Was geschah am 14.09. im Jahr ... 1945 Stadtrat Professor Scharoun spricht in einer Sitzung des Hauptamtes für Bauordnungswesen über den geplanten Wiederaufbau der Stadt. Die beabsichtigte Bauplanung wurzelt in dem Gedanken die Bebauung der durch Bombenangriffe stark aufgelockerten Stadt nicht mehr von der Mitte nach der Weichbildgrenze hin herunterzustufen oder an den Hauptverkehrs- und AusfallstraÃen zu begünstigen, sondern Berlin gewissermaÃen in einzelne kleine Städte aufzulösen mit besonders betonten Zentren wie Rathäuser, Kirchen usw. Auf einer auÃerordentlichen Funktionärversammlung der SPD in der "Neuen Welt", Hasenheide im Bezirk Neukölln, spricht der Vorsitzende, Otto Grotewohl, über das Thema "Wo stehen wir, wohin wollen wir". In Anwesenheit des ersten Vorsitzenden der KPD, Wilhelm Pieck, erklärt Otto Grotewohl, daà nach gewissenhafter Prüfung die Voraussetzungen für eine organisatorische Verschmelzung der beiden Arbeiterparteien noch nicht erfüllt seien. In diesem Zusammenhang erwähnt Grotewohl, daà viele Sozialdemokraten noch von dem Zweifel in "die ehrliche Ãberzeugung der kommunistischen Schwenkung" befreit werden müssen. Ferner wendet er sich gegen die noch immer von kommunistischer Seite vorgebrachten Diffamierungen der Sozialdemokraten als "Verräter" in der Frage der Geschichte der letzten drei Jahrzehnte und gegen die Versuche der KPD in ihren unteren Organisationsteilen, bei der personellen Besetzung kommunaler Selbstverwaltungsorgane sich entgegen dem selbstverständlichen Grundsatz demokratischer Parität Vorteile zu verschaffen. Der SPD weist Grotewohl die Aufgabe zu, "für die politische Willensbildung als Sammellinse zu wirken, in der sich die Ausstrahlungen des politischen Lebens in Deutschland treffen". Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Botschafter a. D. Rudolf Nadolny, kündigt den Leitern der Landesstellen an, daà nach längeren Vorarbeiten in Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden der beiden Kirchen, Innere Mission und Caritas, eine allgemeine Suchaktion begonnen wird, um auseinandergerissene Familienmitglieder wieder zusammenzuführen. Diese Aktion, die unter dem Namen "Suchdienst der Kirchen und des Deutschen Roten Kreuzes" läuft, soll sich über das gesamte Reichsgebiet erstrecken, wofür aber noch die Genehmigung des Alliierten Kontrollrats abgewartet werden muÃ. 1946 Die Alliierte Kommandantur verpflichtet mit BK/O (46) 366 alle Personen, die auf einer Fläche von mehr als 500 Quadratmetern Beeren, Obst und Nüsse anbauen, mit dem Haupternährungsamt des Magistrats Lieferungsverträge abzuschlieÃen. Mit BK/O (46) 367 genehmigt die Alliierte Kommandantur die Ernennung von Stadtrat Dr. Hermann Landwehr (parteilos) zum Stadtwahldirektor. Die Kommandanten teilen durch BK/O (46) 368 dem Magistrat mit, daà der von ihr genehmigte Beschluà über die Aussetzung des Zins- und Tilgungsdienstes für das Rechnungsjahr 1945/46 der vor der Kapitulation Deutschlands vom Magistrat aufgenommenen Schulden so zu verstehen ist, daà er sich sowohl auf unmittelbare Schulden der Stadt Berlin wie auch auf diejenigen der städtischen Eigenbetriebe und städtischen Gesellschaften erstreckt. Mit dieser Anordnung soll die Stadt hinsichtlich ihrer mittelbaren und unmittelbaren Schuldverpflichtungen eine Erleichterung durch ein Moratorium erhalten. Der Magistrat beschlieÃt in seiner Sitzung, Dr. med. Lic. theol. Dr. phil. Paul Piechowski zum stellvertretenden Leiter der Abteilung für Gesundheitswesen und Felix Görlich endgültig zum Leiter des Berliner Stadtkontors zu ernennen. Auf Vorschlag des kommissarischen Leiters der Abteilung für Finanzen, Rumpf (SED), beschlieÃt der Magistrat, für das Werk Rheinmetall-Borsig die Bürgschaft für einen weiteren Kredit von 1,5 Millionen RM unter der Bedingung zu übernehmen, daà für sämtliche Kredite eine Sicherheitshypothek zugunsten der Stadt eingetragen wird. Rumpf kündigt an, daà für den Wiederaufbau dieses Werkes noch weitere beträchtliche Mittel notwendig sein werden. Der Magistrat beschlieÃt, daà eine Kommission aus Vertretern der Abteilung für Bau- und Wohnungswesen sowie je einem Vertreter des Sozialamtes, des Frauenausschusses, des FDGB, des Gesundheitsamtes und der Abteilung für Finanzen alle Möglichkeiten des Ankaufs und der Verwendung der von der britischen Militärregierung in ihrem Sektor zur Linderung der Wohnungsnot zur Verfügung gestellten 800 Nissenhütten prüfen soll. Ferner beschlieÃt er, gegen den im Bezirk Steglitz die Abteilung für Bau- und Wohnungswesen leitenden Bezirksrat Karl Bonatz (SPD) ein Disziplinarverfahren mit dem Ziel der Dienstentlassung zu eröffnen. Bezirksrat Karl Bonatz hatte alle Bezirksräte für Bau- und Wohnungswesen in Berlin zu einer Sitzung einberufen, in der beschlossen wurde, die von der Abteilung für Bau- und Wohnungswesen geplante Umorganisation bis nach den Wahlen zurückzustellen. Oberbürgermeister Dr. Werner, Bürgermeister Maron (SED) und die stellvertretenden Stadträte Starck (SED) und Dusiska (SED) verurteilen dieses Vorgehen mit scharfen Worten, da es nicht mit dem Bezirksverfassungsstatut und der neuen Berliner Verfassung in Einklang gebracht werden könne. Der Magistrat dürfe auf keinen Fall durchgehen lassen, daà eine offizielle Sitzung anberaumt wird, auf der in Abwesenheit des Magistrats über seine MaÃnahmen gesprochen werde. Denjenigen Bezirksräten, die für den Beschluà stimmten, wird vom Magistrat eine Verwarnung ausgesprochen. Bürgermeister Maron hofft, daà die Bezirksbürgermeister ohne Ausnahme den Standpunkt des Magistrats in dieser Frage billigen werden. Der Leiter des Rechtsamts, Dr. Mittag, teilt mit, daà der Alliierte Kontrollrat den seit einem Jahr bestehenden Juristischen Prüfungsausschuà zur Mitarbeit an der Ãberprüfung des deutschen Strafgesetzbuches herangezogen hat. Der PrüfungsausschuÃ, der ursprünglich zu je einem Drittel aus Richtern, Staats- und Rechtsanwälten bestand, wurde inzwischen auf 10 Richter, 7 Staatsanwälte, 10 Juristen aus der Verwaltung, einige Universitätsmitglieder, einen Vertreter des FDGB und je einen Juristen der politischen Parteien erweitert. Die stellvertretenden Stadträte Dr. Goll und Dusiska berichten über die Arbeit des zur Ãberprüfung der Siemens-Apparate-G.m.b.H. eingesetzten Ausschusses. Der Ausschuà hat festgestellt, daà der Betrieb auf solider Grundlage beruht, Maschinen und Rohstoffvorräte für mehrere Millionen RM und einen Produktionsplan besitzt, die geforderten Preise als günstig zu bezeichnen sind und "im übrigen die Rechtslage völlig klar sei". Da die Besatzungsbehörden auf eine Entscheidung des Magistrats drängen, gibt dieser auf Vorschlag Bürgermeister Marons dem Prüfungsausschuà die Vollmacht, Verhandlungen über den Ankauf der Firma einzuleiten. Auf Grund eines Befehls der Alliierten Kommandantur und der Anordnung des Magistrats über den Wiederaufbau der Sozialversicherung erläÃt der Magistrat die Satzung der Versicherungsanstalt Berlin (VAB). Sie regelt die Befugnisse der Versicherungsanstalt, ihre Leistungen und Beiträge sowie die Meldepflicht der Arbeitgeber, Versicherten, Leistungsempfänger und sonstigen Berechtigten. Der am 18. August vertagte 3. Parteitag der Berliner SPD nach dem Kriege wird in der "Neuen Welt" in der Hasenheide im Bezirk Neukölln fortgesetzt. Mit groÃer Mehrheit lehnen die Delegierten die von der SED vorgeschlagene Listenverbindung zu den Berliner Wahlen am 20. Oktober 1946 ab, da die SED dazu beigetragen habe, Hunderttausende von Sozialdemokraten in der sowjetischen Besatzungszone ihrer politischen EntschlieÃungsfreiheit zu berauben. Zu dem Ausgang der Kommunalwahlen in der sowjetischen Besatzungszone erklärt der Parteivorsitzende Franz Neumann, daà ohne die Zulassung der SPD dort kein zuverlässiger MaÃstab für die demokratischen Kräfte in Deutschland gefunden werden könne. Das St.-Hedwigs-Krankenhaus feiert mit einer Pontifikalmesse des katholischen Bischofs von Berlin, Konrad Kardinal Graf v. Preysing, sein 100jähriges Bestehen. 1947 Der Hauptausschuà Opfer des Faschismus des Magistrats veranstaltet mit Genehmigung der Alliierten Kommandantur (BK/O (47) 195 v. 3.9.1947) im Lustgarten eine Gedenkkundgebung für die Opfer des Faschismus. Die Kundgebung bildet den Höhepunkt einer vom 9. bis 14. September 1947 dauernden Gedenkwoche, an der sich auch die Religionsgemeinschaften, der Kulturbund und die Schulen beteiligen. Auf der zugleich stattfindenden internationalen Tagung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) treten in stärkerem MaÃe die ideologischen Spannungen zwischen West und Ost in Erscheinung. 