Was geschah am 30.08. im Jahr ... 1945 4. Sitzung des Alliierten Kontrollrats. Der Kontrollrat nimmt eine Entscheidung über das Verbot des Uniformtragens für alle ehemaligen Angehörigen der deutschen Wehrmacht an. Die Mitglieder des Kontrollrats verkünden mit der Proklamation Nr. 1 an das deutsche Volk, daà kraft der Machtbefugnisse, die von den Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika, der Sowjetunion, GroÃbritanniens und Frankreichs mit der Erklärung über die Niederlage Deutschlands vom 5. Juni 1945 in Deutschland übernommen worden sind, die oberste Regierungsgewalt in allen Angelegenheiten, die Deutschland als Ganzes angehen, dem Alliierten Kontrollrat übertragen worden ist. 8. Sitzung der Alliierten Kommandantur. Die Kommandanten billigen die Bildung eines Alliierten Komitees für Handel und Industrie bei der Abteilung für Wirtschaft des Magistrats mit einem umfassenden Aufsichtsrecht über Produktion und Güterverteilung GroÃ-Berlins. Die Berliner Kraft- und Licht-AG. (BEWAG) erhält den Befehl, die Stromverteilung in Berlin für eine weitere Rationierung zu überprüfen. Die Berliner Centrale Kohlenorganisation erhält die volle Verantwortung für die Kohlenverteilung an die Bevölkerung. Die Alliierte Kommandantur verbietet mit BK/O (45) 5 allen ehemaligen Angehörigen der deutschen Wehrmacht sowie allen Zivilpersonen das Tragen militärischer Uniformen in soldatischer Farbe sowie militärischer Rangabzeichen, Auszeichnungen oder Insignien. Der Sprecher der amerikanischen Militärregierung von Berlin, Oberst Frank L. Howley, teilt alliierten Pressevertretern mit, daà in den letzten Wochen etwa 18 000 entlassene deutsche Kriegsgefangene nach Berlin gekommen sind. Hinsichtlich der soeben abgeschlossenen Berliner Volkszählung ist er der Auffassung, daà das vorliegende Ergebnis einer Einwohnerzahl von 2,8 Millionen für Berlin zu niedrig ist, da in Berlin über 3 Millionen Lebensmittelkarten ausgegeben wurden. Die Abteilung für Handel und Handwerk des Magistrats gibt Richtlinien für die Behandlung der Gewerbeerlaubnis und für das Verfahren der vom Magistrat eingesetzten Spruchkammer zur Bereinigung der Gewerbeausübung bekannt. Der Polizeipräsident in Berlin fordert die Bevölkerung auf, die Polizei bei ihrer Bekämpfung von Flurdiebstählen zu unterstützen. "In GroÃ-Berlin haben die Gemüse- und Kartoffeldiebstähle derart überhandgenommen, daà die Versorgung der Bevölkerung bedroht wird". Zugleich gibt er die Errichtung eines verstärkten Flurschutzes bekannt. Auf der ersten zentralen Frauenkonferenz des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) wird in einer EntschlieÃung unter anderem die volle Gleichberechtigung der Frau im Berufsleben sowie ihre Mitwirkung bei der Gestaltung des Arbeitsrechtes, des Arbeitsschutzes und der Sozialversicherung gefordert. 1946 38. Sitzung des Alliierten Kontrollrats. Der Kontrollrat befaÃt sich mit einem Bericht des Koordinierungskomitees über den französischen Vorschlag, zur Verwirklichung der Wirtschaftseinheit Deutschlands besondere Büros der Besatzungsmächte einzurichten. In dem Bericht wird mitgeteilt, daà die drei anderen Delegationen sich mit dem französischen Vorschlag nicht einverstanden erklären konnten. Die Alliierte Kommandantur genehmigt mit BK/O (46) 349, daà Ãrzte mit begrenzter Erlaubnis zur Berufsausübung täglich bis zu vier Stunden vom Landesgesundheitsamt zur Durchführung der angeordneten GesundheitsmaÃnahmen wie Impfungen, Aufsicht in Flüchtlingslagern usw. zwangsweise beschäftigt werden können. 1947 Der Kontrollrat beschlieÃt in seiner 69. Sitzung das Gesetz Nr. 57 über die Auflösung und Liquidierung der Versicherungsgesellschaften, die der ehemaligen nationalsozialistischen Deutschen Arbeitsfront angeschlossen waren. Das Eigentum dieser Gesellschaften kann in den Zonen durch die Oberbefehlshaber und in GroÃ-Berlin durch die Alliierte Kommandantur auf geeignete deutsche demokratische Organisationen, die von den Militärbehörden genehmigt sind, übertragen werden. Die Alliierte Kommandantur ordnet durch BK/O (47) 191 die Herausgabe eines "Amtsblatt der Alliierten Kommandatura Berlin (AKB)" an. Es erscheint monatlich in den gleichberechtigten und allein gültigen Amtssprachen Englisch, Französisch und Russisch. Der deutsche Text wird nur zur Erleichterung der Verwaltungstätigkeit angefügt, gilt jedoch nicht als amtlich. Die städtische Verwaltung hat die Kosten zu tragen. Die Alliierte Kommandantur bestimmt durch BK/O (47) 193, daà ab 1. November 1947 nur noch die von ihr bestätigten nichtpolitischen Organisationen tätig sein dürfen. Die Alliierte Kommandantur bestätigt durch BK/O (47) 194 mit einigen Ãnderungen den Magistratsbeschluà über eine Verordnung zur Kontrolle von Ãberschüssen landwirtschaftlicher Erzeugnisse im Stadtgebiet von GroÃ-Berlin. Diese Ãberschüsse dürfen nur an landwirtschaftliche Genossenschaften, Konsumgenossenschaften und eine geringe Anzahl von privaten Handelsfirmen abgegeben werden, die ihrerseits 65 Prozent als zusätzliche Versorgung den Krankenhäusern, Alters- und Kinderheimen, der Schulspeisung sowie den Werkkantinen oder Volksgaststätten zur Verfügung stellen müssen. Der Versuch britischer Pioniere, den groÃen Flak- und Luftschutzbunker am Zoo mit etwa 20 000 Kilogramm hochexplosiven Sprengstoffes zu beseitigen, miÃglückt weitgehend. Der in den ersten Nachkriegstagen am Zoobunker angelegte Massenfriedhof für die Toten der letzten Kämpfe um Berlin war bereits Anfang August 1947 nach einer Umbettung der Gefallenen auf städtische Friedhöfe aufgelöst worden. Der Magistrat bittet im Auftrage der Stadtverordnetenversammlung die Alliierte Kommandantur um eine Verbesserung der Lebensmittelzuteilungen. Er weist in seinem Schreiben auf die Nöte des kommenden Winters hin und erläutert mit statistischen Unterlagen die katastrophale Ernährungssituation der Berliner Bevölkerung. Die Gesamtsterblichkeit, die im Jahre 1938 nur 13,2 je tausend Einwohner betrug, ist durch den Nahrungsmangel allein im 1. Halbjahr 1947 auf 25,1 je tausend Einwohner angestiegen. Gewichtsverluste von 40 bis 50 Kilogramm sind keine Seltenheit. Der Verband der Berliner Konsumgenossenschaften wählt auf einer auÃerordentlichen Generalversammlung einen neuen Vorstand, nachdem der alte Vorstand wegen groÃer Unterschlagungen seines Leiters der Finanzabteilung seinen Rücktritt erklärt hatte. 