichen.

Der Magistrat beschließt in seiner 37. Sitzung, die im Haushalt vorgesehenen Mittel für Zuschüsse an die Freie Volksbühne angesichts der Kassen- und Finanzlage ausschließlich den Städtischen Bühnen zukommen zu lassen, da diese den Bedarf an Plätzen für die Volksbühne befriedigen können. Nur wenn diese Voraussetzung nicht gegeben ist, dürfen bis zu 6 Prozent dieser Zuschüsse an Privatbühnen gegeben werden.

Nach Kenntnisnahme eines Schreibens der Magistratsabteilung für Gesundheitswesen des sowjetischen Sektors vom 6. August 1949 über eine Koordinierung unter anderem der Seuchenbekämpfung und der Krankenhausbelegung erhebt der Magistrat keine Einwendungen dagegen, daß die zuständigen Referenten der Gesundheitsverwaltung mit Beauftragten der Verwaltung des sowjetischen Sektors eine Lösung dieser Fragen beraten. Über eine mögliche Belegung von Krankenhäusern der westlichen Sektoren mit Einwohnern des sowjetischen Sektors behält sich der Magistrat die Entscheidung vor.

Der Magistrat beschließt, bei der Abteilung Finanzen eine besondere Stelle zu bilden, die alle finanziellen und materiellen gegenseitigen Forderungen der Verwaltung, Anstalten und Betriebe der Gebietskörperschaft Groß-Berlin zusammenfaßt, die sich auf den sowjetischen Sektor oder die sowjetische Besatzungszone beziehen, um einen wirtschaftlich und finanziell zweckmäßigen Ausgleich zu erzielen.

Der Magistrat erklärt sich bereit, eine 25prozentige Ausfallbürgschaft für Kredite der Westberliner Bekleidungsindustrie gegenüber Westberliner Banken bis zur Höhe eines Kreditbetrages von 20 Millionen DM (West) zu übernehmen.

Der Magistrat bevollmächtigt den Leiter der Abteilung Bau- und Wohnungswesen, Stadtrat Nicklitz, mit der französischen Militärregierung über ihr Bauvorhaben am Gebäude Kurfürstendamm 211 zu verhandeln, das ein französisches Kulturzentrum in Berlin aufnehmen soll (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 2, 21.9.1948).

Der auf den Ausstellungen in Hannover und Hamburg gezeigte Berlin-Pavillon soll auch auf der Herbstmesse in Frankfurt a. M. ausgestellt werden, da er ein geeignetes Werbemittel zur Förderung der Wirtschaftsbeziehungen zur Bundesrepublik ist und gleichzeitig zur Belebung des Berliner Fremdenverkehrs beiträgt.

Der Magistrat stimmt dem Vertrag mit dem Vereinigten Wirtschaftsgebiet (Bizone) über die Übernahme der Verwaltung der Staatsdruckerei zum 1. September 1949 zu. In den Eigentumsverhältnissen tritt dadurch keine Veränderung ein. Die für die Errichtung einer besonderen Staatsdruckerei in Frankfurt a. M. laufenden Vorbereitungen werden mit dem Ziel weitergeführt, beide Druckereien mit der Bezeichnung "Staatsdruckerei der Bundesrepublik Deutschland" unter einheitlicher Leitung zusammenzufassen. Der in Frankfurt a. M. einzurichtende Betriebsteil soll nur Druckerzeugnisse herstellen, die aus sachlichen Gründen in Berlin nicht produziert werden können. Der Hauptbetrieb bleibt in Berlin.

Die Gewerkschaft der Eisenbahner (UGO) wendet sich in einem Schreiben an die Alliierte Kommandantur gegen die Vertragsbrüche der Reichsbahndirektion Berlin (RBD) und bittet sie um Unterstützung, damit die vom Leiter der Transportabteilung der Sowjetischen Militärverwaltung (SMV), Generalmajor Kwaschnin, gegebenen Versprechungen eingehalten werden. Die Gewerkschaft weist darauf hin, daß die Eisenbahner am 28. Juni im Vertrauen auf die Zusagen General Kwaschnins die Arbeit wiederaufgenommen hätten. In der Zwischenzeit aber seien UGO-Mitglieder entlassen oder versetzt worden. In Kürze müsse die Entlassung weiterer 3000 Westberliner Eisenbahner erwartet werden.

Die Jüdische Gemeinde veranstaltet in der Taberna Academica als Antwort auf die Veröffentlichung einer antisemitischen Leserzuschrift in der in München erscheinenden "Süddeutschen Zeitung" eine Protestversammlung. Bürgermeister Dr. Friedensburg erklärt, daß der Kampf gegen den Antisemitismus eine Frage der sittlichen Erneuerung des deutschen Volkes sei. Der Bürgermeister des Magistrats des sowjetischen Sektors, Arnold Gohr (CDU-Ost), versichert, daß auch seine Verwaltung gegen jede Form des Rassenhasses sei. Das Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde, Heinz Galinski, fordert scharfe gesetzliche Maßnahmen gegen den Antisemitismus.

1950

Der Direktor des Berliner Büros der amerikanischen Hohen Kommission, Edward Page jr., übergibt dem Bezirksbürgermeister von Kreuzberg, Willy Kressmann, einen Scheck in Höhe von 145 000 DM aus Sondermitteln der Hohen Kommission für den Bau eines Hauses der Jugend.