1948 Die Vertreter der Westmächte übergeben dem sowjetischen AuÃenminister Molotow ein Memorandum, nachdem die Berliner Verhandlungen der vier Militärgouverneure gescheitert waren. Das Memorandum bringt unter anderem der Sowjetregierung die auf diesen Verhandlungen aufgetauchten Differenzen zur Kenntnis. Es wird festgestellt, daà der sowjetische Militärgouverneur, Marschall Sokolowski, in Berlin einen Standpunkt einnahm, der den in Moskau vereinbarten Direktiven widersprach. Statt der vereinbarten Aufhebung der Verkehrs-, Transport- und Handelseinschränkungen schlug Marschall Sokolowski neue, bisher nicht bestehende Einschränkungen des Luftverkehrs vor. Er lehnte es ab, die in Moskau erzielte Verständigung über die Kontrolle der deutschen Emissionsbank durch eine Viermächte-Finanzkommission zu akzeptieren. Im Gegensatz zu der Vereinbarung über den Berliner Handel bestand er auf dessen ausschlieÃlicher Kontrolle durch die sowjetischen Behörden. Behörden der westlichen Besatzungsmächte, namhafte deutsche Politiker, der SPD-Parteitag in Düsseldorf sowie die Berliner Landesvorstände der SPD, CDU, LDP und die UGO protestieren in scharfer Form gegen das Urteil des sowjetischen Militärtribunals. Eine amerikanische Luftbrückenmaschine stürzt über der sowjetischen Besatzungszone in der Nähe von Erfurt ab. Die beiden Besatzungsmitglieder können sich durch Fallschirmabsprung retten. Der stellvertretende Oberbürgermeister, Dr. Friedensburg, bespricht mit den Bezirksbürgermeistern des sowjetischen Sektors die Entlassungsaktion, von der bis zum 13. September 1948 insgesamt 365 Personen betroffen wurden. Die Entlassungen fanden auf Befehl der sowjetischen Bezirkskommandanturen ohne die sachlich erforderliche Mitwirkung der Bezirksämter und der Betriebsvertretungen statt. Als Begründung wurden vorwiegend Personaleinsparung, dienstliches Versagen, Sabotage, Feindschaft gegen die Sowjetunion, Teilnahme an der Kundgebung vor dem Reichstag angeführt. Dr. Friedensburg legt den Bürgermeistern nahe, auf ihren Posten zu bleiben. Die Arbeitsgemeinschaft der CDU/CSU der westlichen Besatzungszonen lehnt die Anerkennung des Arbeitskreises der CDU (Ost) als Landesverband Berlin ab. Die Berliner Landesleitung des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands schlieÃt Dr. Friedensburg "wegen Antisowjet- und Kriegshetze" aus. Eröffnung einer Schule für polnische Kinder. In den vergangenen 24 Stunden wurden zum ersten Male über 5200 Tonnen Versorgungsgüter über die Luftbrücke eingeflogen. 1949 Der Magistrat erklärt sich in seiner 41. Sitzung bereit, gegenüber den Bankinstituten und - soweit erforderlich - gegenüber der Wiederaufbaubank in Frankfurt a. M. eine Ausfallbürgschaft bis zu vorerst 50 Millionen DM zu übernehmen, da es sich erwiesen hat, daà bei den Verhandlungen über die Beteiligung Berliner Betriebe an Investitionskrediten aus ERP-Mitteln ein groÃer Teil keine ausreichenden Sicherheiten bieten konnte, jedoch eine Garantie unter Bankbedingungen gefordert wurde. Der Magistrat beschlieÃt das Gesetz über eine produktive Arbeitslosenhilfe. Dadurch können öffentliche oder private Arbeitgeber die im Haushalt vorgesehenen Mittel für die Arbeitslosenfürsorge erhalten, wenn sie zusätzlich Personen beschäftigen, die bereits Arbeitslosenunterstützung beziehen. Bürgermeister Dr. Friedensburg stellt in einem AbschluÃbericht über die seit dem 15. Januar 1949 in den Bezirken Spandau und Reinickendorf durchgeführten Kohlebohrungen fest, daà sämtliche Kohlevorkommen durch geologische Einwirkungen entwertet und für einen rationellen Abbau ungeeignet sind. Die daher am 31. August 1949 abgebrochenen Versuchsarbeiten erforderten insgesamt 365 000 DM. Vertreter des Handels, der Ernährungsindustrie und der Haupternährungsämter der West- und Ostberliner Verwaltung beraten im Deutschlandhaus am Reichskanzlerplatz im britischen Sektor auf Veranlassung des Magistrats des sowjetischen Sektors über eine Normalisierung der ernährungswirtschaftlichen Verhältnisse in ganz Berlin. Die Teilnehmer an der Konferenz halten die Wiedereinführung von Geschäften für Grenzgänger für zweckmäÃig und wünschenswert. Die Durchführung dieses Vorschlags scheitere aber an der Trennung der Berliner Verwaltung und Währung. Die Besprechungen sollen jedoch fortgesetzt werden. Auf einer Versammlung beschlieÃen die Vertreter von 122 Firmen des Obst- und Gemüsehandels in den westlichen Sektoren, die "Fruchthof Berlin e.G.m.b.H." zu gründen, um das Projekt einer GroÃmarkthalle für Berlin in den Hallen der Askania-Werke in Mariendorf im Bezirk Tempelhof zu verwirklichen. 1950 Bundeskanzler Dr. Adenauer gibt zu Beginn der 85. Sitzung des Deutschen Bundestages in Bonn eine Regierungserklärung zu den Wahlen am 15. Oktober 1950 in der sowjetischen Besatzungszone ab. Er bezeichnet im Namen der Bundesregierung den geplanten "Wahlbetrug" vom 15. Oktober als ungesetzlich und nach demokratischem Recht als null und nichtig. Dr. Adenauer bekräftigt die Entschlossenheit der Bundesrepublik, "mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln den Willen der Bevölkerung in der Sowjetzone nach Befreiung von dem kommunistischen Joch" zu unterstützen. Die demokratischen Völker der Welt werden aufgerufen, dem deutschen Volk bei der erstrebten Wiedervereinigung aller Teile Deutschlands zu helfen. Sowjetische Jagdflugzeuge veranstalten nach einer Mitteilung der Alliierten Luftsicherheitszentrale an vier Stellen der Luftkorridore zwischen Berlin und dem Bundesgebiet Manöverübungen. Sie finden über den ganzen Tag hinweg zwischen 1500 und 3000 Meter Höhe statt. 1951 Die seit dem 10. September in Washington tagenden AuÃenminister der Westmächte, Dean Acheson, Herbert Morrison und Robert Schuman, veröffentlichen ein SchluÃkommunique, demzufolge sie sich über die Instruktionen an die Alliierte Hohe Kommission geeinigt haben, um mit der Bundesregierung Abkommen auszuhandeln, die eine vollständige Umwandlung des Charakters der Beziehungen zwischen den drei Nationen und der Bundesrepublik zum Ziele haben. Die gegenwärtig bestehende Trennung Deutschlands und das sich für die Bundesrepublik stellende Sicherheitsproblem zwängen die Alliierten aber dazu, sich in bezug auf die Stationierung und den Schutz ihrer Streitkräfte wie auch hinsichtlich der Fragen Berlins und Gesamtdeutschlands einschlieÃlich der Fragen eines Friedensvertrages und einer Wiedervereinigung noch besondere Rechte vorzubehalten. Die Alliierte Kommandantur ersucht den Senat mit BK/L (51) 103, der Transitstelle der SKK für den Rücktransport der auf dem Autosalon gezeigten Fahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände nach dem Westen keine Ursprungsnachweise zu liefern. 1952 Vertreter der rund 600 Berliner Güterfernverkehrsbetriebe beschlieÃen auf einer Versammlung angesichts der in den letzten Tagen durch bis zu 60 Stunden Wartezeiten am Kontrollpunkt Marienborn eingetretenen kritischen Situation, ihre Transporte am 16. September um 24 Uhr einzustellen, falls bis dahin ihre seit Monaten erhobenen Forderungen nicht erfüllt werden. Besonders scharf kritisieren einige Sprecher, daà auch die vom Senat seit dem letzten Frühjahr gewährten Treibstoffsubventionen wieder eingestellt wurden und die Bundesregierung noch immer jede Vergütung der Wartezeiten ablehne. - Die schleppende Abfertigung resultiert vor allem daraus, daà nach einem Wechsel der Kontrollposten der Volkspolizei die neuen stündlich nur drei bis sechs Fahrzeuge abfertigen und alle als "Fleischwaren" deklarierten Transporte zurückgeschickt werden, sofern die Warenbegleitscheine keine detaillierten Angaben der verschiedenen Fleischarten enthalten. Am Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus wird an der Hinrichtungsstätte der Haftanstalt Plötzensee ein Denkmal aus einer fünf Meter hohen und etwa zwölf Meter breiten Wand aus Muschelkalkstein eingeweiht, auf der in kupfernen Lettern die Worte "Den Opfern der Hitlerdiktatur 1933-1945" stehen. Sozialsenator Bach übergibt in Anwesenheit von 500 Ehrengästen diese Gedenkstätte der Ãffentlichkeit und verliest eine GruÃbotschaft des Regierenden Bürgermeisters Professor Reuter, in der er das deutsche Volk auffordert, im Gedenken an die im Kampf gegen das nationalsozialistische Regime gefallenen Männer und Frauen seine ganze Existenz einzusetzen, um die Welt von dem Fluch dieser Vergangenheit zu befreien. Weitere Redner auf dieser Veranstaltung sind der niederländische Sozialist Koos Vorrink und Professor Eugen Kogon (Frankfurt/Main) als Vertreter der internationalen und der deutschen Widerstandsbewegung. Rund 110 000 Berliner sind im vollbesetzten Olympiastadion Zuschauer bei der "GroÃen Polizeischau 1952", an der zum ersten Male auch Einheiten der neuaufgestellten Bereitschaftspolizei teilnehmen. 