1947 Das Hauptsportamt und der Hauptjugendausschuà des Magistrats veranstalten gemeinsam ein Sportfest der Berliner Jugend im Post-Stadion. In ihrem Tätigkeitsbericht für den Monat August stellt die amerikanische Militärregierung in Deutschland fest, daà der Alliierte Kontrollrat unter dem Einfluà der sich ständig verschärfenden Gegensätze zwischen Ost und West in wichtigen Fragen praktisch aufgehört habe zu arbeiten. Es seien keine wesentlichen Fortschritte erzielt, noch Entscheidungen von Bedeutung angekündigt worden. Wichtige Beratungspunkte, darunter die Oberbürgermeisterfrage in Berlin, die Vollmachten der Alliierten Kommandantur Berlin, der Zusammenschluà der Berliner Versicherungsfirmen und die Tätigkeit der Gewerkschaften blieben ungelöst. Im Verwaltungsbezirk Neukölln wird ein berittenes Ernteschutzkommando der Polizei zur Bekämpfung von Felddiebstählen aufgestellt. Berlin verfügt zur Zeit über 49 städtische Kinderheime für etwa 4000 Kinder sowie 39 nichtstädtische Heime für etwa 3000 Kinder. Es fehlen jedoch noch immer etwa 2500 Plätze. 1948 Nach einer Ãbereinkunft zwischen den Vertretern der drei Westmächte und dem sowjetischen AuÃenminister Molotow wird eine gemeinsame Direktive an die vier Militärgouverneure gesandt. Hiernach sollen vorbehaltlich einer Einigung der Militärgouverneure über ihre praktische Durchführung folgende Schritte gleichzeitig unternommen werden: "Die kürzlich auferlegten Beschränkungen des Verkehrs, des Transportwesens und des Handels zwischen Berlin und den Westzonen und von und nach der Sowjetzone sollen aufgehoben werden. Die Deutsche Mark der Sowjetzone soll als einziges Zahlungsmittel für Berlin eingeführt und die mit 'B' gezeichnete Westmark in Berlin aus dem Verkehr gezogen werden." Die drei westlichen Militärregierungen erklären durch Befehle an den Oberbürgermeister ihre Zustimmung zur Suspendierung von sieben leitenden Beamten des Polizeipräsidiums im sowjetischen Sektor, des Kommandeurs der Schutzpolizei, Rudolf Wagner, des Leiters der Präsidialabteilung, Hans Seidel, des Leiters der Personalabteilung, Heinz Marquardt, des Leiters des Einwohnermeldeamtes, Willi Schulz, des Chefs des Polizeiverkehrsamtes, Arthur Paul, des Polizeiverwaltungsdirektors, Fritz Katten, und des Chefs der Kriminalpolizei, Franz Erdmann. Der amerikanische Militärgouverneur, General Clay, spricht sich im Hinblick auf den Viermächtestatus Berlins gegen eine stimmberechtigte Teilnahme der Stadt am Parlamentarischen Rat aus. Als Beobachter ohne Stimmrecht könnten Vertreter Berlins jedoch an den Beratungen teilnehmen. Der Ãltestenrat, der Stadtverordnetenversammlung beschlieÃt, am 31. August 1948 eine Sitzung des Stadtparlaments abzuhalten, wenn zu diesem Zeitpunkt ein Kommunique über die Moskauer Verhandlungen veröffentlicht worden ist und Generalmajor Kotikow das Ersuchen des Stadtverordnetenvorstehers nach Garantien für die unbehinderte Arbeit der Stadtverordneten beantwortet hat. Bürgermeister Dr. Friedensburg kündigt auf einer Pressekonferenz den Einsatz von etwa 200 freiwilligen, jungen Magistratsangestellten im Rahmen seines Hausrechtes zum Schutz künftiger Stadtverordnetensitzungen an. Gegen den Stadtverordneten Mewis (SED) werde er Strafantrag wegen Hausfriedensbruch stellen. Bürgermeister Dr. Friedensburg weist in einem Antwortbrief auf das Schreiben des sowjetischen Stadtkommandanten, Generalmajor Kotikow, vom 24. August 1948 darauf hin, daà nach der vorläufigen Verfassung nur Anordnungen und Verfügungen allgemeinen und grundsätzlichen Charakters einer Bestätigung durch die Besatzungsbehörden bedürfen. Interne Verwaltungsanweisungen seien durch die BK/O (47) 34 ausdrücklich von jeder Bestätigungspflicht ausgenommen. Eine plötzliche, der bisher bestehenden Rechtslage und dem praktischen Bedürfnis völlig zuwiderlaufende Neuregelung scheine gerade jetzt unbegreiflich, da eine regelmäÃige Arbeit der Alliierten Kommandantur nicht mehr erwartet werden kann. Auf Anordnung des kommissarischen Polizeipräsidenten, Dr. Stumm, werden alle Angehörigen der ehemaligen zentralen Polizeidienststellen, die seiner am 28. Juli 1948 veröffentlichten Aufforderung, ihre Diensttätigkeit bis zum 30. August 1948 im Präsidium in der FriesenstraÃe fortzusetzen, nicht nachgekommen sind, mit dem Ablauf dieses Tages fristlos entlassen. Etwa 70 Prozent der Angestellten der zentralen Dienststellen haben sich inzwischen im Polizeipräsidium in der FriesenstraÃe gemeldet. Der kommissarische Polizeipräsident, Dr. Stumm, teilt auf einer Pressekonferenz mit, daà gegen alle Personen, die bei den Tumulten vor dem Stadthaus namhaft gemacht werden konnten, darunter der Leiter der Präsidialabteilung der Polizei des sowjetischen Sektors, Hans Seidel, Strafantrag wegen Landfriedensbruchs gestellt wurde. Im Bereich der Kriminalpolizei bestünde mit dem sowjetischen Sektor eine dienstliche Zusammenarbeit. Vor der Funktionärkonferenz des Landesverbandes Berlin der SPD in Kliems Festsälen in Kreuzberg erklärt Dr. Suhr, man würde sich von keiner alliierten Macht davon abhalten lassen, Berlin beim Parlamentarischen Rat zu vertreten, wie auch immer die Moskauer Verhandlungen ausgingen. Die LDP der sowjetischen Besatzungszone teilt dem Stadtverordnetenvorsteher Dr. Suhr mit, daà die "bisherige LDP-Fraktion des Berliner Stadtparlaments keine Vertretung der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands" mehr darstelle. Für die Einreichung von künftigen Wahlvorschlägen sei ausschlieÃlich der aus der LDP-Arbeitsgemeinschaft hervorgegangene Landesverband der LDP, JägerstraÃe 55, Bezirk Mitte im sowjetischen Sektor, berechtigt. 