Der Ministerrat der sowjetischen Besatzungszone beschließt eine Verordnung über die weitere Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch und Fett ab 1. September 1950. Für den sowjetischen Sektor betragen die Rationserhöhungen pro Monat bei Fleisch für die Lebensmittelgrundkarte 450 g, für die Lebensmittelzusatzkarte B 300 g, für die Lebensmittelkarte für Kinder bis zu 9 Jahren 300 g, für Kinder von 9 bis 15 Jahren 450 g. Die Fettzuteilungen erhöhen sich bei der Lebensmittelgrundkarte um 450 g, bei der Lebensmittelzusatzkarte B um 150 g, bei Kindern bis zu 9 Jahren um 300 g und bei Kindern von 9 bis 15 Jahren um 450 g.

1951

Der amerikanische Hochkommissar McCloy überreicht Bürgermeister Dr. Schreiber einen Scheck in Höhe von fünf Millionen DM für den Bau der amerikanischen Gedenkbibliothek am Blücherplatz im Bezirk Kreuzberg.

Etwa siebzig sowjetische Jagdflugzeuge überfliegen in niedriger Höhe die Bezirke Steglitz und Zehlendorf. Der amerikanische Vertreter bei der Luftsicherheitszentrale protestiert gegen die innerhalb einer Woche zweite Verletzung der Viermächteabkommen über die Luftsicherheit.

1951

Der in London lebende frühere Rabbiner von Berlin, Dr. Leo Baeck, weilt zur Teilnahme an der Sitzung des "Zentralrats der Juden in Deutschland" in Berlin. Ihm zu Ehren findet in der Synagoge in der Charlottenburger Pestalozzistraße ein Festgottesdienst statt. In seiner Begrüßung erinnert der Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde, Heinz Galinski, daran, daß Dr. Baeck während der Judendeportationen im Krieg freiwillig in das Konzentrationslager Theresienstadt ging, um das Los seiner Glaubensgenossen zu teilen.
Dr. Baeck dankt in seiner Predigt all denen, die nach der Katastrophe von 1945 wieder jüdisches Leben in Berlin erweckten. Er erinnert an das deutsche Judentum, das anderthalb Jahrtausende in diesem Lande lebte und dessen Name ein Ehrentitel in der Welt gewesen sei; deshalb glaube er auch nicht, daß die Tage der deutschen Juden vorüber seien, denn sie befänden sich überall in der Welt. In den wiederaufgebauten jüdischen Gemeinden zeige sich wieder eine jüdische Zukunft. Aus der Verzweiflung sei Hoffnung, aus der Enge Weite geworden, und der Wille des Judentums habe sich durch diese Stätten des Aufbaues bewiesen.

1951

Delegiertenkonferenz des Verbandes Deutscher Studentenschaften, verbunden mit einer Tagung des Amtes für gesamtdeutsche Studentenfragen, unter Teilnahme der dafür zuständigen Referenten aller Universitäten, und Hochschulen West-Berlins und Westdeutschlands.
Nach Eröffnung der Veranstaltung durch den Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Jakob Kaiser, gibt der Leiter des Amtes für gesamtdeutsche Studentenfragen, Dietrich Spangenberg, einen Überblick über die bisherige Tätigkeit des Amtes, die u. a. in dem Aufbau eines sächlichen Nachrichtendienstes über Hochschulangelegenheiten in der SBZ sowie in der Organisation von Buch- und Sachspendenaktionen für mitteldeutsche Studenten und Dozenten besteht. Sein Stellvertreter, Carl-Heinz Evers, hält es für unangebracht, Dämme gegen den Kommunismus zu bauen, vielmehr müsse ihm der Wind aus den Segeln genommen werden. Er fordert die westdeutschen Studenten zu stärkerer geistiger Anteilnahme am Geschick ihrer Kommilitonen in der SBZ auf. Mit Mehrheit lehnen die Delegierten jede Zusammenarbeit und Zusammenkunft mit offiziellen Vertretern der Studenten- und Universitätsvertretungen der SBZ ab.
Eine weitere Resolution verurteilt das Wiederaufleben reaktionärer studentischer Gemeinschaftsformen an verschiedenen Hochschulorten als "sozial und staatsbürgerlich verantwortungslose Verfehlung".

1953

Der amerikanische Stadtkommandant, General Timberman, und der Regierende Bürgermeister Professor Reuter eröffnen auf dem Flughafen Tempelhof eine "Kinderluftbrücke", die 1200 in Berlin lebenden Flüchtlingskindern durch Benutzung amerikanischer Militärmaschinen einen Ferienaufenthalt in Westdeutschland ermöglicht. Die Aktion wird durch eine Spendensammlung des NWDR in Zusammenarbeit mit Wohlfahrtsorganisationen ermöglicht. In Köln begrüßt Bundespräsident Professor Heuss die ersten aus Berlin eintreffenden Kinder.

159. (Ordentliche) Sitzung des Senats von Berlin.
Der Senat beschließt im Grundsatz die Verlängerung der U-Bahnlinie C über den bisherigen Endbahnhof Seestraße hinaus bis nach Tegel, wobei zunächst unter Einbeziehung noch vor 1930 eingebauter Tunnelstrecken ein Teilstück bis zum vorläufigen Endpunkt Kurt-Schumacher-Platz als Untergrundbahn in den Jahren 1953 bis 1955 gebaut werden soll. Die Kosten dieses Projekts - der ersten Erweiterung des Berliner U-Bahnnetzes seit 1930 überhaupt - werden auf 34 Millionen DM geschätzt.