1953 163. (Ordentliche) Sitzung des Senats von Berlin. Nach Kenntnisnahme des Standes der Wohnungsbauprogramme 1952 und 1953 stellt der Senat fest, daà 1952 einschlieÃlich der Substanzerhaltungsarbeiten 12 660 neue Wohnungen erstellt wurden. Der Bewilligungsausschuà für den öffentlichen sozialen Wohnungsbau genehmigte 1953 Bauvorhaben für 15 361 Wohnungen. Zur Durchführung des Programms für 1954 mit rund 18 000 Wohnungen sind im Etat 70 Millionen DM vorgesehen, die weiteren Kosten des insgesamt 318 Millionen DM umfassenden Programms werden vom Bund, aus LAG-, GARIOA- und Eigenmitteln der Bauherren gedeckt. Im Vorgriff auf 1954 sollen 50 Millionen DM der Wohnungsbau-Kreditanstalt schon jetzt zur Bewirtschaftung freigegeben werden. Um eine möglichst kontinuierliche Beschäftigung der Bauindustrie zu erreichen, will der Senat noch 1953 Mittel für die Fortsetzung der Bauprogramme bereitstellen. Der Senat ermächtigt Finanzsenator Dr. Haas, das Abkommen mit dem Bundesminister für Wirtschaft über den Anschluà der ehemaligen Physikalisch-Technischen Reichsanstalt als "Institut Berlin" an die Physikalisch-Technische Bundesanstalt Braunschweig (PTB) zu unterzeichnen. Danach übernimmt das Institut Berlin die Prüfungsaufgaben für die Berliner Wirtschaft, Technik und Verwaltung und beteiligt sich an Forschungen und internationalen Aufgaben der PTB. Die Bundesregierung gewährleistet mit der rückwirkenden Ãbernahme ab 1. April 1953 die Erhaltung der Einrichtungen und des Personalbestandes. Gleichzeitig werden in das Kuratorium der Bundesanstalt ein Vertreter des Senats, zwei Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft in Berlin und der Leiter sowie der Stellvertreter des Instituts aufgenommen. AnläÃlich der beabsichtigten Ãbernahme des "Bundesgesetzes über Versammlungen und Aufzüge" wird Bürgermeister Dr. Schreiber ermächtigt, den Polizeipräsidenten anzuweisen, ihn von seinen Entscheidungen über Verbot oder Auflösung von Versammlungen vorab zu unterrichten. Der Regierende Bürgermeister Professor Reuter unterrichtet den Senat, daà Pressemeldungen über einen bevorstehenden Rücktritt des Senators für Bundesangelegenheiten, Dr. Günther Klein, zum überwiegenden Teil von falschen Voraussetzungen ausgingen, denn er wird auch weiter dem Senat angehören. Verschiedentlich war behauptet worden, daà Senator Dr. Klein dem Regierenden Bürgermeister wegen persönlicher Differenzen ein Demissionsgesuch eingereicht habe. Der Landesbezirksausschuà Berlin des DGB vertritt, nachdem die Sozialausschüsse der CDU/CSU im übrigen Bundesgebiet mit der Wiedergründung selbständiger christlicher Gewerkschaften gedroht hatten, die Auffassung, daà die gesamte Gewerkschaftsarbeit in Berlin bisher frei von jeder parteipolitischen Beeinflussung und Einstellung war und künftig auch bleiben werde. In Berlin gäbe es deshalb keine ernsthaften Diskussionen über eine Spaltung, auch würden die Rechte und Meinungen ehemals christlicher Gewerkschaftler nie miÃachtet. Der Landesbezirksausschuà bekennt sich weiterhin zur einheitlichen Gewerkschaftsbewegung. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Heinz Galinski, kritisiert auf einer Kundgebung des Bundes der Verfolgten des Naziregimes im groÃen Hörsaal der TU scharf die "bürokratische Arbeit" des Entschädigungsamtes und fordert eine Besetzung der leitenden Positionen dieses Amtes durch ehemalige Verfolgte. Der Vorsitzende des BVN, der Steglitzer Bezirksbürgermeister Alfred Zehden, beklagt die allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber den Nöten der Verfolgten. 1954 Die "Berliner Kommission für Vermögenswerte" (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 3, S. 113, 3.2.1949, Nr. 17 a) zur Entscheidung über beschlagnahmte Werte gemäà Kontrollratsdirektive Nr. 50 (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 2, S. 215, 29.4.1947, Nr. 94) hält ihre letzte Sitzung ab, nachdem die Anmeldefrist für Anträge auf Entscheidung über derartige Werte am 20. Mai abgelaufen war. Das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" berichtet, daà nach der letzten Preissenkung für HO-Waren in zunehmendem MaÃe Lebensmittel nach West-Berlin verschoben und bei verstärkten Kontrollen an der Sektorengrenze erhebliche Warenmengen beschlagnahmt wurden. Nachdem der Ost-Berliner Magistrat bereits am 7. September erneut auf die unbedingte Einhaltung der Ausweispflicht bei allen Einkäufen gemäà der "Verordnung zur Verhinderung der Spekulation mit Lebensmitteln und Industriewaren" hingewiesen und die Bevölkerung zur Mitarbeit gegen "Lebensmittelschiebungen" aufgerufen hatte, wird dieser Appell zur verantwortlichen Unterstützung der "Kontrollorgane" gegen "Schieber und Spekulanten" noch einmal wiederholt. 1954 Die "Una-Sancta-Bewegung" zur Wiedervereinigung der christlichen Kirchen veranstaltet in Berlin ihre erste gesamtdeutsche Tagung mit rund 150 Theologen und Laien beider groÃer christlichen Konfessionen aus allen Teilen Deutschlands. Als Ergebnis ihrer Beratungen veröffentlichen die Teilnehmer einen Aufruf, in dem sie gemeinsam bekennen, daà die Christen dem Ruf des Herrn in Vergangenheit und Gegenwart nicht ernst genug folgten; "die Spaltung der Christenheit unsere menschliche Schuld ist und daà die Botschaft Jesu Christi durch diese Spaltung weithin in der Welt unglaubwürdig geworden ist". Weiter stellen sie fest, daà sie in dieser Tagung sich in mancherlei Fragen viel näher gekommen sind, "ohne dabei die noch bestehenden Unterschiede zu verharmlosen". Die Vertreter beider Konfessionen wüÃten, daà sie ohne "offiziellen kirchenamtlichen Auftrag" handeln und rufen alle Christen auf, die Zerspaltenheit zu überwinden, ohne in Interkonfessionalismus zu verfallen. 1955 Der in den Ruhestand tretende französische Botschafter in Bonn, Andre Francois-Poncet, verabschiedet sich von Berlin auf einem Empfang des Regierenden Bürgermeisters Prof. Suhr und des Parlamentspräsidenten Brandt im Schöneberger Rathaus. 1956 Der zu einem dreitägigen inoffiziellen Besuch in Berlin eingetroffene türkische Innenminister und stellv. AuÃenminister, Menderes, wird vom amtierenden Regierenden Bürgermeister Amrehn in Anwesenheit von Parlamentspräsident Brandt im Rathaus Schöneberg empfangen, wo er sich in das Goldene Buch der Stadt einträgt. Dabei erinnert Amrehn an den erst kürzlichen Besuch des Oberbürgermeisters von Istanbul, der einen Beweis für die freundschaftlichen Gefühle bilde, die seit langem zwischen beiden Völkern bestünden. Denn viele Deutsche hätten in den Jahren der NS-Zeit in der Türkei Asyl gefunden und, wie der verstorbene Ernst Reuter, nach ihrer Rückkehr in die Heimat dazu beigetragen, das Verständnis zwischen Berlin und der Türkei noch zu verstärken. Menderes versichert in seiner Erwiderung, daà jeder Türke im Herzen von einem Besuch in Deutschland und Berlin träume. Das Charlottenburger Gymnasium erhält in einer Feierstunde den Namen des wegen seiner Teilnahme am 20. Juli hingerichteten Generalobersten Erich Hoepner. In seiner Gedenkansprache zeichnet Innensenator Lipschitz ein Lebensbild dieses Offiziers, der an dieser Schule sein Abitur gemacht hatte und an diesem Tage 70 Jahre alt geworden wäre. Charlottenburgs Bezirksbürgermeister Bruhn enthüllt anschlieÃend ein Gemälde Hoepners, das in der Aula einen Ehrenplatz erhält. 1957 Der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Dr. Westrick, eröffnet in den Messehallen am Funkturm die "8. Deutsche Industrieausstellung 1957"; sie steht in diesem Jahr mit dem Thema "Bauen und Wohnen" völlig im Zeichen der schon seit Wochen laufenden "Interbau". An der Interbau-Industrieausstellung beteiligen sich 931 in- und ausländische Firmen sowie 49 Regierungsstellen, Wirtschaftsbehörden und -organisationen aus zehn Staaten; 315 Unternehmen aus West-Berlin, 479 Firmen aus dem Bundesgebiet und 137 ausländische Vereinigungen und Hersteller. Acht Nationen zeigen ihre offiziellen Regierungsschauen und kommerziellen Kollektivausstellungen in eigenen Pavillons am "Platz der Nationen" auf dem Ausstellungsgelände. Den in- und ausländischen Vereinigungen und Firmen stehen z. V.: 50 500 qm überdachte Fläche in 14 Messehallen - darunter die neuerbaute Halle Berlin (XII), mit 7500 qm der gröÃte Bau auf dem Ausstellungsgelände, vor allem für Exponate der Eisen- und Stahlindustrie vorgesehen - mit dem neuen Pavillon der Deutschen Philips GmbH als erstem industrieeigenem Bau, bei dessen Einweihung Wirtschaftssenator Dr. Hertz die Hoffnung ausspricht, daà damit ein Beitrag geleistet werde, die Rundfunk- und Fernsehausstellung wieder nach Berlin zurückzuholen, und ein Freigelände von 125 000 qm, von denen ebenfalls etwa 50 000 qm genutzt werden. Einen starken Rahmen der Interbau-Industrieausstellung bilden die Versammlungen der Verbände der deutschen Architekten, Bauingenieure, Baumeister, Bauunternehmer, Baustoffachleute sowie der Organisationen, die sich mit der Forschung im Bauwesen befassen. Im Mittelpunkt dieser Tagungen steht eine Kundgebung der Arbeitsausschüsse der Deutschen Bauwirtschaft, auf der Bausenator Schwedler den Teilnehmern einen umfassenden Ãberblick über die Leistungen und Aufgaben seiner Verwaltung beim Wiederaufbau Berlins vermittelt. Der Direktor des Museums für Deutsche Geschichte im Berliner Zeughaus, Prof. Meusel, eröffnet dort die Ausstellung "Waffen und Uniformen in der Geschichte". In seiner BegrüÃung vor Ostblock-Diplomaten und Offizieren der NVA weist er darauf hin, daà die gesamte Anlage der Ausstellung einen wichtigen Einblick in die Zusammenhänge zwischen Klassengesellschaft und Kriegswesen vermittele, denn in ihr werde deutlich, daà Gewehr nicht gleich Gewehr sei, sondern daà es darauf ankomme, wer die Waffen führt. 1958 Auf einer Kundgebung am "Tag der Heimat" in der Waldbühne sprechen der Regierende Bürgermeister Brandt und der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Lemmer. Bundesminister Lemmer behandelt in seiner Ansprache besonders das Verhältnis der Bundesrepublik zu ihren östlichen Nachbarn und betont, daà die Bundesregierung die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Polen besonders genau prüfe. Wenn jedoch an solche Verhandlungen, wie jüngst von polnischen Politikern gefordert, die Bedingung geknüpft sei, die Oder-NeiÃe-Grenze als endgültige Grenze anzuerkennen, dann müsse diese Frage "bis auf den St. Nimmerleinstag verschoben werden", denn dieses schwierige Problem, so meine die Bundesregierung, könne erst von einer gesamtdeutschen Regierung im Rahmen eines Friedensvertrages gelöst werden. 