1949 Der britische Militärgouverneur und künftige Hohe Kommissar, Generalleutnant Sir Brian Robertson, betont auf einer Pressekonferenz die feste Entschlossenheit der britischen Regierung, Berlin nach der überstandenen Blockade nicht ein Opfer seiner wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten werden zu lassen. Er stellt fest, daà die Bundesregierung ihre zukünftige Hauptstadt unterstützen müsse. Die Wirtschaftssachverständigen der vier Besatzungsmächte erörtern auf ihrer fünften Sitzung Berichte der Wirtschaftsverwaltung des Vereinigten Wirtschaftsgebietes (Bizone) und der Deutschen Wirtschaftskommission (DWK) für die sowjetische Besatzungszone über die bisher geführten Interzonenhandelsbesprechungen. Sie beschlieÃen, die Initiative für den Abschluà eines Handels- und Zahlungsabkommens auch weiterhin den zuständigen deutschen Stellen zu überlassen und ihnen zu empfehlen, ihre Arbeiten so bald wie möglich fortzusetzen. Die Alliierte Kommandantur überträgt mit BK/O (49) 188 dem Magistrat die Kontrolle der Berliner öffentlichen Versorgungsbetriebe. Jedoch soll die BEWAG ein unabhängiger kommerzieller Betrieb bleiben. Die Zuteilung von Kohle für die Versorgungsbetriebe wird künftig vom Magistrat festgesetzt. Vereinbarungen über die Einfuhr von elektrischem Strom unterliegen aber der Genehmigung der Kommandantur. Der Verbrauch von Strom, Gas und Wasser durch die Besatzungsbehörden, deren Personal und der Familien unterliegt keiner Ãberwachung durch deutsche Behörden. Mit diesem Befehl werden sämtliche Anordnungen der Besatzungsmächte über die Kontrolle der Versorgungsbetriebe, die Produktion, den Verbrauch und die Rationierung hinfällig. Mit BK/O (49) 190 genehmigt die Kommandantur die Zulassung der Berliner Diskontobank A.G., der Hans Weber K.-G. und der Berliner Bank für Handel und Industrie A.G. 1950 Die amerikanische Hohe Kommission (HICOG) gibt die Ernennung von Owen S. Curran zum Leiter der neugeschaffenen Berliner HICOG-Abteilung für militärische Sicherheit bekannt. Curran war bisher Industrieberater bei der Wirtschaftsabteilung des Berliner Büros der amerikanischen Hohen Kommission. Der Bezirksbürgermeister von Tempelhof; Otto Burgemeister, nimmt auf einer Pressekonferenz Stellung zu den fortlaufenden Versuchen der SED und des sogenannten Deutschen Komitees der Kämpfer für den Frieden, im Rahmen der in Westberlin verbotenen kommunistischen Friedenspropaganda-Aktion auch in den Westsektoren Unterschriften zur Ãchtung der Atombombe zu sammeln. Da die Kommunisten inzwischen auf diffamierenden Flugblättern zum Teil Namen von den Westberlinern veröffentlicht haben, die bei der GroÃaktion zur Unterschriftensammlung in Westberlin am 18. Juli 1950 die Polizei informiert hatten, sichert Burgemeister diesen Westberlinern ausdrücklichen Schutz zu und kündigt an, bei einer Fortsetzung der kommunistischen Diffamierungen und Bedrohungen die Namen der Unterzeichner des kommunistischen Friedensappells zu veröffentlichen. Gleichzeitig übergibt der Bezirksbürgermeister der Presse einen auch vom Bezirksverordnetenvorsteher und den Fraktionsvorsitzenden der demokratischen Parteien des Bezirks unterzeichneten Aufruf. Darin wird die Bevölkerung aufgefordert, die Kommunisten, die "als willenlose Werkzeuge östlicher Auftraggeber versuchen, unter dem Deckmantel braver Biedermänner Unterschriften zur Ãchtung der Atombombe zu sammeln", der Polizei zu übergeben. Im sowjetischen Sektor beginnt der fünftägige 3. Kongreà des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB). An dem Kongreà nehmen rund 3600 Delegierte und Gäste teil, unter denen sich eine Reihe von Delegationen aus dem Ausland und aus der Bundesrepublik befindet. Prominentester ausländischer Gast ist der Generalsekretär des kommunistischen Weltgewerkschaftsbundes, Louis Saillant. Im Mittelpunkt des Kongresses steht ein Referat des Generalsekretärs des Zentralkomitees der SED und Mitglied des FDGB-Bundesvorstandes, Walter Ulbricht, über die Aufgaben der Gewerkschaften im Fünfjahrplan sowie der Beschluà einer neuen Satzung. Herbert Warnke (SED) wird zum 1. Vorsitzenden des FDGB wiedergewählt. Gleichberechtigte Stellvertreter werden Alexander Starck (SED) und Rudolf Kirchner (SED). 1951 Die alliierten Hohen Kommissare erlassen ein Gesetz, wonach der Landesverratsparagraph der neuen Strafrechtsnovelle nicht auf Personen angewendet werden darf, die den Regierungen oder Besatzungsbehörden der Westmächte Informationen übermitteln. AuÃerdem dürfen Bundes- oder Landesgesetze niemanden an der Aufnahme und Unterhaltung von Beziehungen zu den Regierungen der Westmächte oder ihren Besatzungsstreitkräften hindern. In Bonn wird dieses Gesetz in Anlehnung an die letzten Vorkommnisse als eine "Lex Kemritz" bezeichnet. Die Alliierte Kommandantur setzt den Senat mit BK/O (51) 51 über die Abänderung des Art. 3 Abs. 2 ihres Gesetzes Nr. 7 über die Gerichtsbarkeit auf den ihr vorbehaltenen Gebieten in Kenntnis (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 3, S. 612, 18.3.1950, Nr. 55 a). Danach müssen deutsche Behörden, wenn sie über das Bestehen, den Inhalt, die Rechtsgültigkeit oder den Zweck eines den Vorbehaltsrechten der Besatzungsmächte unterworfenen Falles zu entscheiden haben, das Verfahren aussetzen und es dem zuständigen Sektorenkommandanten zur Weitergabe an ein Besatzungsgericht überweisen. Von dort kann den deutschen Behörden ein für sie bindender Bescheid gegeben werden. Mit BK/L (51) 97 fordert die Kommandantur den Senat auf, die Kontrolle von Vorbehaltsgütern, die nur mit Genehmigung des Bundeswirtschaftsministeriums exportiert werden dürfen, dem Verfahren in der Bundesrepublik anzugleichen. Dabei soll anstelle der Bezeichnung "Bundesbehörden" die Formulierung "Berliner Behörden" verwendet werden. Der Magistrat des sowjetischen Sektors bestätigt auf seiner Sitzung den von ihrem zwölfköpfigen Vorstand vorgeschlagenen Präsidenten der