Die Abteilungen Jugend und Sozialwesen der Bezirksämter werden vom Senat ermächtigt, in besonderen Fällen die gesundheitliche Versorgung einschließlich Wochenhilfe der im sowjetischen Besatzungsgebiet sozialversicherten Personen zu übernehmen, die aus politischen oder menschlichen Gründen ihre Ansprüche dort nicht geltend machen können und dadurch hilfsbedürftig werden.

Der Senat stimmt dem Ausbau des Vieh- und Schlachthofs im Bezirk Spandau - dem einzigen West-Berlins - zu.

Der Senat billigt das vom Senator für Volksbildung vorgelegte "Gesetz über die Privatschulen und den Privatunterricht" und gelangt dabei einmütig zu der Auffassung, daß Privatschulen, die nur für die ersten vier oder sechs Schuljahre eingerichtet werden sollen, nicht dem Bildungsziel der Berliner Schule entsprechen und daher nicht zu genehmigen sind.

In einem Grundsatzbeschluß stellt der Senat fest, daß er sich unter Umständen und nach sorgfältiger Prüfung beim Vorliegen dringender volkswirtschaftlicher Gründe an wirtschaftlichen Unternehmungen beteiligen könne.

Der Senat erläßt die "Verordnung über die Herstellung von Konsumbrot und von Konsumbrotmehlen". Danach sind die Berliner Backbetriebe verpflichtet, ein verbilligtes Konsumbrot aus einer Roggen- und Weizenmehlmischung zum Preise von 0,52 DM pro Kilo herzustellen und in ausreichender Weise anzubieten.

1954

Der Staatssekretär im Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen, Thedieck, erläutert der Öffentlichkeit auf einer Pressekonferenz den ersten Tätigkeitsbericht des "Forschungsbeirats für Fragen der Wiedervereinigung Deutschlands" für die Jahre 1952/1953, der sich auf wirtschaftliche Probleme beschränkt und von der Annahme ausgeht, daß die Wiedervereinigung nur auf friedlichem Wege möglich ist und die für eine Neuregelung in Betracht kommenden Fragen durch einen gesamtdeutschen Gesetzgeber frei entschieden werden können. Der Forschungsbeirat tritt u. a. dafür ein, die Zwangswirtschaft in der Sowjetzone aufzuheben. Er hält es auch für möglich, daß der mitteldeutschen Wirtschaft durch besondere Hilfsmaßnahmen ohne "Abschirmung" zu einem guten Start verholfen werden kann. Das Problem der Bodenreform empfiehlt der Beirat nicht durch Wiederherstellung der alten Eigentumsverhältnisse, sondern durch Entschädigung der früheren Besitzer nach rechtsstaatlichen Gesichtspunkten zu lösen. Die Arbeitsplätze in der Sowjetzone müßten durch Einsetzung von arbeitsfähigen Betriebsleitungen und Treuhändern in den "volkseigenen" Betrieben unbedingt gesichert werden. Da sich der Beirat generell für die Einführung des Marktwirtschaftsprinzips auch in der Sowjetzone ausspricht, hält er den jetzt dort existierenden "Handelsapparat" für völlig ungeeignet. Hinsichtlich der Sozialversicherung schlägt er vor, das in der Sowjetzone herrschende System der staatlichen Monopolanstalten so schnell wie möglich durch das System in der Bundesrepublik zu ersetzen. Schließlich empfiehlt er, ohne die Währungsfrage schon intensiv genug durchgearbeitet zu haben, einen gesamtdeutschen Finanzausgleich herbeizuführen.

Der Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen bestimmt in der "Verordnung über Fernmeldegebühren zwischen dem Bundesgebiet und dem Lande Berlin", daß ab 1. September 1954 die Gebühren für Ferngespräche und Fernschreiben von und nach Berlin (mit Ausnahme des sowjetischen Sektors) um jeweils eine niedrigere Entfernungsstufe der Gebührenvorschriften zu berechnen sind.

Im Sitzungssaal der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte werden, nach Wahl durch die Vertreterversammlung und Bestätigung durch die Bundesregierung, Dr. Erwin Gaber als Präsident sowie Dr. Herbert Gubohr und Dr. Rudolf Schmidt als Direktoren der Anstalt feierlich in ihr Amt eingeführt.

Das "DDR"-Ministerium für Handel und Versorgung gibt bekannt, daß in der Zeit vom 18. bis 28. August im sowjetischen Besatzungsbereich vom staatlichen, genossenschaftlichen und privaten Einzelhandel erstmalig wieder Sommerschlußverkäufe durchgeführt werden.

1956

Bei den im Olympiastadion stattfindenden 56. Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften können sich die Berliner Günther Dohrow (Meister über 1500 m) und Olaf Lawrenz sowie Inge Fuhrmann (Meisterin über 100 und 200 m) zugleich für die Olympischen Spiele in Melbourne im November qualifizieren.
Den alljährlich bei den Meisterschaften verliehenen Rudolf-Harbig-Gedächtnis-Preis erhält mit Maria Sander (Dinslaken 09) in diesem Jahr zum erstenmal eine Frau.

Einen Tag später einigen sich nach sechsstündiger Beratung im Ost-Berliner Hotel Newa die Vertreter des Deutschen Leichtathletikverbandes und der Sektion Leichtathletik der DDR über die vorläufige Nominierung zur Kandidatenliste für die Olympischen Sommerspiele in Melbourne, die 26 westdeutsche und 15 ostdeutsche Leichtathleten umfaßt.