1959 Die GEHAG gibt anläÃlich des Richtfestes für 517 von 2000 Wohnungen einer AnschluÃbebauung für die Hufeisensiedlung in Britz auf einer Pressekonferenz bekannt, daà sie sich maÃgeblich an der Errichtung einer Trabantenstadt im Bereich Britz-Buckow-Rudow beteiligen wird. Dort sollen nach einer städtebaulichen Konzeption von Walter Gropius und Wils Ebert rund 16 000 Wohnungen sowie Folgeeinrichtungen für rund 50 000 Bewohner mit einem Kostenaufwand von 300 Mill. DM entstehen. 1959 Die GEHAG gibt anläÃlich des Richtfestes für 517 von 2000 Wohnungen einer AnschluÃbebauung für die Hufeisensiedlung in Britz auf einer Pressekonferenz bekannt, daà sie sich maÃgeblich an der Errichtung einer Trabantenstadt im Bereich Britz-Buckow-Rudow beteiligen wird. Dort sollen nach einer städtebaulichen Konzeption von Walter Gropius und Wils Ebert rund 16 000 Wohnungen sowie Folgeeinrichtungen für rund 50 000 Bewohner mit einem Kostenaufwand von 300 Mill. DM entstehen. 1960 Während AuÃenminister Herter auf einer Pressekonferenz in Washington die von den "ostdeutschen Stellen" gegen Berlin verfügten Reisebeschränkungen als "ernste Angelegenheit" bezeichnet, die ohne Zweifel mit sowjetischem Wissen und Einverständnis erfolgten, gelangt die Bundesregierung unter Vorsitz von Vizekanzler Erhard nach eingehender Beratung zu der Auffassung, daà dieses neueste "Manöver" zwar Unruhe zu stiften geeignet sei, wohl aber kaum praktische Auswirkungen für die Berliner haben dürfte die ja schon bislang mit ihrem Personalausweis durch die Zone reisten. Die Pässe der Berliner behielten selbstverständlich ihre Gültigkeit, da es ohne jeden Belang bliebe, was die "Zonen-Behörden" hierüber verfügten. Im Rahmen der Planung und Durchführung weiterer Reaktionen auf die "sowjetzonalen" Verletzungen des Berliner Viermächte-Status will die Bundesregierung solange derartige UnrechtsmaÃnahmen andauern, in Zukunft die Teilnahme von Vertretern der deutschen Wirtschaft an der Leipziger Messe unterbinden. Zugleich macht die Regierung darauf aufmerksam, daà damit die Möglichkeiten des Westens, dem Viermächte-Status Nachdruck zu verschaffen, keineswegs erschöpft seien. Daher wäre jede Annahme, daà den Regierungen der Westmächte und der Bundesrepublik nicht mehr und nachhaltigere Mittel zur Abwehr "sowjetzonaler" Rechtsbrüche im Berlin-Verkehr zur Verfügung stünden, ein verhängnisvoller Irrtum. In ihrer vor zwei Tagen herausgegebenen Mitteilung habe die Regierung ausdrücklich vom vorläufigen Charakter ihrer MaÃnahmen gesprochen. Ob und welche weiteren Schritte die Regierung unternehmen wird, die ausschlieÃlich die Funktionäre und das kommunistische Regime der "Zone" treffen sollen, nicht aber die dort lebenden 17 Millionen Deutschen, werde sie im engsten Kontakt mit den Alliierten auf allen Ebenen prüfen. 14. Tagung der Ost-Berliner Stadtverordnetenversammlung. Im Mittelpunkt des Magistratsberichtes jedoch steht das; Problem der Kontrolle der vom 9. Plenum des ZK der SED beschlossenen MaÃnahmen zur Entwicklung des Maschinenbaues und der Elektrotechnik, der beiden wichtigsten Industriezweige Ost-Berlins. Dabei kritisiert Wolf vor allem, daà noch nicht überall der groÃe Zusammenhang zwischen Technik, Ãkonomie und Politik verstanden wurde. So existierten z. B. in der VVB Schienenfahrzeuge zwar sehr gute Pläne über die durchzuführenden technischen, wissenschaftlichen und organisatorischen MaÃnahmen ihrer Betriebe, doch fehlten noch konkrete Vorstellungen darüber, welchen besonderen Aufgaben sich die sozialistischen Brigaden und Gemeinschaften schwerpunktmäÃig zuwenden sollten. Da die Einführung neuentwickelter Erzeugnisse in die Produktion noch zu lange dauere, verursacht im wesentlichen durch den Mangel an Werkzeug- und Vorrichtungskapazitäten, werde der Magistrat eine Ausleihstation für diese Materialien einrichten, die noch in diesem Quartal ihre Tätigkeit aufnehmen soll. Als vollkommen unzulänglich betrachtet Wolf in diesem Zusammenhang das bisherige Wirken der Neuerer-Zentren, weshalb der Magistrat beschloÃ, daà das schon lange geplante zentrale Berliner Neuerer-Zentrum seine Arbeit am 15. September aufnimmt. 1960 Während AuÃenminister Herter auf einer Pressekonferenz in Washington die von den "ostdeutschen Stellen" gegen Berlin verfügten Reisebeschränkungen als "ernste Angelegenheit" bezeichnet, die ohne Zweifel mit sowjetischem Wissen und Einverständnis erfolgten, gelangt die Bundesregierung unter Vorsitz von Vizekanzler Erhard nach eingehender Beratung zu der Auffassung, daà dieses neueste "Manöver" zwar Unruhe zu stiften geeignet sei, wohl aber kaum praktische Auswirkungen für die Berliner haben dürfte die ja schon bislang mit ihrem Personalausweis durch die Zone reisten. Die Pässe der Berliner behielten selbstverständlich ihre Gültigkeit, da es ohne jeden Belang bliebe, was die "Zonen-Behörden" hierüber verfügten. Im Rahmen der Planung und Durchführung weiterer Reaktionen auf die "sowjetzonalen" Verletzungen des Berliner Viermächte-Status will die Bundesregierung solange derartige UnrechtsmaÃnahmen andauern, in Zukunft die Teilnahme von Vertretern der deutschen Wirtschaft an der Leipziger Messe unterbinden. Zugleich macht die Regierung darauf aufmerksam, daà damit die Möglichkeiten des Westens, dem Viermächte-Status Nachdruck zu verschaffen, keineswegs erschöpft seien. Daher wäre jede Annahme, daà den Regierungen der Westmächte und der Bundesrepublik nicht mehr und nachhaltigere Mittel zur Abwehr "sowjetzonaler" Rechtsbrüche im Berlin-Verkehr zur Verfügung stünden, ein verhängnisvoller Irrtum. In ihrer vor zwei Tagen herausgegebenen Mitteilung habe die Regierung ausdrücklich vom vorläufigen Charakter ihrer MaÃnahmen gesprochen. Ob und welche weiteren Schritte die Regierung unternehmen wird, die ausschlieÃlich die Funktionäre und das kommunistische Regime der "Zone" treffen sollen, nicht aber die dort lebenden 17 Millionen Deutschen, werde sie im engsten Kontakt mit den Alliierten auf allen Ebenen prüfen. 14. Tagung der Ost-Berliner Stadtverordnetenversammlung. Im Mittelpunkt des Magistratsberichtes jedoch steht das; Problem der Kontrolle der vom 9. Plenum des ZK der SED beschlossenen MaÃnahmen zur Entwicklung des Maschinenbaues und der Elektrotechnik, der beiden wichtigsten Industriezweige Ost-Berlins. Dabei kritisiert Wolf vor allem, daà noch nicht überall der groÃe Zusammenhang zwischen Technik, Ãkonomie und Politik verstanden wurde. So existierten z. B. in der VVB Schienenfahrzeuge zwar sehr gute Pläne über die durchzuführenden technischen, wissenschaftlichen und organisatorischen MaÃnahmen ihrer Betriebe, doch fehlten noch konkrete Vorstellungen darüber, welchen besonderen Aufgaben sich die sozialistischen Brigaden und Gemeinschaften schwerpunktmäÃig zuwenden sollten. Da die Einführung neuentwickelter Erzeugnisse in die Produktion noch zu lange dauere, verursacht im wesentlichen durch den Mangel an Werkzeug- und Vorrichtungskapazitäten, werde der Magistrat eine Ausleihstation für diese Materialien einrichten, die noch in diesem Quartal ihre Tätigkeit aufnehmen soll. Als vollkommen unzulänglich betrachtet Wolf in diesem Zusammenhang das bisherige Wirken der Neuerer-Zentren, weshalb der Magistrat beschloÃ, daà das schon lange geplante zentrale Berliner Neuerer-Zentrum seine Arbeit am 15. September aufnimmt. 1961 Zwei Bundeswehr-Düsenjäger vom Typ F84 geraten infolge schlechten Wetters und des Ausfalls von Bordinstrumenten in den Luftraum der DDR und landen, nach entsprechender Erlaubnis der französischen Behörden, schlieÃlich auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel. Während die Bundesregierung sich für diesen Zwischenfall bei den Botschaftern der Westmächte und der Sowjetunion entschuldigt, der Regierende Bürgermeister Brandt hingegen in einem Fernschreiben an Bundesverteidigungsminister Strauà seiner Beunruhigung darüber Ausdruck gibt, wie zwei Jagdflieger in eine Situation kommen konnten, in West-Berlin landen zu müssen, nennt das DDR-Presseamt die MiÃachtung der Souveränitätsrechte der DDR durch westdeutsche Kriegsflugzeuge einen "ungeheuerlichen provokatorischen Akt der Bonner Militaristen", durchgeführt zum Zwecke der Spionage. 1962 Einer Aufforderung der westlichen Stadtkommandanten vom 11. September Folge leistend, kommt die sowjetische Ablösung für das Ehrenmal nicht mehr in Schützenpanzerwagen, sondern wie früher im Bus nach West-Berlin (vgl. 21. August), wird aber weiterhin von britischer Militärpolizei sowie von West-Berliner Polizei begleitet. Der Regierende Bürgermeister Brandt appelliert an die West-Berliner, die sowjetischen Busse nicht mehr zu belästigen, weil damit nur die Bemühungen der Schutzmächte um Verbesserung der Situation erschwert und das Ansehen der Stadt Schaden nehmen würden. 1969 Die Deutsche Meisterschaft der Springreiter gewinnt vor rund 8 000 Zuschauern im Reiterstadion Hartwig Steenken (Hannover) auf "Simona". Die Berlinerin Madeleine Winter wird auf "Patella" Deutsche Meisterin der Springreiterinnen. Josef Neckermann (Frankfurt am Main) gewinnt auf "Mariano" die Deutsche Meisterschaft der Dressurreiter, Ilsebill Becher (Bremen) auf "Mitsouko" bei den Dressurreiterinnen. In Ost-Berlin versammeln sich auf dem Bebelplatz und Unter den Linden anläÃlich des Internationalen Gedenktags für die Opfer des Faschismus mehr als 120 000 Menschen zur traditionellen Kundgebung, die unter der Losung steht: "20 Jahre DDR - 20 Jahre Kampf für Frieden, Sicherheit und Fortschritt, gegen Neonazismus und Revanchismus in Westdeutschland". Zu den Teilnehmern spricht SED-Politbüromitglied Albert Norden. 