Ost-Berliner Handwerkskammer, Kürschner-Obermeister Leopold Pertek, und die Vizepräsidenten, Mechaniker-Obermeister Paul Rogall und den zweiten Vorsitzenden des Berliner FDGB, Hermann Schlimme. Oberbürgermeister Ebert teilt mit, daà der Stadtrat für Volksbildung, Max Kreuziger (SED) (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 2, S. 714, 30.11.1948, Nr. 136), aus gesundheitlichen Gründen und der Stadtrat für Verwaltung, Paul Wolff (SED) (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 3, S. 700, 22.6.1950, Nr. 57 a), wegen Ãbernahme einer anderen Tätigkeit aus dem Magistrat ausscheiden. Auf Vorschlag des "Demokratischen Blocks" ernennt Ebert zum neuen Stadtrat für Verwaltung und Personalpolitik Paul Hentschel (SED), zum Stadtrat für das aus der Abteilung Arbeit und Gesundheitswesen herausgelöste Ressort Arbeit Willi Schmidt (FDGB/SED), zum Stadtrat für Volksbildung Herbert Fechner (SED) und zum Stadtrat für Aufbau Hans Gericke (NDPD). Der bisherige Stadtrat für Aufbau, Arnold Munter (Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft), war am 20. Juni 1951 wegen der öffentlich gegen ihn erhobenen Kritik hinsichtlich seiner Amtsführung von Oberbürgermeister Ebert seines Postens enthoben worden. 1952 Der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Jakob Kaiser, appelliert über den RIAS an die Bevölkerung in der Sowjetzone, "deutschen Grund und Boden nicht ohne letzte Not" zu verlassen und sie nicht "von freiheitlich gesinnten und aufrechten Deutschen" zu entblöÃen. Er betont aber, daà die Notaufnahme der Flüchtlinge von diesem Appell jedoch keineswegs berührt werde. Sie soll auch weiterhin dafür sorgen, daà die wirklich an Leib und Leben Gefährdeten Sicherheit finden und auÃerdem dazu dienen, die Bundesrepublik vor SED-Spitzeln und -Agenten zu schützen, denn ein unkontrollierter Flüchtlingsstrom könne das Gefüge der Bundesrepublik erschüttern und zum gröÃten Triumph des Kommunismus werden. Die Wechselstuben verkaufen 100 DM (Ost) für 22,66 DM (West). Der Monatsdurchschnitt liegt im August bei 22,90 DM (West) für 100 DM (Ost). 1953 Der Regierende Bürgermeister Professor Reuter spricht auf einer SPD-Kundgebung im Sportpalast zum Thema "Deutschlands Einheit - Berlins Aufgabe". Er bedauert die Nichtteilnahme Berlins an den Bundestagswahlen, für die er allein Bundeskanzler Dr. Adenauer verantwortlich macht. Nur primitive, enge, parteipolitische Erwägungen und die Angst vor der "Addition der Stimmen" der Mehrheit des Bundestages seien für diese Fehlentscheidung maÃgebend gewesen. Gerade in dem Augenblick, in dem unablässig die Forderung nach freien Wahlen im sowjetischen Besatzungsgebiet erhoben wird, hätte bewiesen werden müssen, daà die unter westlichem Schutz lebenden Deutschen überall auch wirklich frei wählen können. Doch nationalpolitische Erwägungen zählten offenbar nicht in einem Lande, in dem immer noch ängstlicher Defaitismus echte politische Aktivität niederhalte. Der Ortsteil Friedrichshagen im Bezirk Köpenick, sowjetischer Sektor, feiert sein 200jähriges Bestehen. 1953 Berliner Festwochen 1953. Städtische Oper: Schiller-Theater: SchloÃpark-Theater: Theater am Kurfürstendamm: Komödie: Renaissance-Theater: Tribüne: Hebbel-Theater: Theaterclub im British Centre: Die Berliner Philharmoniker geben fünf Konzerte unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler, Herbert v. Karajan und Hans Rosbaud. Das RIAS-Symphonie-Orchester gibt zwei Konzerte unter der Leitung von Ferenc Fricsay. Kunstausstellungen: Daneben finden zahlreiche Dichterlesungen, literarische Gespräche, Tagungen, Kongresse, volkstümliche Veranstaltungen, kleinere Ausstellungen und Kammermusikabende in den einzelnen Bezirken statt. 1954 Die französische Nationalversammlung lehnt mit Mehrheit die Fortsetzung der am Vortage begonnenen Ratifizierungsdebatte über die Verträge von Paris und Bonn ab, womit das Projekt einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) praktisch als gescheitert gilt. Dieser Entscheidung war eine mehrwöchige diplomatische Aktivität in den westlichen Hauptstädten vorangegangen, da die französische Regierung am 14. August entscheidende Ãnderungen des Vertragswerkes gefordert hatte, die vor allem die Integration der Streitkräfte auf die im Gebiet der Bundesrepublik stationierten Kontingente einschränken sollte. Eine zur Diskussion dieser Vorschläge nach Brüssel einberufene Konferenz der AuÃenminister der Signatarmächte erzielte vom 19. bis 22. August zwar keine Einigkeit, betonte aber im SchluÃkommunique noch einmal die unverändert bleibenden Hauptziele ihrer europäischen Politik: 46. (Ordentliche) Sitzung des Senats von Berlin. Innensenator Fischer berichtet über die Praxis bei der Erteilung von Zuzugsgenehmigungen in den Bezirksämtern, die sich seit 1952 weitgehend angeglichen habe. Lediglich bei Ermessensentscheidungen in Härtefällen und bei Erteilung von Zuzugsgenehmigungen an nichtanerkannte, aber bereits ohne Vermittlung des Arbeitsamts in Arbeit stehende Flüchtlinge werde noch unterschiedlich verfahren. Der Senat ersucht daher die Bezirksämter, die festgestellten Mängel endgültig abzustellen und nach den Empfehlungen des ihnen zugestellten Berichts zu verfahren. 