1957

Die südliche Fahrbahn der sogenannten Südtangente wird im 286 Meter langen Abschnitt zwischen Nürnberger Straße und Rankeplatz für den Verkehr freigegeben. Damit sind insgesamt 650 Meter der Südtangente befahrbar.

Beim Versuch der Entschärfung einer sowjetischen Granate, die am Vortage bei Enttrümmerungsarbeiten als Blindgänger gefunden worden war, verunglückt der 40jährige Polizeiobermeister und Feuerwerker Werner Stephan auf dem Sprengplatz der Polizei im Grunewald tödlich, zwei Helfer werden verletzt.
Der amtierende Regierende Bürgermeister Amrehn spricht der Witwe Stephans in einem Telegramm sein auch im Namen der Berliner Bevölkerung empfundenes Beileid aus.

1958

Auf Beschluß der Kreuzberger Bezirksverordnetenversammlung erhält die neue Wohnsiedlung am Waldeck-Park im Rahmen einer Feierstunde den Namen des verstorbenen Regierenden Bürgermeisters Otto Suhr, der an diesem Tage 64 Jahre alt geworden wäre. Worte des Gedenkens sprechen Kreuzbergs Bezirksbürgermeister Kressmann, der Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Neumann und Bausenator Schwedler. Zugleich wird vom Band noch einmal die Rede übertragen, die Otto Suhr bei der Übergabe der in West-Berlin gebauten hunderttausendsten Wohnung in dieser Siedlung im Sommer 1957 gehalten hatte.
Der bereits fertiggestellte Teil dieser Siedlung der BeWoGe umfaßt 700 Wohnungen in acht- und zehngeschossigen Gebäudezeilen mit einer Ladenstraße, einer Zentralheizungsanlage und einer Zentralwaschküche neben begrünten Höfen und Kinderspielplätzen. In künftigen Bauabschnitten sollen bis zum Moritzplatz und der Jakobikirche weitere 500 Wohnungen entstehen.

1959

Die Nachrichtenagenturen AP und dpa melden, daß der sowjetische Ministerpräsident Chruschtschow der amerikanischen Regierung das Angebot übermittelt habe, für die Räumung West-Berlins durch die Westmächte könne die Bundesrepublik einen von ihr zu kontrollierenden Korridor dorthin einrichten.

Ernst Jäckh, der Gründer und Direktor der DHfP von 1920 bis 1933, der während des NS-Regimes Deutschland hatte verlassen müssen, stirbt in New York im 84. Lebensjahr.

1959

Während seines zweiten offiziellen Berlin-Besuchs konferiert der Präsident des Obersten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten, Earl Warren, mit dem amerikanischen Stadtkommandanten General Hamlett, mit dem stellv. Leiter der US-Mission, Lightner, und mit dem Regierenden Bürgermeister Brandt sowie Bürgermeister Amrehn, spricht im Amerikahaus über den "Schutz des Einzelnen durch das Recht", unternimmt Stadtrundfahrten durch West- und Ost-Berlin und besichtigt das Notaufnahmelager Marienfelde.

1959

Die Nachrichtenagenturen AP und dpa melden, daß der sowjetische Ministerpräsident Chruschtschow der amerikanischen Regierung das Angebot übermittelt habe, für die Räumung West-Berlins durch die Westmächte könne die Bundesrepublik einen von ihr zu kontrollierenden Korridor dorthin einrichten.

Ernst Jäckh, der Gründer und Direktor der DHfP von 1920 bis 1933, der während des NS-Regimes Deutschland hatte verlassen müssen, stirbt in New York im 84. Lebensjahr.

1959

Während seines zweiten offiziellen Berlin-Besuchs konferiert der Präsident des Obersten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten, Earl Warren, mit dem amerikanischen Stadtkommandanten General Hamlett, mit dem stellv. Leiter der US-Mission, Lightner, und mit dem Regierenden Bürgermeister Brandt sowie Bürgermeister Amrehn, spricht im Amerikahaus über den "Schutz des Einzelnen durch das Recht", unternimmt Stadtrundfahrten durch West- und Ost-Berlin und besichtigt das Notaufnahmelager Marienfelde.

1961

Die drei Westmächte legen in den von ihren Botschaftern in Moskau überreichten Noten "feierlichen Protest" gegen die von der DDR in Berlin durchgeführten Sperrmaßnahmen ein, die sie als illegal und als eine Verletzung des Viermächte-Status der Stadt bezeichnen, dazu geeignet, zur Vermehrung bestehender Spannungen und Gefahren beizutragen. Die Sowjetunion wird für alle Übergriffe der DDR-Behörden verantwortlich gemacht und aufgefordert, für eine Aufhebung der unrechtmäßigen Sperren zu sorgen.

Der Senat beschließt auf seiner 144. (Außerordentlichen) Sitzung eine erste Hilfe für Flüchtlinge, die seit dem 10. August ihre Notaufnahme beantragten, durch die Möglichkeit, bei der Lohnausgleichskasse einen einmaligen Umtausch von Ost- in Westmark zum Kurs von 1:5 bis zum Höchstbetrag von 1000 DM (Ost) je Person zu gewähren, solange jedenfalls Wechselstuben und Banken Ostmark-Beträge nur noch im Rahmen der Verwertbarkeit annehmen. Schließlich beauftragt der Senat Sozialsenator Exner, in Verhandlungen mit den beteiligten Stellen zu erreichen, daß künftig auf die Veröffentlichung täglicher Flüchtlingszahlen verzichtet wird.