1970 In Bonn unterstreicht der SPD-Bundesvorstand nachdrücklich den Ratifizierungsvorbehalt, mit dem die Bundesregierung das Inkrafttreten des deutsch-sowjetischen Vertrages von befriedigenden Berlin-Regelungen abhängig macht. (Vgl. 12. August.) Hervorgehoben wird in einer Reihe von einstimmig getroffenen Feststellungen zum Vertrag der "Zusammenhang zwischen dem Wirksamwerden des Vertrages und einer den vitalen Interessen der Bundesrepublik Deutschland Rechnung tragenden Regelung der anstehenden Berlin-Fragen". 1971 Die Verhandlungen der Bundesregierung und des Senats mit der DDR Regierung über Detailregelungen zum Berlin Abkommen werden fortgesetzt. (Vgl. 9. September.) 1972 Hertha Beese (SPD), von 1949 bis 1965 Bezirksstadträtin und viele Jahre stellvertretende Bezirksbürgermeisterin in Berlin-Reinickendorf, wird anläÃlich ihres 70. Geburtstags (10. September 1972) von Senat und Abgeordnetenhaus mit der Würde einer Stadtältesten von Berlin ausgezeichnet. Sie ist seit 1965 Vorsitzende der Universalstiftung Helmut Ziegner, die sich um die gesellschaftliche und berufliche Eingliederung gefährdeter und straffälliger junger Menschen bemüht. 1973 Nachdem am 11. September der sozialistische Staatspräsident von Chile, Salvador Allende Gossens, in Santiago de Chile bei einem Militärputsch ums Leben kam und die Regierungsgewalt von einer rechtsgerichteten Militärjunta unter Führung von General Augusto Pinochet Ugarte übernommen wurde, nehmen 350 000 Menschen im Zentrum Ost-Berlins an einer "Massenkundgebung der Solidarität mit dem kämpfenden Volk Chiles" teil. Ãber der Tribüne vor der Humboldt-Universität Unter den Linden steht: "Unsere Solidarität dem kämpfenden Volk Chiles. Es lebe die Unidad Popular!" Das SED-Politbüromitglied Kurt Hager und der chilenische Kommunist Jorge Galvez halten Ansprachen. 1975 AnläÃlich des Internationalen Gedenktags für die Opfer des Faschismus versammeln sich auf dem Bebelplatz in Berlin-Mitte 120 000 Menschen zur traditionellen Kundgebung, die in diesem Jahr unter der Losung steht: "Das Vermächtnis des antifaschistischen Widerstandskampfes lebt fort in unseren Taten für Sozialismus und Frieden!" Zu den Teilnehmern der Kundgebung spricht unter anderen das SED-Politbüromitglied Kurt Hager. 1976 Den Grundstein für das künftige internationale Handelszentrum, dessen Bauausführung japanischen Firmen übertragen ist, legt Oberbürgermeister Erhard Krack unmittelbar am Bahnhof FriedrichstraÃe in Berlin-Mitte. Die Stadtbezirksversammlung von Berlin-Mitte wählt auf ihrer 10. Tagung Horst Kreuter (SED), bisher 1. Stellvertreter des Bezirksbürgermeister, zum neuen Bezirksbürgermeister. Sein Vorgänger, Kurt Goldberg (SED), wird aus gesundheitlichen Gründen von seiner Funktion entbunden und von Oberbürgermeister Erhard Krack verabschiedet. 1980 Anlässlich des Internationalen Gedenktags für die Opfer des Faschismus versammeln sich auf dem Bebelplatz in Mitte mehr als 120 000 Menschen zur traditionellen Kundgebung, die in diesem Jahr unter der Losung steht: "Im Kampf für Sozialismus und Frieden erfüllen wir das Vermächtnis der antifaschistischen Widerstandskämpfer!" Zu den Teilnehmern der Kundgebung spricht unter anderen das SED-Politbüromitglied Erich Mielke, Minister für Staatssicherheit. Zum 31. "Tag der Heimat" findet in der Sporthalle Charlottenburg eine Veranstaltung des Berliner Landesverbands des Bundes der Vertriebenen statt. Der baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth spricht vor den Vertriebenen. Als eigentliches Ãrgernis an der deutschen Teilung bezeichnet der CDU-Politiker die "Verletzung des Selbstbestimmungsrechtes". Mit einer feierlichen Gedenkveranstaltung auf dem Jüdischen Friedhof in WeiÃensee begeht die Jüdische Gemeinde in Ost-Berlin das 100-jährige Bestehen dieser Begräbnisstätte. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Peter Kirchner, erinnert an die Berliner Juden, die nicht aus den Vernichtungslagern zurückgekehrt sind. 1981 In Ost-Berlin debattiert die 31. Tagung des Regionalkomitees Europa der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit mehr als 250 Delegierten über Fragen der Arzneimittelpolitik, der Trinkwasserversorgung und der Gesundheitserziehung. 1983 Ekuadors AuÃenminister Rodriguez führt im Rahmen seines Besuches in Ost-Berlin mit seinem Amtskollegen Fischer, mit AuÃenhandelsminister Solle und mit dem Staatsratsvorsitzenden Honecker mehrere Gespräche, legt am Mahnmal Unter den Linden einen Kranz nieder, trägt sich im Roten Rathaus ins Goldene Buch der "Hauptstadt" ein und besichtigt das Pergamon-Museum, den Palast der Republik und Potsdam. 1984 Im Beisein von Bundespräsident von Weizsäcker Eröffnung des "Berichtsjahres 1984 der Internationalen Bauausstellung (IBA)" in der Philharmonie, wo Demonstranten alle Redner - Bundeswohnungsminister Schneider, Bausenator Franke und den Regierenden Bürgermeister Diepgen - wegen angeblich nicht eingehaltener Zusagen im Sanierungsgebiet des Bezirks Kreuzberg ganz erheblich stören. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen der nächsten Wochen steht die Ausstellung "Idee-ProzeÃ-Ergebnis" im Gropius-Bau mit den Bereichen Stadterneuerung und Stadtneubau, die den Besucher mit der Aufgabenstellung der IBA, mit ihrer Problematik und mit Lösungsversuchen vertraut machen sollen, die dann das Endresultat der ursprünglich schon für dieses Jahr geplanten, nach einem Planungsdilemma und Wechseln in der Geschäftsführung auf 1987 verschobenen Ausstellung sein sollen. Wirtschaftssenator Pieroth begrüÃt vor der Presse die von der Axel Springer AG, der Daimler-Benz AG, der L. Possehl & Co GmbH und der Standard-Elektrik-Lorenz AG (SEL) gegründete "Management Berlin GmbH" (MBG) als eine Hilfestellung für Berlins mittlere und kleine Unternehmen, die in möglichen Krisensituationen geeignete Führungskräfte vermittelt erhalten können. Dafür wollen die mit einem Stammkapital von je 50000 DM vertretenen vier Gesellschafter geeignete Manager aus ihrer Führungsreserve anbieten oder andere Unternehmerpersönlichkeiten zu gewinnen suchen. Für die Dienstleistungen der MBG soll die Abrechnung nach marktüblichen Konditionen erfolgen. 1986 Mit rund 30000 Besuchern zählen die zum zweiten Mal organisierten "Tage der Offenen Tür" im Quartier Napoleon um über die Hafte mehr Interessenten als im Vorjahr, wobei die Informationsstände teilweise "regelrecht umlagert" sind, zahlreiche französische Soldaten ihre Gäste in lebhafte Gespräche verwickeln und alle ImbiÃstellen bereits zwei Stunden vor dem Ende der Veranstaltung wegen "Nachschubmangel" schlieÃen müssen. 1986 Gegen 2.50 Uhr scheitert am Kontrollpunkt Drewitz ein weiterer Fluchtversuch (vgl. 10. September). Nach Aussagen von Insassen eines Busses, der sich gerade im Abfertigungsbereich befand, hätten DDR-Grenzposten zum Teil aus nächster Nähe etwa 20 bis 30 Schüsse auf einen PKW vom Typ Lada abgefeuert, aus dem später eine leblose Person herausgeholt und auf die Rampe daneben gelegt worden sei. Die westlichen Stadtkommandanten fordern in einer Erklärung von der DDR unverzüglich, auf diesen dauernden Gebrauch von Gewalt endlich zu verzichten. ÃuÃert Regierungssprecher Ost in Bonn tiefe Betroffenheit über diese Rücksichtslosigkeit gegenüber Unbeteiligten, so wertet Senatssprecher Fest die Abgabe von Schüssen als "widerwärtigen Akt", der an Brutalität die Anschläge der letzten beiden Wochen an den Grenzen um das westliche Berlin noch überbiete. Am 16. September dementiert ADN die Meldungen über ein Todesopfer; dieses "Märchen" hätten lediglich jene in Umlauf gesetzt, denen an der Entwicklung guter Beziehungen zwischen beiden deutschen Staaten nichts liege. 1988 Kanzleramtsminister Schäuble in Bonn und der Regierende Bürgermeister Diepgen in Berlin unterrichten die Ãffentlichkeit über Einzelheiten der zwischen beiden deutschen Regierungen erzielten Vereinbarungen im Verkehrswesen. So wird die Bundesrepublik statt der bis Ende 1989 festgelegten 525 Mio. DM von 1990 bis 1999 der DDR jährlich 860 Mio. DM Transitpauschale zahlen; diese wird den Betrag auch für Einrichtungen eines neuen Grenzübergangs im Süden Berlins einschlieÃlich des Baus eines Zubringers von dort zum Berliner Ring bis zum 1. Januar 1994 und für die Erneuerung von Streckenabschnitten der Transitautobahn verwenden. Ferner erfährt die Pauschale für die StraÃenbenutzungsgebühr auÃerhalb der Transitstrecken - also für DDR-Besuche - eine Erhöhung von 50 auf 55 Mio. DM. SchlieÃlich verständigten sich beide Seiten auf einen neuen Abrechnungsmodus im Bahn-Personenverkehr, der einen Ausgleich des Minus-Saldos der Reichsbahn in der Form vorsieht, daà beide Regierungen den Betrag je zur Hälfte übernehmen, falls er 35 Mio. VE übersteigt. 