1957 Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Prof. Dr. Otto Suhr, stirbt um 20.40 Uhr in seiner Dahlemer Wohnung nach schwerer Krankheit an einer seltenen Form einer Lymphdrüsenerkrankung. Gegen Mitternacht würdigt Bürgermeister Amrehn in einer Rundfunkansprache an die Bevölkerung die Verdienste des Toten und verweist darauf, daà nach Ernst Reuter und Louise Schroeder mit Otto Suhr nun die dritte führende Persönlichkeit "von uns" ging, die im letzten Jahrzwölft an der Spitze der Stadt entscheidende Verantwortung getragen hat. Der Ost-Berliner Magistrat beschäftigt sich auf seiner Sitzung mit der bisherigen Arbeit der kommunalen Dienstleistungsbetriebe zur Entlastung der berufstätigen Frauen. Nach einem Bericht des stellv. Oberbürgermeisters Schneider (NDPD) über die auÃerordentlich starke Nachfrage nach solchen Dienstleistungsbetrieben (Heinzelmännchen, Hausreinigung, Flickstube usw.) beschlieÃt der Magistrat, allen Räten der Stadtbezirke, zu empfehlen, entsprechend den bisherigen Erfahrungen bei der Tätigkeit der Kommunalen Dienstleistungsbetriebe in den Bezirken Prenzlauer Berg und Pankow die gröÃten Anstrengungen zu unternehmen, um auch in ihren Bereichen die Voraussetzungen für die Bildung derartiger Einrichtungen zu schaffen, damit der Bedarf in absehbarer Zeit befriedigt werden kann. Der Magistrat beschlieÃt weiter die Bildung eines Werbeinstituts Berolina, das alle Fragen der Berlin-Werbung leiten und koordinieren soll. 1958 Am ersten Jahrestag des Todes von Otto Suhr wird im Rahmen einer Feierstunde in der Brandenburghalle des Rathauses Schöneberg eine von Renee Sintenis geschaffene Büste des Verstorbenen enthüllt. Das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" meldet, daà einem West-Berliner Vertreter von DDR-Waren, der in seinem Namen auf der bevorstehenden Industrieausstellung DDR-Erzeugnisse ausstellen wollte, mitgeteilt worden sei, "daà die Ausstellung von Ostfabrikaten sowie Hinweise auf ostzonale Fabrikate nicht statthaft sind". Von West-Berliner Kaufleuten werde diese MaÃnahme, die nicht nur von der Ausstellungsleitung, sondern auch vom Senat gutgeheiÃen werde, als Blockierung von DDR-Lieferungen betrachtet. In einem längeren Interview mit dem SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" beantworten Stadtrat Schneider und der Leiter der Abteilung Handel und Versorgung beim Magistrat, Herbert Karsten, Fragen zur gegenwärtigen Versorgungslage in Ost-Berlin, nachdem auf der letzten Tagung der Stadtverordnetenversammlung und in dem Leitartikel "Sozialistische Handelspolitik" des "ND" vom 16. August verschiedene Unzulänglichkeiten im Handel kritisiert worden waren. Die Berliner Wechselstuben kaufen 425 DM (Ost) für 100 DM (West) und verkaufen 100 DM (Ost) für 24,98 DM (West). Der Durchschnittskurs in diesem Monat beträgt 100 DM (Ost) für 23,90 DM (West). 1961 Präsident Kennedy gibt vor der Presse in Washington bekannt, daà er den früheren Militärgouverneur Clay (vgl. 19. /21. August) zu seinem persönlichen Vertreter in Berlin ernannt habe, der angesichts der sehr ernsten Lage dieser Stadt sein Amt am 15. September antreten und solange dort bleiben werde, wie es wünschenswert sei. Bischof Dibelius teilt während seiner Predigt in der Stadtmissionskirche am Südstern mit, daà die DDR-Regierung die für morgen geplante Tagung des Rates der EKD im Ost-Berliner Stephanus-Stift mit der Begründung verbot, daà unter den gegenwärtigen Verhältnissen eine derartige Zusammenkunft in der "Hauptstadt der DDR (das demokratische Berlin)" nicht stattfinden könne. 1964 Der ADAC muà den von ihm auf der AVUS durchgeführten letzten Lauf der diesjährigen Motorrad-Meisterschaften abbrechen, nachdem beim Rennen der 500ccm-Maschinen Albert Aichinger (Augsburg) in der Nordkurve aus der Bahn getragen und tödlich verletzt wird und kurz darauf bei den Seitenwagen vor der Zuschauertribüne der Schweizer Alfred Herzig schwere Verletzungen davonträgt. 1966 Nach 18monatiger Bauzeit erhält Intendant Felsenstein aus den Händen von Oberingenieur Schwarz vom VEB Ingenieurhochbau Berlin die Schlüssel für die nach Plänen eines Architektenkollektivs unter Leitung Kunz Nierades rekonstruierte Komische Oper in der BehrenstraÃe, deren Komplex unter Erweiterung durch Probensäle, Studios, technische Anlagen und Verwaltungsbereiche sich nunmehr bis zur StraÃe Unter den Linden erstreckt. Die AuÃenwände des Gebäudes - unveränderte GröÃe des Zuschauerraums, aber Erweiterung der Bühne - wurden aus geschliffenem Cottaer Sandstein gestaltet, die drei markanten Fenster an der Stirnseite blieben erhalten. Im Treppenaufgang zum 1. Rang ist eine Bronzetafel angebracht, auf der die wichtigsten Ereignisse der wechselvollen Geschichte des Hauses vermerkt sind. 1967 Am zehnten Todestag des früheren Regierenden Bürgermeisters Otto Suhr legen am Grab auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof der Regierende Bürgermeister Albertz und die stellv. Parlamentspräsidentin Edith Lowka Kränze nieder, enthüllt der Regierende Bürgermeister am Haus Hüninger StraÃe 4 in Dahlem, wo Otto Suhr zuletzt gewohnt hatte, eine Gedenktafel. 1971 Im Haus des Ministerrats der DDR in Berlin Mitte findet das siebente Gespräch zwischen dem Chef der Senatskanzlei, Senatsdirektor Ulrich Müller, und dem Staatssekretär im AuÃenministerium der DDR, Günter Kohrt, statt. (Vgl. 26. Juli.) 1972 Die neue VerbindungsstraÃe zwischen der zum West-Berliner Bezirk Zehlendorf gehörenden ehemaligen Exklave Steinstücken und dem Zehlendorfer Ortsteil Kohlhasenbrück wird nach einer Bauzeit von knapp drei Monaten (Kosten: rund vier Millionen DM) feierlich der Ãffentlichkeit übergeben. (Vgl. 3. Juni.) Die Schaffung dieses unkontrollierten Zugangs nach Steinstücken, das etwa 200 Einwohner zählt, wurde durch einen im Vier-Mächte-Abkommen über Berlin festgelegten Gebietsaustausch mit der DDR ermöglicht. An der Ãbergabe der rund einen Kilometer langen und 20 Meter breiten StraÃe nehmen zahlreiche Ehrengäste teil, unter anderen US-Stadtkommandant William W. Cobb, der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz, Bausenator Rolf Schwedler und der Bezirksbürgermeister von Zehlendorf, Wolfgang Rothkegel. 1972 Im Bundeskanzleramt in Bonn setzen der Staatssekretär im Bundeskanzleramt, Egon Bahr, und der Staatssekretär beim Ministerrat der DDR, Michael Kohl, ihre Verhandlungen über den Abschluà eines Grundvertrags zur Regelung der Beziehungen zwischen beiden deutschen Staaten fort. (Vgl. 16./17. August.) 1974 Die Alliierte Kommandantur verbietet mit BK/O(74)10 die Teilnahme der Berliner NPD an den Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen am 2. März 1975 und jegliche öffentliche Tätigkeit in der Stadt bis zum 3. März 1975. (Vgl. 6. Mai.) Die Anordnung ist nach Konsultationen mit dem Senat zustande gekommen. 