Die EKD fordert in gleichlautenden Telegrammen - unterzeichnet jeweils von den Vorsitzenden des Rates der EKD, Scharf, der Kirchlichen Ostkonferenz, Krummacher (Greifswald), und der Synode Berlin-Brandenburg, Figur, sowie vom Berliner Generalsuperintendenten Führ - an den DDR-Staatsratsvorsitzenden Ulbricht und Ost-Berlins Oberbürgermeister Ebert eine Rücknahme der Abriegelunsmaßnahmen vom B.August, um damit "den elementaren menschlichen Bedürfnissen und Rechten" der Deutschen zu entsprechen.

Die DDR-Behörden verweigern dem in Ost-Berlin wohnenden EKD-Ratsvorsitzenden Scharf, der am Abend des 13. August von seinem Aufenthalt im Westen der Stadt wieder nach Hause zurückgekehrt war, einen Passierschein zum Betreten West-Berlins, und dem ev. Bischof von Berlin-Brandenburg, Dibelius, wie auch dem noch als Administrator des Bistums Berlin amtierenden, aber bereits zum Erzbischof von München und Freising ernannten Kardinal Döpfner den Zutritt Ost-Berlins, letzterem mit der Begründung, er stünde auf der "Fahndungsliste".

Das Präsidium des NOK der Bundesrepublik und der Geschäftsführende Vorstand des DSB beschließen auf einer gemeinsamen Sitzung in Düsseldorf unter Vorsitz des Präsidenten beider Gremien, Daume, angesichts "der vom Regime der sowjetischen Besatzungszone getroffenen Abschnürungsmaßnahmen" die sofortige Einstellung des innerdeutschen Sportverkehrs und den Verzicht westdeutscher Sportler auf die Teilnahme an internationalen Sportveranstaltungen im anderen Teil Deutschlands. Ferner halten es in der gegenwärtigen Lage NOK wie DSB für eine Ehrenpflicht der Turn- und Sportbewegung der Bundesrepublik, den Sportverkehr mit West-Berlin mit allen Kräften zu verstärken.

1961

Münchens Oberbürgermeister Vogel (SPD) bekundet seine Solidarität mit dem bedrängten Berlin durch einen Besuch, während dessen er mit dem Regierenden Bürgermeister Brandt und Bürgermeister Amrehn konferiert sowie mit Innensenator Lipschitz eine Fahrt entlang der Sektorengrenze unternimmt. Sein Versuch, einen persönlichen Eindruck von der Lage im anderen Teil der Stadt zu gewinnen, scheitert an der Haltung der Volkspolizei, die seinen Dienstausweis nicht als ausreichende Legitimation betrachtet, zugleich ihm aber dennoch den Zugang in Aussicht stellt, falls er ein Gespräch mit Ost-Berlins Oberbürgermeister Ebert führen wolle; Vogel verzichtet jedoch auf dieses Anerbieten.

1962

Zwei 18jährige Bauarbeiter versuchen kurz nach 14 Uhr an der Markgrafen/Ecke Zimmerstraße - ganz in der Nähe des US-Kontrollpunktes Friedrichstraße - nach West-Berlin zu flüchten. Während dem einen der Sprung über die Mauer gelingt, fällt der andere, Peter Fechter, von Schüssen getroffen, auf die Ost-Berliner Seite zurück, vor Schmerzen schreiend und immer wieder um Hilfe bittend. Drei DDR-Grenzposten mit Maschinenpistolen im Anschlag stehen tatenlos neben dem allmählich Verblutenden, den Volkspolizisten erst nach einer Stunde abtransportieren. Auf West-Berliner Seite versammeln sich kurz nach den Schüssen etwa 250 Personen, die in ihrer Erbitterung über das Geschehen in Sprechchören die DDR-Posten als "Mörder" und "Banditen" beschimpfen, die ihrerseits mit Tränengas antworten. Innensenator Albertz, der sich nach dem Abtransport des Erschossenen über die Lage orientiert, nennt in einer ersten Stellungnahme den an der Mauer herrschenden Zustand für alle unerträglich.

1963

Am ersten Jahrestag der Ermordung des jungen Ost-Berliner Bauarbeiters Peter Fechter bei einem Fluchtversuch ehren ihn am neben dem Checkpoint Charlie errichteten Gedenkkreuz durch Kranzniederlegungen der amerikanische Stadtkommandant, General Polk, und der Regierende Bürgermeister Brandt sowie viele Hundert Berliner mit einer Fülle von Blumen. Möglichen Demonstrationen (vgl. 13. August) sucht die West-Berliner Polizei mit umfangreichen Absperrungen in der Friedrich- und in der Kochstraße zu begegnen, wie auch die US-Militärpolizei ihre Posten am Checkpoint Charlie verstärkt.

1964

Die Westmächte weisen in durch ihre Moskauer Botschafter übergebenen Noten erneut den sowjetischen Protest gegen die Bundespräsidentenwahl in West-Berlin zurück (vgl. 1. Juli), da sie zur Praxis geworden sei und in der Vergangenheit niemals zu Unruhen geführt habe.

1969

Im Alter von 83 Jahren stirbt in Chicago der deutsch-US-amerikanische Architekt Ludwig Mies van der Rohe. Zu seinen bekanntesten Werken in Deutschland zählt die Neue Nationalgalerie in West-Berlin (Potsdamer Straße), die am 15. September 1968 eingeweiht wurde.