1989 In der 13. Sitzung des Abgeordnetenhauses (11. Wahlperiode) begrüÃen der Senat und alle Fraktionen einmütig die seit zwei Tagen aus Ungarn in West-Berlin eintreffenden Flüchtlinge, danken der ungarischen Regierung für ihre humanitäre Haltung und kritisieren die innere Reformen noch immer ablehnende DDR-Führung (vgl. 12. September). Der Regierende Bürgermeister Momper nennt den Zustrom gerade junger Menschen eine groÃe Chance für die Stadt, wenn auch die Schwierigkeiten bei der Arbeitsplatz- und Wohnungsbeschaffung nicht unterschätzt werden dürften. Er begrüÃt ausdrücklich die in der DDR entstehenden Reforminitiativen wie das "Neue Forum" (vgl. 11. September) und den sich formierenden "Demokratischen Aufbruch" (vgl. 1. Oktober). Auch vom Westen könnten diese Gruppen Unterstützung finden. Im übrigen aber findet er "die zur Zeit stattfindenden Ãbungen in Wiedervereinigungsrhetorik" wenig hilfreich, weil sie nur dazu führten, Reformansätze in der DDR zu blockieren. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Diepgen hält nach den Ereignissen in Ungarn die Tage der Mauer für gezählt. Weiter fordert er vom Regierenden Bürgermeister und von der SPD eine Korrektur ihrer Deutschlandpolitik der kleinen Schritte, die jetzt weiterentwickelt werden müsse. 1990 Der DDR-Gewerkschaftsdachverband FDGB beschlieÃt seine Auflösung. (Vgl. 31. Januar - 1. Februar.) Das auf rund 400 Millionen DM geschätzte Vermögen soll in einer Verwaltungsgesellschaft aufgehen. DDR-Bildungsminister Hans-Joachim Meyer besiegelt mit seiner Unterschrift die Ãbernahme des alten Zeughauses in Ost-Berlin, bisher Museum für Deutsche Geschichte, mitsamt allen Beständen durch das Deutsche Historische Museum in West-Berlin. 1991 Im Anschluà an ein friedliches StraÃenfest in Berlin-Kreuzberg liefern sich etwa 250 Angehörige der sogenannten autonomen Szene eine StraÃenschlacht mit der Polizei. Sechs Beamte werden verletzt, drei Personen festgenommen. Die bevorstehende Berlin-Tagung des IOC und die Olympia-Bewerbung Berlins sind vermutlich die Hintergründe der Krawall-Aktion. (Vgl. 7. März, 17.-19. September.) 1991 In einem "Frankfurter Papier" unterbreitet das Kuratorium des Fördervereins "Pro Brandenburg" nach seiner konstituierenden Sitzung in Frankfurt/Oder den Bundesländern Berlin und Brandenburg Vorschläge für ihr künftiges Zusammenwirken. Das Kuratorium schlägt vor, bis zum 1. November eine Enquete-Kommission zu berufen, die alle wesentlichen Gesichtspunkte für und gegen einen Zusammenschluà Brandenburgs mit Berlin zusammenträgt und einen Entscheidungsvorschlag zur bestmöglichen Lösung unterbreitet. Der Kommission sollen bis zu sieben hochqualifizierte unabhängige Experten verschiedener Fachgebiete angehören. Bis zum 1. Juni 1992 sollen die Vorschläge den beiden Landesregierungen und Parlamenten und danach der Bevölkerung beider Länder zu einer Willenserklärung vorgelegt werden. 1997 Auf Einladung von BundesauÃenminister Klaus Kinkel besichtigen Diplomaten aus aller Welt, die in Bonn residieren, vom Schiff aus Berlin. Als Stadtführer erklärt Volker Hassemer, Geschäftsführer der Marketinggesellschaft "Partner für Berlin", den Diplomaten ihre künftige Wirkungsstätte aus ganz ungewöhnlicher Perspektive. Die Route führt von der Jannowitzbrücke zur Oberbaumbrücke, zurück durch das Nikolaiviertel, vorbei am Reichstagsgebäude und am Schloà Bellevue bis zum Schloà Charlottenburg. Auch den künftigen Amtssitz des Auwärtigen Amtes am Werderschen Markt in Berlin-Mitte können die 140 Gäste aus 74 Ländern in Augenschein nehmen. Kinkel sagt: "Berlin ist das Symbol des Aufbruchs und des Wandels. In Berlin kann man den Umbruch und eine neue Epoche erleben und erfühlen." Rund 15 000 Menschen kommen zum Aktionstag gegen Rassismus und Neonazismus in den Lustgarten in Berlin-Mitte, wo etwa 100 Informationsstände verschiedener Vereine, Parteien, Initiativen und Buchhandlungen aufgebaut wurden. Antifaschistische Organisationen haben zu diesem Aktionstag, der zum achten Mal seit dem Fall der Mauer durchgeführt wird, aufgerufen. Sie wollen einer "allgemeinen Ratlosigkeit im Kampf gegen rechtsextremistische Gewalt" und den "Tendenzen eines sich ausbreitenden Wegschauens bei rassistischen Ãbergriffen und einem wachsenden Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft" entgegentreten. Mehrere Redner im Lustgarten werfen Politikern vor, mit rechtspopulistischen ÃuÃerungen rechtsextreme Ideologien zu bedienen. "Die Politiker spielen damit rechten Stammtischen in die Hände", so die Publizistin Lea Rosh. 1999 Nach einer umfangreichen Renovierung ist das gegenüber dem Osteingang des Reichstagsgebäudes gelegene ehemalige Reichstagspräsidentenpalais wieder offen. Der denkmalgeschützte Bau, in dem einst der Reichstagspräsident wohnte, wird künftig die Deutsche Parlamentarische Gesellschaft beherbergen. Winfried Rütters, Geschäftsführer der Bundesbaugesellschaft Berlin, übergibt den Schlüssel an Elke Leonhard, Präsidentin des parlamentarischen Clubs. Der Senat beschlieÃt in seiner 169. Sitzung ein Konzept zum sozialverträglichen Abbau des Personalüberhangs in den städtischen Kliniken. (Vgl. 27. Apr. 1999.) Bis 2004 sollen von den derzeit 19 420 Stellen 4 719 sozialverträglich abgebaut werden. Betriebsbedingte Kündigungen werden bis Ende 2005 ausgeschlossen. 2005 Mit einem kleinen Festakt nehmen der Architekt Lord Norman Foster und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit die neue Philologische Bibliothek der Freien Universität Berlin in Dahlem, Habelschwerdter Allee, in Betrieb. Die 6 300 Quadratmeter groÃe Bibliothek bietet auf fünf geschwungenen Ebenen rund 800 000 Büchern aus elf verschiedenen Fachbereichen Platz. An wellenförmigen Balustraden stehen Nutzern 636 Arbeitsplätze zur Verfügung. 2005 Auf dem Messegelände am Funkturm in Charlottenburg findet die gröÃte europäische Messe für Musik und Entertainment statt: die 17. Popkomm, die von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement eröffnet wird. Unter dem Motto "Meeting Music" präsentieren sich drei Tage lang 796 Aussteller aus 48 Ländern - das entspricht einem Ausstellerplus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als die Popkomm zum ersten Mal in Berlin stattfand. Rund 70 Prozent der Aussteller kommen nicht aus Deutschland. Partnerland in diesem Jahr ist Spanien. 15 108 Fachbesucherinnen und -besucher aus aller Welt werden gezählt. 2006 Kultursenator Thomas Flierl übergibt das von dem Konzeptkünstler Hans Haacke entworfene "Denkzeichen Rosa Luxemburg" auf dem Rosa-Luxemburg-Platz in Mitte der Ãffentlichkeit. Die Installation besteht aus insgesamt 60 Zitaten von Rosa Luxemburg (1871-1919), die verstreut in Gehwege und Fahrbahnen eingelegt sind. 2010 In den Höfen des Berliner Rathauses findet das traditionelle Hoffest des Regierenden Bürgermeisters statt. Klaus Wowereit hat zur zehnten Auflage des Festes geladen. Zu den Gästen zählen Prominente aus Politik, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft, Sport und Medien. 2016 Im Alter von 85 Jahren stirbt in Berlin der Schauspieler Hilmar Thate. Bereits in der DDR war er ein herausragender Darsteller, wurde dort zweimal zum Theaterschauspieler des Jahres gewählt. Er protestierte gegen die Ausweisung des Liedermachers Wolf Biermann und verlieà später die DDR. Ab 1980 lebte er mit seiner Frau, der Schauspielerin Angelica Domröse, in West-Berlin, und beide waren an den Staatlichen Schauspielbühnen Berlin engagiert. Hilmar Thate arbeitete später als freier Schauspieler vorwiegend am Theater. Eine seiner bekanntesten Rollen hatte er in »Jeder stirbt für sich allein«, inszeniert von Peter Zadek (1926â2009), am Schiller-Theater. 2021 Das St. Hedwig-Krankenhaus in Mitte feiert sein 175-jähriges Bestehen. Mit einem Festakt erinnert Berlins ältestes Krankenhaus in katholischer Trägerschaft an seine wechselvolle, bewegte Geschichte im Herzen der Stadt.
2022 Berlins älteste Handwerksorganisation, die Bäcker-Innung Berlin, feiert bei einem Festakt im Roten Rathaus offiziell ihr 750. Jubiläum. An 14 Innungsbetriebe wird die »Goldene Brezel« verliehen, eine »Ehren-Brezel« geht an Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey.
2022 Anne Hidalgo, Bürgermeisterin von Paris, reist anlässlich des 35-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Paris nach Berlin.¹ Zusammen mit der Regierenden Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey, eröffnet sie das Deutsch-Französische Bürgerfest im Centre Français de Berlin. 2022 Zum ersten Todestag von Ella Nik Bayan versammeln sich Menschen zu einer Gedenkkundgebung vor dem Berliner Rathaus. Vor einem Jahr hatte sich Ella Nik Bayan am Alexanderplatz selbst angezündet und verstarb noch am selben Tag im Krankenhaus an den schweren Brandverletzen. Als trans* Frau war sie zuvor vor Verfolgung und Gewalt aus dem Iran nach Deutschland geflohen. Wegen einer Baustelle findet die Mahnwache nicht am Todesort vor dem Galeria Kaufhof am Alexanderplatz statt.
2022 Die Berlin Art Week findet an verschiedenen Orten in der Stadt statt. Dazu gehören Ausstellungen, zwei Kunstmessen, Kunstpreise, Talks sowie zahlreiche Führungen.
2023 Hans Werner Henzes Musiktheater âDas Floà der Medusaâ in der Inszenierung von Regisseur Tobias Kratzer eröffnet die Saison 2023/24 der Komischen Oper Berlin â mit einem Gastspiel in Hangar 1 im ehemaligen Flughafen Tempelhof. Sechs Vorstellungen
in zwei Wochen werden gezeigt. Das Gebäude der Komischen Oper wird derzeit saniert, so dass die Oper aktuell im Charlottenburger Schillertheater spielt. Die Eröffnungspremieren zum Spielzeitbeginn sollen in den kommenden Spielzeiten jeweils an einem ungewöhnlichen Ort in der Stadt präsentiert werden.