1978 Eine Verkehrsmaschine der polnischen Fluggesellschaft LOT wird auf dem Flug von Warschau nach Berlin-Schönefeld von einem DDR-Bürger nach West-Berlin entführt. Die Maschine landet mit 63 Passagieren und acht Besatzungsmitgliedern auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof. 1978 An der vom Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Detlev Karsten Rohwedder, eröffneten 16. Ãbersee-Importmesse "Partner des Fortschritts" in den Messehallen am Funkturm (Berlin-Charlottenburg) beteiligen sich 594 Direktaussteller aus 59 Ländern und Gebieten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. Zusätzlich vertreten sind 462 Firmen, Organisationen und Verbände. Die Zahl der Fachbesucher ist mit 4 088 etwas höher als im Vorjahr. Neben den Fachbesuchern suchen rund 31 400 Interessenten die Messe auf. 1980 Vor dem Reichstagsgebäude, auf dem Platz der Republik, findet ein Open-Air-Rockkonzert der britischen Gruppe Barclay James Harvest statt. Die Band tritt ohne Gage auf, ohne Eintrittspreis. Zahlreiche Sponsoren haben die Veranstaltung möglich gemacht. Schätzungsweise über 100 000 Berliner und Gäste aus dem Bundesgebiet erleben den Auftritt von Barclay James Harvest und das Vorprogramm. 1982 Ein Sprecher der Alliierten Kommandantur gibt bekannt, daà die Westmächte bei der sowjetischen Botschaft in Ost-Berlin Protest gegen die Bestimmungen des DDR-Wassergesetzes mit Gültigkeitsanspruch auf WasserstraÃen in West-Berlin einlegten, da diese als Bestandteil des ehem. Deutschen Reiches ihrer Kontrolle unterliegen und das Ost-Berliner WasserstraÃenhauptamt lediglich für den technischen Betrieb von Schleusenanlagen etc. in West-Berlin die Verantwortung trage (vgl. 2. Juli). Bürgermeister Lummer (CDU) und der Berliner SPD-Vorsitzende Ulrich erinnern auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof zum 25. Todestag von Otto Suhr an dessen historische Verdienste in den Nachkriegsjahren als Stadtverordnetenvorsteher von 1946 bis 1950, als Präsident des Abgeordnetenhauses von 1951 bis 1954 und als Regierender Bürgermeister von 1955 bis 1957. 1983 Der Senat beschlieÃt auf seiner 101. Sitzung die Bildung einer aus den Senatoren für Kulturelle Angelegenheiten, Bau- und Wohnungswesen, Bundesangelegenheiten, Finanzen, Schulwesen, Jugend und Sport, für Wirtschaft und Verkehr, für Wissenschaft und Forschung sowie für Stadtentwicklung und Umweltschutz bestehenden Kommission zur Vorbereitung der 750-Jahr-Feier Berlins 1987, deren Vorsitz der Regierende Bürgermeister von Weizsäcker und die Geschäftsführung Kultursenator Hassemer übernimmt. Für organisatorische Aktivitäten sind vorerst 35 Mio. DM und für BaumaÃnahmen zur Verschönerung des Stadtbildet 95 Mio. DM veranschlagt. Zusätzlich sollen zum Wiederaufbau der im Mai 1980 teilweise eingestürzten KongreÃhalle 56 Mio. DM, für den Bau des Kammermusiksaals der Philharmonie 96 Mio. DM und für die künftige Nutzung des Martin-Gropius-Baus, der als Domizil des geplanten Museums für Deutsche Geschichte vorgesehen ist (vgl. 4. Mai), 44 Mio. DM investiert werden. Unmittelbar vor Beginn des zweiten Verhandlungstages im Verfahren um seine Anerkennung als Asylberechtigter nimmt der 23jährige Türke Kemal Altun, höchstwahrscheinlich aus Angst vor einer negativen Entscheidung, durch einen Sprung aus dem Fenster des 6. Stocks des Verwaltungsgerichts in der HardenbergstraÃe sich das Leben. Zu seinem Gedenken ziehen am Abend rund 4000 Menschen, unter ihnen Abgeordnete der SPD und der AL, vom Wittenbergplatz zum Kammergericht in der WitzlebenstraÃe in einem Schweigemarsch, der ohne Zwischenfälle verläuft. 1985 Auf der von Bundeskanzler Kohl eröffneten Internationalen Funkausstellung Berlin 1985 in den 27 Hallen des Messegeländes mit 79000 Quadratmetern Fläche, auf dem Freigelände und im ICC präsentieren 549 Firmen aus 22 Ländern, darunter 202 aus der Bundesrepublik, ihre neuesten Produkte, u.a. den flachen und eckigen Bildschirm. ARD und ZDF sowie erstmals auch private Produzenten bieten den insgesamt 376343 Besuchern - rund 120000 weniger als 1983 - mit je 100 Fernseh- und 80 Hörfunkstunden wiederum ein vielfältiges Informations- und Unterhaltungsprogramm. 1987 Uruguays AuÃenminister Enrique Iglesias findet während seines Besuchs in Ost-Berlin Gelegenheit zu eingehenden Gesprächen mit den Vorsitzenden des Staats- und des Ministerrats der DDR, Honecker und Stoph, sowie seinem Amtskollegen Fischer, der ihm zu Ehren im Palais Unter den Linden auch ein Abendessen gibt. Daneben trifft Iglesias auch DDR-AuÃenhandelsminister Beil zur Erörterung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen, legt am Mahnmal Unter den Linden einen Kranz nieder, trägt sich im Roten Rathaus ins Goldene Buch ein und besichtigt das Nikolai-Viertel sowie das Schauspielhaus am früheren Gendarmenmarkt. 1987 Von allen Veranstaltungen zur 750-Jahr-Feier in beiden Teilen der Stadt verbucht das "Japanische Feuerwerk" auf dem Flughafen Tempelhof mit fast 1,2 Mio. Zuschauern den gröÃten Zuspruch. Nach einem seit 15.30 Uhr laufenden Vorprogramm auf drei Bühnen mit alliierten Militärkapellen, dem Jugendorchester Don Bosco und einer Jazzband aus Los Angeles sowie Turmglockenspielen aus Frankreich, den Niederlanden und Dänemark werden zwischen 21.30 und 23.00 Uhr 7500 handgefertigte Feuerwerkskörper gezündet, darunter erstmals in Europa Kugeln mit einem Durchmesser von 66 Zentimetern, die eine Höhe und eine Ãffnung von je 500 Metern erreichen und u.a. die vier Jahreszeiten an den Himmel zeichnen. Tags darauf überreicht Kultursenator Hassemer dem 76jährigen Vorsitzenden der Omagari-Feuerwerks-Gesellschaft, Isao Sato, und dem 73jährigen "Feuerwerks-Papst"Tomon Aoki sowie ihren 25 Feuerwerksmeistern vom Regierenden Bürgermeister Diepgen unterzeichnete Dankesurkunden. 