1970

Der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz gibt zu der von den Vertriebenenverbänden geplanten Kundgebung anläßlich des "Tages der Heimat" am 6. September folgende Erklärung ab: "1. Bisher haben die Führungen der Verbände die Meinung vertreten, sie würden ihre politischen Kampfdemonstrationen und Kundgebungen selbst finanzieren und brauchten staatliche Förderung nur für ihren kulturellen Auftrag. Das fand ich richtig und das _ so finde ich _ ist weiterhin richtig. Ich bin nach wie vor dafür, daß für die kulturelle Arbeit öffentliche Mittel zur Verfügung gestellt werden. 2. Die Verbandsführungen behaupten immer, sie könnten sich auf eine breite Zustimmung ihrer Mitglieder im besonderen und in unserem Volk im allgemeinen stützen. Es ist mir deshalb völlig unverständlich, weshalb sie die geplante Kundgebung nicht selbst finanzieren wollen. Es erscheint mir bemerkenswert, daß die Verbandsführungen um jeden Preis Geld von denen annehmen wollen, die sie als ihre politischen Gegner betrachten und die sie mit ihrer Kampfdemonstration bekämpfen. 3. Die drei Schutzmächte Berlins und die Bundesregierung bemühen sich in schwierigsten Verhandlungen mit der Sowjetunion, die Lage Berlins zum ersten Mal seit Kriegsende entscheidend zu verbessern und mehr Sicherheit für West-Berlin und für die Zugangswege zu erreichen. In diesem Augenblick muß jeder selbst prüfen, ob es ratsam ist, politische Kampfdemonstrationen dieser Art mit Rednern, deren politischer Standpunkt eindeutig gegen realistische Einsichten und damit gegen mögliche Verbesserungen sind, auch noch mit Steuergeldern zu fördern."
   Die Ankündigung des Regierenden Bürgermeisters, die geplante Veranstaltung zum "Tag der Heimat" könne nicht mit staatlicher finanzieller Unterstützung rechnen, führt zu einer heftigen Kontroverse zwischen dem Senat einerseits und dem Landesverband der Vertriebenen sowie der Berliner CDU andererseits. Der Vorsitzende der Berliner F.D.P., Hermann Oxfort, begrüßt die Haltung des Regierenden Bürgermeisters. Die Auswahl der Redner lasse darauf schließen, daß "in einseitiger und polemischer Art" die Ostpolitik der Bundesregierung torpediert werden solle.
   Wie "Der Tagesspiegel" am 19. August berichtet, wird auch die Bundesregierung erstmals die Kundgebung zum "Tag der Heimat" nicht finanziell unterstützen. Begründet wird die Entscheidung damit, daß der Berliner Landesverband der Vertriebenen erstmalig nicht den Regierenden Bürgermeister auf der Kundgebung sprechen lassen wolle.

1971

Im Gebäude des früheren Alliierten Kontrollrats in Berlin Schöneberg treffen die Botschafter der vier für Berlin verantwortlichen Mächte zu ihrem 31. Berlin Gespräch zusammen. (Vgl. 16. August.) Den Vorsitz führt der britische Botschafter Sir Roger Jackling.

1972

Der neue Botschafter der USA in der Bundesrepublik Deutschland, Martin J. Hillenbrand, stattet dem Botschafter der Sowjetunion in der DDR, Michail T. Jefremow, in Ost-Berlin seinen Antrittsbesuch ab. (Vgl. 7. Juli.) Die beiden Diplomaten führen einen Meinungsaustausch über Fragen von gemeinsamem Interesse.

Hans Lietzau wird im Schiller-Theater in Berlin-Charlottenburg vom Senator für Wissenschaft und Kunst, Werner Stein, offiziell in das Amt des Generalintendanten der Staatlichen Schauspielbühnen Berlin eingeführt. Er ist Nachfolger von Boleslaw Barlog, der am 25. Juni feierlich verabschiedet wurde.

1973

Der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz bekräftigt in der Diskussion um die künftige Organisationsform des innerdeutschen Handels die Auffassung des Senats, daß die Treuhandstelle für den Interzonenhandel auf absehbare Zeit in West-Berlin verbleiben solle. Damit spricht sich Schütz gegen Bestrebungen des Bundesministers für besondere Aufgaben, Egon Bahr, und des Bundeskanzleramts aus, die Treuhandstelle nach Ost-Berlin zu verlegen und in die Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in der DDR einzugliedern.
   Am 21. August erklärt Senatssprecher Günter Struve, die Entscheidung, ob die Treuhandstelle von West- nach Ost-Berlin verlegt werden oder in West-Berlin verbleiben soll, liege bei der Bundesregierung. Der Senat bleibe aber bei seiner Auffassung, daß man eine Institution, die sich über Jahre und auch in schweren Zeiten in der gegenwärtigen Form bewährt habe, nicht ohne Not aus dem Westteil der Stadt abziehen sollte.

1974

Wie "Der Tagesspiegel" aufgrund einer Anfrage beim Senatspresseamt mitteilt, seien seit Inkrafttreten der Reise- und Besuchsregelung im Juni 1972 59 West-Berliner in Ost-Berlin bzw. der DDR festgenommen worden. Davon befänden sich noch 25 in Haft. In mehr als der Hälfte der Fälle werde der Vorwurf der Fluchthilfe erhoben. Den anderen Inhaftierten würden vor allem Devisen- oder Verkehrsvergehen vorgeworfen.