2023 Das schwedische Fotografiemuseum Fotografiska eröffnet auf 5.500 Quadratmetern im historischen Kunsthaus Tacheles in der Oranienburger StraÃe in Mitte seine Berliner Dependance. Neben den Standorten in Stockholm, New York und Tallinn ist dies die vierte Filiale des Fotografiemuseums. Zum Start zeigt das Museum mehrere Ausstellungen: âUssyphiliaâ von Juliana Huxtable (bis 10. Januar 2024), die Gruppenausstellung âNudeâ (bis 14. Januar 2024) und âWhitefaceâ von Candice Breitz (bis 4. Dezember 2023).
2023 In diesem Jahr findet das Dekoloniale Festival vier Tage lang in Charlottenburg-Wilmersdorf statt. Am Abend des 14. September eröffnet in der Villa Oppenheim gemeinsam mit dem Museum Charlottenburg-Wilmersdorf die Dekoloniale Kooperationsausstellung
âSolidarisiert euch! Schwarzer Widerstand und globaler Antikolonialismus in Berlin, 1919â1933â. Die Ausstellung thematisiert die politische Organisierung diasporischer Gemeinschaften sowie die Erfahrung und die Grenzen transnationaler Solidarität im Umfeld der Kommunistischen Internationale.
Der stellvertretende Oberbürgermeister, Dr. Friedensburg, vereidigt Oberbürgermeister a. D. Dr. Ostrowski als Stadtwahlleiter und auÃerdem zwanzig Kreiswahlleiter.
Die SED-Fraktion der Stadtverordnetenversammlung hatte eine Mitarbeit in der Wahlkommission abgelehnt.
Der Bundestag beschlieÃt danach einmütig - mit Ausnahme der KPD - eine interfraktionelle Erklärung zu den Wahlen vom 15. Oktober, die vom Vorsitzenden des Ausschusses für gesamtdeutsche Fragen, Herbert Wehner (SPD), verlesen wird. Der Bundestag bittet darin die Vereinten Nationen, die mit den Mitteln des Terrors, der Fälschung und der Lüge inszenierten Wahlen in der sowjetischen Besatzungszone als Rechtsbruch zu verurteilen. Die Bundesregierung wird in fünf Punkten aufgefordert, "das deutsche Volk und die Welt über die Zustände der Rechtlosigkeit unter der kommunistischen Diktatur in der sowjetischen Besatzungszone in stetiger Folge nachhaltig zu unterrichten", die Besatzungsmächte in aller Form um die Durchführung freier Wahlen unter internationaler Kontrolle zu einem gesamtdeutschen Parlament zu bitten, Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der sowjetischen Besatzungszone strafrechtlich zu verfolgen, "gegen alle Personen vorzugehen, die im Auftrag und im Sinne der auf Gewalthandlungen abzielenden Beschlüsse des III. Parteitags der SED und des Nationalkongresses wirken" und "den Widerstand Berlins gegen die kommunistische Diktatur mit allen wirtschaftlichen und politischen Mitteln zu stärken".
In einer Erklärung bezeichnen die AuÃenminister es als Ziel der Politik ihrer Regierungen, ein demokratisches Deutschland auf der Grundlage der Gleichberechtigung in eine europäische kontinentale Gemeinschaft einzugliedern, die ihrerseits als ein Teil der sich stetig entwickelnden atlantischen Gemeinschaft angehört. Sie anerkennen die Initiativen Frankreichs zur Bildung einer Montanunion (Schumanplan) sowie einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (Plevenplan) und wünschen ihre rasche Verwirklichung als groÃe Etappen auf dem Wege zur Einheit Europas. Die Teilnahme Deutschlands an der gemeinsamen Verteidigung Europas bedinge jedoch die Ersetzung des gegenwärtigen Besatzungsstatuts durch ein neues Verhältnis zwischen der Bundesrepublik und den Westmächten. Die britische Regierung wünsche die Schaffung engster Verbindungen mit der europäischen kontinentalen Gemeinschaft in allen Stadien ihrer Entwicklung.
Der Senat bewilligt 40 000 DM zur Durchführung eines Architektenwettbewerbs für den Wiederaufbau der Städtischen Oper in Charlottenburg (früher Deutsches Opernhaus).
Dabei würdigt Prof. Suhr den Botschafter als einen der hervorragendsten Repräsentanten Frankreichs, der mit seiner heimlichen Liebe zur deutschen Kultur, seiner humanistischen Gesinnung und seinem europäischen BewuÃtsein mitgeholfen habe, Brücken der Verständigung zu bauen.
Francois-Poncet gesteht in seiner Antwort, daà er nicht ohne Bedauern und Wehmut von seinem Amt und aus Deutschland scheide, wo er viele Jahre der Hoffnungen und des Vertrauens, aber auch der Befürchtungen und der Sorgen erlebte. Ein so langer Aufenthalt in einem Land, eine so bewegte Erfahrung hinterlieÃen nicht nur Spuren im Geiste eines Menschen, sondern grüben sich auch in sein Herz ein. Anknüpfend an seine zahlreichen guten Erinnerungen an Berlin, an das nuancenreiche Wesen seiner Menschen, die in schwierigsten Momenten und unter härtestem Zwang ihre Unabhägigkeit im Denken und ihre innere Freiheit zu wahren wuÃten, äuÃert er die Hoffnung, daà diese Stadt bald wieder ihren normalen Platz in Deutschland und Europa einnehmen werde. Als Hoher Kommissar habe er sich bemüht, zusammen mit seinen westlichen Kollegen, Berlin nützlich zu sein. "Bisweilen habe ich es tun müssen, indem ich versuchte, Ihre Ungeduld zu zügeln und zu mäÃigen, doch ohne jemals meine Freundschaft zu Ihrer Stadt darüber zu vergessen".
Auch als Privatmann werde er nicht aufhören, was von Beginn seines langen und wechselvollen Verhältnisses zu Deutschland seine Sorge war, Frankreich und Deutschland einander näherzubringen, um ihrem unfruchtbaren Antagonismus, " der so widersinnig, so töricht, so unklug ist, da er auf klar denkende Menschen geradezu demütigend wirke, ein Ende zu bereiten.
Während seines weiteren Aufenthaltes in Berlin nimmt der türkische Minister u. a. an der Eröffnung der Industrie-Ausstellung teil und besichtigt Berliner Industriebetriebe.
Der Leiter der Schule, Oberstudiendirektor Dr. Rudolphi, hatte, wie auch ein Teil des Lehrerkollegiums und der Elternschaft, an der Feier nicht teilgenommen, da er einmal für ein humanistisch-musisches Gymnasium den Namen des Historikers Mommsen vorgezogen hätte und zum anderen den Generalobersten wegen seiner Haltung vor dem Volksgerichtshof glaubte ablehnen zu müssen.
Der amtierende Regierende Bürgermeister Amrehn verweist bei der BegrüÃung darauf, daà Berlin diese Ausstellung trotz des zu Ende gehenden Bundestagswahlkampfes zum gewohnten Termin veranstalte, denn die Basis der Arbeit in dieser Stadt bildeten Stetigkeit und Vertrauen in die eigene Kraft und politische Standfestigkeit. Dennoch bleibe Berlin auch künftig auf die Hilfe des Bundes angewiesen, obgleich es in seiner wirtschaftlichen Entwicklung, vor allem bei der Beseitigung der Arbeitslosigkeit, weitere Fortschritte verzeichnen konnte. Die konjunkturdämpfenden MaÃnahmen im Bundesgebiet hätten sich ohne Notwendigkeit auch auf Berlin ausgewirkt und würden deshalb auch einen flacheren Verlauf der aufsteigenden Wirtschaftskurve zur Folge haben. Der Bürgermeister spricht daher den Wunsch aus, mögliche Restriktionen in Zukunft so zu handhaben, daà Berlin davon nicht berührt werde. Gleichzeitig appelliert er an die private Wirtschaft, in verstärktem MaÃe Aufträge nach Berlin zu vergeben, da die politische Situation hier nicht leichter geworden sei.
BDI-Präsident Berg bezeichnet die Industrieausstellung als ein Symbol der freien wirtschaftlichen Initiative, das nach dem Osten wie nach dem Westen ausstrahle. Damit stehe Berlin, wenn auch leider noch nicht in der praktisch-politischen, so doch in der freiheitlich-geistigen Funktion unserer deutschen Hauptstadt. Wer die rechten MaÃstäbe gewinnen wolle für das, was in Deutschland geleistet werde, vor allem aber für die GröÃe der Aufgabe, die sich in den kommenden Jahren stelle, der müsse nach Berlin kommen.
Staatssekretär Dr. Westrick überbringt die GrüÃe von Bundeswirtschaftsminister Prof. Erhard, der es, bedingt durch den Bundestagswahlkampf, auÃerordentlich bedauere, seine nun schon traditionelle Rede zur wirtschaftspolitischen Situation nicht halten und sein Bekenntnis zu Berlin nicht erneut ablegen zu können. Der Staatssekretär verweist dann auf die enge Verflechtung der Berliner und der westdeutschen Wirtschaft, die zu pflegen eine der vornehmsten Pflichten sein werde. Neben ihren groÃen und ständigen Vorteilen habe diese Verflechtung gewià auch den einen oder anderen Nachteil. Da Berlin die wirtschaftliche Angleichung an den Bund noch immer nicht voll erreichte, hätte es durchaus noch ein Stimulans gebrauchen können. Insoweit sei die konjunkturelle Beruhigung im Bundesgebiet für Berlin nicht gerade voll erwünscht gewesen. Hier müsse also in Zukunft bei ähnlichen MaÃnahmen stärker an Berlin gedacht werden. Dennoch, so glaube er, habe die Lebenskraft und Stabilität der westdeutschen Wirtschaft auch Berlin kräftige Impulse gegeben. Auch das Auslandsgeschäft, sehr wirkungsvoll angeregt durch die Berliner Industrieausstellungen und getragen von der Sympathiewelle, die dieser freiheitlichen Stadt überall entgegenschlage, habe in Berlin einen besonders bemerkenswerten Aufschwung erfahren. Mit seinen Auslandsaufträgen habe Berlin den Stand der Bundesrepublik erreicht, wenn man den Prozentsatz der Exportaufträge in Vergleich setzt zum gesamten Eingang an Neuaufträgen ein stolzes Zeichen der Wettbewerbsfähigkeit der Berliner Industrie.