1988 Die vom Regierenden Bürgermeister Diepgen, vom Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Klein, und vom Generalsekretär der EG-Kommission, Trojan, auf dem Messegelände am Funkturm eröffnete 26. Ãbersee-Import-Messe "Partner des Fortschritts" verzeichnet 895 Aussteller sowie 561 Handelsorganisationen und Firmen aus 72 Ländern - darunter erstmals die Volksrepublik Jemen und die Mongolische Volksrepublik. Sie präsentiert ihre Erzeugnisse - diesmal vor allem Textilien, Leder- und Schmuckwaren - 2 576 Fachbesuchern und 29 658 "normalen" Besuchern, denen an vier Tagen der sogenannte Testverbrauchsbereich in Halle 9 offensteht. Bei einem Essen für Teilnehmer der Messe richtet Bundespräsident von Weizsäcker einen Appell an die Industrienationen zur Erhöhung ihrer Entwicklungshilfe, um die Lebensverhältnisse der Menschen zu verbessern, die in unerträglicher Armut leben müÃten. 1989 Das Bundeskabinett billigt einen bereits am 8. April unterbreiteten Vorschlag des Regierenden Bürgermeisters Momper zur Rückgabe des Grundstücks der ehemaligen polnischen Botschaft in der KurfürstenstraÃe, das nach dem Ãberfall auf Polen von der NS-Regierung enteignet worden war. Der Regierende Bürgermeister erhält diese Nachricht unmittelbar vor seiner Abreise mit einer hundertköpfigen SPD-Delegation nach Warschau, so daà er seine polnischen Gesprächspartner unmittelbar über diese symbolische Geste anläÃlich des 50. Jahrestages des Beginns des Zweiten Weltkrieges unterrichten kann. 1990 In der 39. Sitzung des Abgeordnetenhauses (11. Wahlperiode) setzt sich der Regierende Bürgermeister Walter Momper in einer Regierungserklärung erneut mit Nachdruck dafür ein, daà Berlin Hauptstadt sowie Parlaments- und Regierungssitz des vereinten Deutschlands wird. (Vgl. 15. August.) Die Rolle als Hauptstadt sei für die wirtschaftliche Zukunft der Stadt und der gesamten Region von lebenswichtiger Bedeutung. Die Kosten für den notwendigen Umzug von Bonn nach Berlin beziffert er auf maximal fünf Milliarden DM, verteilt auf mehrere Jahre. 1991 Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen eröffnet vor Medienvertretern im Domhotel am Platz der Akademie (Berlin-Mitte) die Olympia-Werbekampagne für Berlin. (Vgl. 7. März.) Der Geschäftsführer der Berliner Olympia GmbH, Lutz Grüttke, präsentiert das "Bärchengesicht" als Olympia-Maskottchen und benennt Sport-Persönlichkeiten als Olympia-Botschafter, deren Einsatz von Schwimm-Olympiasieger und Weltmeister Michael Groà koordiniert werden soll. 1991 Auf der Internationalen Funkausstellung Berlin 1991 stellen 571 Aussteller und 344 zusätzliche Firmen aus 29 Ländern auf dem Messegelände am Funkturm Neuheiten der Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik vor, unter anderem Farbfernsehgeräte im neuen Breitwandformat. 515 752 Besucher kommen zu dieser ersten Medienmesse nach der Vereinigung ? gegenüber der letzten Funkausstellung, die 1989 stattfand, rund 125 000 Besucher mehr. Der Anteil der Fachbesucher beträgt 20 Prozent, wovon rund 40 Prozent aus den alten Bundesländern, 31 Prozent aus Berlin und 18 Prozent aus den neuen Bundesländern kommen; 11 Prozent der Fachbesucher reisen aus dem Ausland an. Etwa 30 Prozent aller Besucher kommen aus den neuen und 23 Prozent aus den alten Bundesländern. Die Medienmesse findet zum 38. Mal überhaupt und zum 30. Mal in Berlin statt. 1992 Das Mahnmal zum Gedenken an die in der NS-Zeit erfolgte Verschleppung jüdischer Menschen in Konzentrationslager an der Putlitzbrücke in Berlin-Tiergarten wird durch einen Sprengstoffanschlag schwer beschädigt. Durch die Detonation werden eine Granitplatte verschoben und eine Stütze verbogen. In den letzten Jahren ist das Mahnmal bereits mehrfach geschändet worden, erstmals im Januar 1989. 1994 Begleitet von einer groÃen Regierungsdelegation, trifft RuÃlands Staatspräsident Boris Jelzin in Berlin ein, um am folgenden Tag in der deutschen Hauptstadt die letzten russischen Soldaten zu verabschieden. Moskaus Oberbürgermeister Jurij M. Luschkow und der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen treffen im Berliner Rathaus zu einem Gespräch zusammen. Ausführlich erörtert wird das Thema "Kriminalitätsbekämpfung". Künftig wollen die jeweils zuständigen Verwaltungen der beiden Partnerstädte Erfahrungen austauschen. Im September kommen zum Beispiel 21 Moskauer Milizionäre und Verwaltungsmitarbeiter nach Berlin. Darüber hinaus sollen im September zwei Moskauer Kriminalisten im Referat "Organisierte Kriminalität" der Berliner Polizei hospitieren. Beim 53. Internationalen Stadionfest (ISTAF) der Leichtathleten im Olympia-Stadion in Berlin-Charlottenburg knacken der Hürdensprinter Colin Jackson (GB) und der Weitspringer Mike Powell (USA) vor knapp 40 000 Zuschauern zum Abschluà der "Golden Four"-Serie den Jackpot im Wert von 440 000 DM. Jackson gewinnt die 110 Meter Hürden in 13,02 Sekunden; Powell setzt sich im Weitsprung mit 8,20 Metern durch. 1994 Die 44. Berliner Festwochen werden mit der konzertanten Erstaufführung von Berthold Goldschmidts Oper "Beatrice Cenci" durch das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin in der Philharmonie in Berlin-Tiergarten feierlich eröffnet. Das übergreifende Thema der Festwochen heiÃt diesmal "Leitmotive im 20. Jahrhundert". Mit Anton Webern, Pierre Boulez und Heinz Holliger stehen drei herausragende Komponisten des 20. Jahrhunderts aus drei verschiedenen Generationen im Mittelpunkt des Programms. Das zu Ende gehende Jahrhundert sei ? so der Festwochenleiter Ulrich Eckhardt ? eine gute Gelegenheit, Bilanz zu ziehen. 1995 Die 45. Berliner Festwochen, die unter dem Motto "Moskau - Berlin/Berlin - Moskau" stehen, werden mit einem Konzert des Rundfunkchors Berlin unter Robin Gritton im Kammermusiksaal der Philharmonie in Berlin-Tiergarten eröffnet. Es sprechen der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen sowie der russische Germanist und Schriftsteller Lew S. Kopelew. 