1982

Das Berliner Presseamt gibt in einer Übersicht bekannt, daß seit Inkrafttreten der Besuchs- und Reiseregelung im März 1972 West-Berliner insgesamt fast dreißigmillionenmal nach "drüben" gingen und fuhren, davon rund 243 Mio. Tagesbesuche und 4,54 Mio. mehrtägige Aufenthalte. Mit der Erhöhung der Zwangsumtauschquote im Oktober 1980 erfolgte ein drastischer Rückgang der Besucherzahlen, bei Tagesbesuchen um 46 % und bei mehrtägigen Fahrten um 30 %. Seit 1972 erfolgte die Festnahme von 245 West-Berlinern, darunter 124 wegen des Verdachts der Fluchthilfe.

1987

Während seines Besuchs der von Zürich vom 14. bis 30. August unter dem Motto "Zürich gratuliert Berlin" veranstalteten Festwochen spricht der Regierende Bürgermeister Diepgen im Stadthaus zum Thema "750 Jahre Berlin im Auftrag der Geschichte, Chancen für die Zukunft", eröffnet die Ausstellungen "Berliner Stadtlandschaften" und "Impressionen Berlin", ist Gast einer kleinen Zeremonie am bereits Anfang Juni 1958 aufgestellten und renovierten Berliner Meilensteins und führt Gespräche mit dem Zürcher Stadtpräsidenten Wagner.

1987

Im Alter von 93 Jahren stirbt mit dem früheren, 1946 in Nürnberg zu lebenslanger Haft verurteilten "Stellvertreter des Führers", Rudolf Heß, der seit 1966 letzte Insasse des Hauptkriegsverbrechergefängnisses in Spandau, nachdem er noch im April laut "Der Spiegel" erstmals selbst die Staatsoberhäupter der Siegermächte um Begnadigung ersucht haben soll. Von alliierter Seite verlautet, daß entsprechend einem Beschluß derRepräsentanten dervier Mächte die Verwaltung dieses Gefängnisses damit endgültig beendet sei und es abgerissen werde. Überraschung löst eine weitere alliierte Mitteilung zurÜbergabe des Leichnams von Heß an seine Familie aus, da man bislang annahm, daß dieser verbrannt und die Asche verstreut werden solle, um zu verhindern, daß Rechtsradikale das Grab als eine Art Kultstätte betrachten. Einen Tag später geben die Alliierten bekannt, eine erste Untersuchung deute daraufhin, Heß habe versucht, sich selbst zu töten. Denn bei dem gewohnten Spaziergang zu einem Häuschen im Garten des Gefängnisses habe der ihn begleitende Wärter nach wenigen Minuten mit einem Elektrokabel um den Hals vorgefunden; sofort vorgenommene Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos, so daß um 16.00 Uhr die Bekanntgabe seines Todes erfolgte. Wiederum einen Tag später berichten die britischen Militärbehörden, daß die Leiche von Heß in Anwesenheit von medizinischen Vertretern der vier Mächte durch Gerichtsmediziner Prof. Malcolm Cameron obduziert wurde, der als "Haupttodesursache"Erstickungfeststellte,wasderendgültige Bericht am 17. September noch einmal ausdrücklich bestätigte. Ein bei Heß gefundener Brief zeige, daß er plante, sich das Leben zu nehmen. Am 20. August übergeben die amerikanischen Militärbehörden den Leichnam in Grafenwöhr den Angehörigen von Heß, die im 60 Kilometer entfernten Wunsiedel ein Familiengrab besitzen. Entgegen den allgemeinenErwartungen erfolgt die Beisetzung jedoch nicht dort, sondern aus Furcht vor neonazistischen Ausschreitungen am 24. August an einem unbekannten Ort, von dem aus erst am 17. März 1988 der Leichnam ins Familiengrab überführt wird.

1990

Beim 49. Internationalen Stadionfest (ISTAF) der Leichtathleten im Berliner Olympia-Stadion verpaßt Christine Wachtel (Neubrandenburg/DDR) vor 32 000 Zuschauern mit 2:30,67 Minuten nur knapp den Weltrekord über 1000 m. Der Mexikaner Arturo Barrios erzielt Jahresweltbestzeit über 10 000 m (27:18,22 Minuten) und verfehlt knapp seinen eigenen 10 000-m-Weltrekord aus dem vergangenen Jahr um rund zehn Sekunden.

1992

Walter Momper tritt als Landesvorsitzender der Berliner SPD zurück. Er zieht damit die Konsequenz aus der innerparteilichen Kritik an seiner neuen beruflichen Tätigkeit als Generalbevollmächtigter der Immobilienfirma Ellinghaus GmbH. (Vgl. 10. August.) Der ehemalige Regierende Bürgermeister war von verschiedenen Seiten der SPD aufgefordert worden, bei der turnusmäßigen Neuwahl des Landesvorstands am 31. Oktober nicht wieder zu kandidieren. Momper gibt seinen Rücktritt im Geschäftsführenden Landesvorstand mit einer ausführlichen Begründung bekannt.
   Bis zur Neuwahl der Parteispitze führt die stellvertretende Landesvorsitzende Monika Buttgereit die Geschäfte des Parteichefs kommissarisch.