Während ihrer 16tägigen Dauer wird die Ausstellung von 448 000 Personen besucht, darunter 146 150 aus Ost-Berlin und der DDR. Die Verminderung dieser Zahl gegenüber dem Vorjahr erklärt die Ausstellungsleitung damit, daà die Interbau im Hansa-Viertel selbst für die Berliner eine stärkere Anziehungskraft ausgeübt habe und keineswegs alle Besucher, auch Fachleute, bereit waren, auch noch das Messegelände am Funkturm zu besichtigen.
Mehr als tausend Ausstellungsstücke orientieren den Besucher über eine nahezu zweitausendjährige Entwicklung der Waffen und des Kriegswesens. Die Ausstellung schlieÃt mit einer GroÃdarstellung des Sturmes auf das Winterpalais in Petrograd während der Oktoberrevolution 1917.
Brandt macht deutlich, daÃ, wenn an einem solchen Tag Erinnerungen an die Vergangenheit wieder wach werden, um der historischen Gerechtigkeit willen niemand vergessen sollte, daà die tragische Vertreibung von Millionen Deutscher aus ihrer Heimat letztlich eine der Folgen des von Hitler verbrecherisch heraufbeschworenen Unheils war. Am allerwenigsten dürften die Deutschen diese Tatsache vergessen. Vielmehr sei es ihre moralische Pflicht, sich gerade auch am "Tag der Heimat" diese Tatsache ins Gedächtnis zurückzurufen und aus ihr die notwendigen SchluÃfolgerungen für die Zukunft zu ziehen. Eine Heimat werde im Zeitalter des Atoms nicht im Waffengang zurückerobert. Die Zeit des Nur-Denkens in nationalstaatlichen Kategorien gehöre der Vergangenheit an. Künftige Grenzen - das sollten alle Beteiligten rechtzeitig bedenken - dürften den Keim neuer Feindseligkeiten nicht in sich tragen. Aus HaÃgefühlen, unguten Gedanken, aus geistiger Verkrampfung oder gar nationalstaatlicher Ãberheblichkeit lasse sich keine positive Ordnung für die Zukunft gestalten. Der Tag werde kommen, an dem auf die Fragen: "Was wird aus der ostdeutschen Heimat?" und "Wie werden die Dinge sich im Osten und im Südosten Europas überhaupt weiter gestalten?" Antworten gefunden werden müssen. Denn wer sich in die Schützengräben des politischen Stellungskrieges zurückgezogen habe, verzichte darauf, auf das politische Geschehen Einfluà zu nehmen. Stärker als anderswo werde einem in Berlin bewuÃt und täglich durch die Tatsachen vor Augen geführt, daà Deutschland zwischen Ost und West liege und "daà wir deshalb eine vernünftige Ostpolitik ebenso nötig haben wie die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Freunden und Partnern im Westen. Mit politischer Abstinenz gegenüber den Fragen im Osten Europas ist es gewià nicht getan".
In der Bundesrepublik habe sich nach der Währungsreform ein grandioser Wiederaufbau vollzogen, doch müsse betont werden, daà dieser niemals ohne die Hilfe der Heimatvertriebenen hätte vollbracht werden können. Die eigentliche Frage sei jedoch, ob im freien Deutschland die moralische und die geistige Wiedergesundung mit der wirtschaftlichen Schritt gehalten habe. "Wir in Berlin" könnten uns jedenfalls des Eindrucks oftmals nicht erwehren, daà in manchen Kreisen des deutschen Westens das deutsche GeschichtsbewuÃtsein bei der Währungsreform anfange und beim Kühlschrank aufhöre. Auch müsse endlich mit der weit verbreiteten Ansicht Schluà gemacht werden, daà sich die Wiedervereinigung rein mechanisch, durch den "AnschluÃ" des einen Teils an den anderen vollziehen werde. Die Wiederherstellung der staatlichen Einheit werde sich vielmehr - soweit sich das politische Geschehen eines überschaubaren Zeitabschnitts überhaupt beurteilen lasse - innerhalb eines historischen Prozesses entwickeln, in dessen Verlauf es sich schon heute darauf einzurichten gelte, ein neues Haus zu bauen, "dessen Hinterhof nicht nur der Osten sein und dessen Fassade nicht nur am Rhein glänzen darf".
Nach dem Gedenken der Stadtverordneten an den verstorbenen DDR-Präsidenten Pieck, des "Ehrenbürgers der Hauptstadt", glaubt Stadtrat Wolf in dem von ihm erstatteten Bericht des Magistrats die Feststellung treffen zu können, daà die Bevölkerung sowohl die Bildung des DDR-Staatsrates als auch die "Sicherheits"-MaÃnahmen gegen das Auftreten von "Störenfrieden" in West-Berlin und die Denkschrift der DDR-Regierung an die UN-Vollversammlung begrüÃt.
In der Diskussion bemängelt der Sekretär der SED-Bezirksleitung, Willi Schmidt, daà im Magistratsbericht die für die künftige Arbeit zu ziehenden SchluÃfolgerungen zu kurz gekommen seien. Wenn der Plan der Bruttoproduktion bis zum 31. August erst mit 61,4 % erfüllt wurde, so liege das nicht allein an den besonderen Schwierigkeiten der Berliner Wirtschaft, vielmehr würden Magistrat, Wirtschaftsrat und Plankommissionen die Betriebe nur ungenügend auf den Hauptweg der sozialistischen Rekonstruktion vorbereiten. Auch fehle es an der Verallgemeinerung der besten Erfahrungen von Werktätigen im Kampf um den wissenschaftlich-technischen Fortschritt. So hätten Planrückstände ihre Ursache vielfach auch nicht im fehlenden Willen der Werktätigen, vielmehr wären die Leitungen nicht in der Lage gewesen, mit den gröÃeren Aufgaben Schritt zu halten. Die vielen "Kampf Stäbe" und MaÃnahmepläne, von denen hier so viel die Rede gewesen sei, wären völlig überflüssig, wenn die Leitung der Berliner Wirtschaft auch gut gearbeitet hätte.
Nach Abschluà der Diskussion bestätigen die Stadtverordneten den Bericht des Magistrats mit der MaÃgabe, daà ihre kritischen Hinweise zu berücksichtigen sind und ein breiter Erfahrungsaustausch zwischen den besten und den zurückgebliebenen Betrieben organisiert wird.
Nach dem Gedenken der Stadtverordneten an den verstorbenen DDR-Präsidenten Pieck, des "Ehrenbürgers der Hauptstadt", glaubt Stadtrat Wolf in dem von ihm erstatteten Bericht des Magistrats die Feststellung treffen zu können, daà die Bevölkerung sowohl die Bildung des DDR-Staatsrates als auch die "Sicherheits"-MaÃnahmen gegen das Auftreten von "Störenfrieden" in West-Berlin und die Denkschrift der DDR-Regierung an die UN-Vollversammlung begrüÃt.
In der Diskussion bemängelt der Sekretär der SED-Bezirksleitung, Willi Schmidt, daà im Magistratsbericht die für die künftige Arbeit zu ziehenden SchluÃfolgerungen zu kurz gekommen seien. Wenn der Plan der Bruttoproduktion bis zum 31. August erst mit 61,4 % erfüllt wurde, so liege das nicht allein an den besonderen Schwierigkeiten der Berliner Wirtschaft, vielmehr würden Magistrat, Wirtschaftsrat und Plankommissionen die Betriebe nur ungenügend auf den Hauptweg der sozialistischen Rekonstruktion vorbereiten. Auch fehle es an der Verallgemeinerung der besten Erfahrungen von Werktätigen im Kampf um den wissenschaftlich-technischen Fortschritt. So hätten Planrückstände ihre Ursache vielfach auch nicht im fehlenden Willen der Werktätigen, vielmehr wären die Leitungen nicht in der Lage gewesen, mit den gröÃeren Aufgaben Schritt zu halten. Die vielen "Kampf Stäbe" und MaÃnahmepläne, von denen hier so viel die Rede gewesen sei, wären völlig überflüssig, wenn die Leitung der Berliner Wirtschaft auch gut gearbeitet hätte.
Nach Abschluà der Diskussion bestätigen die Stadtverordneten den Bericht des Magistrats mit der MaÃgabe, daà ihre kritischen Hinweise zu berücksichtigen sind und ein breiter Erfahrungsaustausch zwischen den besten und den zurückgebliebenen Betrieben organisiert wird.
Im Bundeskanzleramt in Bonn verhandeln der Staatssekretär im Bundeskanzleramt, Egon Bahr, und der Staatssekretär beim Ministerrat der DDR, Michael Kohl. Es handelt sich um das dritte Treffen seit Unterzeichnung des Vier Mächte Abkommens über Berlin.
Im Rathaus Schöneberg findet das dritte Gespräch seit Unterzeichnung des Vier Mächte Abkommens über Berlin zwischen dem Chef der Senatskanzlei, Senatsdirektor Ulrich Müller, und dem Staatssekretär im AuÃenministerium der DDR, Günter Kohrt, statt.
Rund 6 000 Demonstranten beteiligen sich nach Schätzungen der Polizei an einem von der SEW organisierten Protestmarsch in der West-Berliner Innenstadt (vom Olivaer Platz zum Wittenbergplatz), der sich gegen den Militärputsch in Chile richtet.
Teilnehmer der Veranstaltung errichten vor der Südseite des Reichstagsgebäudes ein symbolisches Mahnmal aus Steinen, mit dem an die Verfolgung von Sinti und Roma während der NS-Zeit erinnert werden soll. "Steine des Anstosses" nennt die Internationale Liga für Menschenrechte diese Aktion. Die Bundesregierung schulde den ermordeten Sinti und Roma ein würdiges Denkmal im politischen Zentrum Deutschlands.
Zur Popkomm gehören auch die Segmente Festival und Kongress. Das Popkomm-Festival lockt mit über 400 Stunden Livemusik in die Berliner Clubs. Insgesamt 1 500 Künstler aus 23 Nationen treten auf. Zentraler Anlaufpunkt des Festivals, bei dem es darum geht, neue und spannende Künstler möglichst hautnah zu entdecken, ist die Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg.
Beim Popkomm-Kongress kommen Fachleute der Branche sowie Vertreter aus Politik, Kultur und Medien zusammen, um sich in internationalen Foren, Workshops und Panels auszutauschen. Themenschwerpunkte: Innovation, Livemusik, Nachwuchsförderung und Fortbildung.
Seine letzte Ruhestätte findet Thate auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Mitte.
¹ Siehe die Chronik-Einträge von 1987 und vom 12. Juli 2022.
Zitierform: Berlin - Chronik. Online-Version : Hrsg. vom Landesarchiv Berlin. - URL: http://www.landesarchiv-berlin-chronik.de (Stand: 14.09.2026)