Nach einem Treffen im Gästehaus des Senats in Berlin-Grunewald erklären der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen und Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe, daß der politische Wille zur Fusion Berlins und Brandenburgs nicht von den Mechanismen des bundesstaatlichen Finanzausgleichs konterkariert werden dürfe. Als unabdingbare Voraussetzung für eine Vereinigung fordern beide Länder Übergangsfristen: Für mindestens zehn Jahre müßten die Berlin-Hilfe des Bundes, der Fonds Deutsche Einheit und das Stadtstaatenprivileg erhalten bleiben bzw. müßte eine Nachfolgeregelung geschaffen werden. Würden diese Voraussetzungen nicht erfüllt, müsse der Vollzug einer Ländervereinigung auf lange Sicht aufgeschoben werden.

Beim Bauwettbewerb für das Gelände des japanischen Elektronikkonzerns Sony am Potsdamer Platz wählt ein Preisgericht, dem auch der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen angehört, aus sieben eingereichten Entwürfen die Arbeit des deutsch-amerikanischen Architekten Helmut Jahn aus. Vorgesehen sind ein Büro- und Geschäftshauskomplex mit der Sony-Europazentrale, ein Filmhaus, ein Hotel und Wohnungen. Mit dem Baubeginn für das 1,2-Milliarden-DM-Projekt rechnet Sony 1994.

1993

Wie Justizsprecher Bruno Rautenberg mitteilt, hat das Landgericht Berlin das Verfahren gegen den früheren Vorsitzenden des Ministerrats der DDR, Willi Stoph, wegen dessen schlechten Gesundheitszustands endgültig eingestellt. Dem 79jährigen werde für die Zeit seiner Untersuchungshaft vom Mai 1991 bis August 1992 eine Haftentschädigung gezahlt. Der frühere DDR-Regierungschef war gemeinsam mit Erich Honecker und den übrigen Mitgliedern des Nationalen Verteidigungsrats wegen Tötung von 50 DDR-Flüchtlingen an der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze angeklagt.

1994

Senatssprecher Michael-Andreas Butz eröffnet im Berliner Rathaus eine Ausstellung zum Gedenken an Otto Suhr (1894 - 1957), der heute 100 Jahre alt geworden wäre. In Fotos und Originaldokumenten wird das Leben des dritten Regierenden Bürgermeisters von Berlin nachgezeichnet. Der Sozialdemokrat hatte das Amt von 1955 bis zu seinem Tode inne. Zuvor war er Präsident des Abgeordnetenhauses bzw. Stadtverordnetenvorsteher (seit 1946). Die Ausstellung des Landesarchivs Berlin in Zusammenarbeit mit der Senatskanzlei ist bis zum 30. September zu sehen. 1 473 Besucher werden gezählt.

1995

Im Rahmen ihrer Welttournee spielt die Rockgruppe Rolling Stones vor 71 000 Fans im ausverkauften Olympia-Stadion in Berlin-Charlottenburg. Die Band wartet bei ihrem "Voodoo Lounge"-Konzert mit futuristischen Lichtorgien und Computeranimationen auf. 200 Polizisten, 450 Ordner und 139 Sanitäter sorgen für Sicherheit.

2012

Zum 50. Todestag von Peter Fechter (1944–1962) findet in der Kapelle der Versöhnung an der Bernauer Straße im Bezirk Mitte eine Andacht statt. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit verliest die Biografie des von DDR-Grenzsoldaten erschossenen Flüchtlings. Am Nachmittag nehmen im Besucherzentrum der Mauergedenkstätte Bernauer Straße rund 100 Schülerinnen und Schüler Berliner und Brandenburger Gymnasien sowie der Deutschen Schule in Helsinki an der Podiumsdiskussion »Wert der Freiheit« teil.

2014

Im Alter von 93 Jahren stirbt in Daun in der Eifel der Russlandexperte Wolfgang Leonhard. Als 24-Jähriger und Mitglied der von dem späteren DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht (1893–1973) geleiteten »Gruppe Ulbricht« kehrte er 1945 aus dem sowjetischen Exil nach Deutschland zurück. Diese Gruppe hatte als deutsches Hilfsorgan der Roten Armee die Aufgabe, in Berlin die nach Kriegsende zufällig entstandenen neuen deutschen Verwaltungen politisch-personell in ihrem Sinne umzuformen. Von 1947 bis 1949 lehrte Leonhard in Kleinmachnow bei Berlin an der SED-Parteihochschule »Karl Marx«. 1949 nach Jugoslawien geflüchtet, siedelte er 1950 in die Bundesrepublik Deutschland über. Bekannt wurde Leonhard durch sein 1955 erschienenes autobiografisches Buch »Die Revolution entlässt ihre Kinder«, in dem er seine Wandlung vom begeisterten Kommunisten zum Sowjetkritiker beschreibt. Später lehrte er unter anderem an der renommierten Yale University in den USA und betätigte sich in der Bundesrepublik Deutschland als vielgefragter Ostexperte, Kommentator für Fragen der Sowjetunion und des internationalen Kommunismus.
Am 21. August wird Leonhard im engsten Familienkreis auf dem Friedhof von Manderscheid in der Eifel beigesetzt. Am 30. August findet eine Trauerfeier in der Kirche der Zisterzienser-Abtei Himmerod in der Eifel statt, an der auch der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher teilnimmt.


Zitierform: Berlin - Chronik. Online-Version : Hrsg. vom Landesarchiv Berlin. - URL: http://www.berlin-chronik.de (Stand: 17.08.2019)