1996 Zur Welturaufführung des Dokumentarfilms "Dem Deutschen Volke" von Wolfram Hissen und Jörg Daniel Hissen kommt das in New York lebende Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude in die Waldbühne nach Berlin-Charlottenburg. Der Film über die Reichstagsverhüllung im Sommer 1995 zeichnet die über 20jährige Vorbereitungsphase des Projektes nach und fängt die besondere Stimmung jener zwei Wochen ein, in denen das Kunstwerk zu sehen war. Als Ehrengast nimmt Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth an der Vorführung teil. 1997 Auf dem Messegelände am Funkturm in Berlin-Charlottenburg findet die Internationale Funkausstellung Berlin 1997 statt. Mehr als 800 Aussteller aus 33 Ländern beteiligen sich an der weltgröÃten Schau der Unterhaltungs- und Informationselektronik. Die Messe steht im Zeichen von Multimedia. Sie wird zum 41. Mal überhaupt und zum 33. Mal in Berlin veranstaltet. 436 078 Zahlende werden in diesem Jahr gezählt (1995: 495 834). 2000 Eine Kartei mit den Namen von über 3 000 NS-Zwangsarbeitern eines Berliner Unternehmens wird dem Landesarchiv Berlin übergeben. Sie ist von Mitarbeitern des Vereins "Berliner Unterwelten" in einem Werkschutzbunker des ehemaligen Elektrobetriebs Lorenz in Berlin-Tempelhof entdeckt worden. 7,8 Millionen Zwangsarbeiter waren von 1941 bis 1945 in Deutschland beschäftigt. Bei Berliner Firmen arbeiteten 507 000 Zwangsarbeiter aus vielen Ländern. 2002 Im Alter von 80 Jahren stirbt in Berlin Horst Wendlandt, einer der erfolgreichsten Filmproduzenten in Deutschland. Er wurde vor allem durch Verfilmungen von Karl-May-Romanen und seine Edgar-Wallace-Filme berühmt. 2003 Zum zweiten Mal beteiligt sich das Landesarchiv Berlin erfolgreich an der Langen Nacht der Museen. (Vgl. 1. Februar.) 125 Besucher werden im Haus des Landesarchivs in Reinickendorf gezählt. 2010 Der ehemalige Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), seit 2009 Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, stellt in der Bundespressekonferenz in Berlin sein umstrittenes Buch »Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen« vor, mit dem er eine Debatte über Integration auslöst.
Infolge der Kontroverse um sein Buch tritt Sarrazin schlieÃlich von seinem Amt als Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank zurück. 2018 Der Regierende Bürgermeister Michael Müller hat die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Leichtathletik-Europameisterschaften und der Para-Leichtathletik-Europameisterschaften zu einem Empfang im Säulensaal des Berliner Rathauses eingeladen. (Siehe 6.â12. August und 20.â26. August.) Damit würdigt er die Erfolge der Berliner Athletinnen und Athleten, die insgesamt zwei Mal Gold, fünf Mal Silber und acht Mal Bronze erringen konnten. 2020 Im Alter von 77 Jahren stirbt in Berlin die SPD-Politikerin, frühere Charlottenburger Sozialstadträtin und langjährige Senatorin Ingrid Stahmer. 1989 wurde sie als Bürgermeisterin und Senatorin für Gesundheit und Soziales in den Senat des Regierenden Bürgermeisters Walter Momper gewählt. 1990 übernahm sie zusätzlich das Ressort Frauen, Jugend und Familie geschäftsführend. Unter dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen war seit ab 1991 Senatorin für Soziales. 1994 übernahm sie zusätzlich den Bereich Jugend und Familie des in den Deutschen Bundestag gewechselten Senators Thomas Krüger. 1995 führte sie die SPD als Spitzenkandidatin in die Abgeordnetenhauswahl, nachdem sie sich in einer parteiinternen Wahl gegen den früheren Regierenden Bürgermeister Walter Momper durchgesetzt hatte. Trotz der Wahlniederlage der SPD blieb Stahmer als Senatorin Mitglied der GroÃen Koalition unter dem Regierenden Bürgermeister Diepgen, übernahm das Ressort Schule, Jugend und Sport. Nach der Abgeordnetenhauswahl 1999 zog sie sich aus der aktiven Politik zurück. 1992 gehörte Stahmer zu den Gründungsfrauen der Ãberparteilichen Fraueninitiative Berlin â Stadt der Frauen e. V. 2022 Im Alter von 91 Jahren stirbt der ehemalige sowjetische Staatschef und russische Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow in Moskau. Der Berliner Ehrenbürger galt als einer der Wegbereiter der Deutschen Einheit und des Endes des Kalten Krieges. Mit seiner Politik von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) schaffte er die Voraussetzung für den Fall der Berliner Mauer 1989 sowie für die Auflösung der Sowjetunion und des Warschauer Paktes 1991.
2023 Das Projekt âHousing First für Frauenâ des Sozialdienstes katholischer Frauen e. V. Berlin erhält in diesem Jahr die Louise-Schroeder-Medaille für sein Engagement für Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit. Für das Kuratorium ist Housing First für
Frauen mit seiner innovativen Methode ein erfolgreicher und nachhaltiger Baustein zur Beendigung frauenspezifischer Wohnungs- und Obdachlosigkeit. Bei der Feierstunde im Festsaal des Abgeordnetenhauses nimmt Dr. Dagmar Löttgen, Vorstandsvorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen e. V. Berlin, die Auszeichnung entgegen.
2023 Die österreichische Choreografin Florentina Holzinger zeigt die Inszenierung âSchrott-Etüde â (Scrap Etude): An Etude for Extinctionâ auf dem Parkplatz des Olympiastadions, komponiert von der Komponistin Katharina Ernst und dem Sounddesigner Stefan
Schneider. Es ist die vierte âEtüdeâ, die Holzingers mit ihrem Ensemble seit 2020 im öffentlichen Raum in und um Berlin aufführt.
2023 Das Musikfest Berlin findet in der Philharmonie Berlin, in deren Kammermusiksaal und im Konzerthaus Berlin statt.
Ferner bestätigt er ein Ãbereinkommen zwischen Vertretern GroÃbritanniens und der Sowjetunion über einen Austausch von Besatzungsgebieten an der Grenze zwischen dem Bezirk Spandau, britischer Sektor, und der sowjetischen Besatzungszone, damit der Flugplatz Gatow von der britischen Besatzungsmacht ungehindert benutzt werden kann. Dafür gehen alle militärischen Verwaltungsbefugnisse des westlichen Teiles von Staaken, Bezirk Spandau, mit dem Staaken-Dallgow-Flugplatz an die sowjetische Besatzungsmacht über.
Alle Militärgesetze, Proklamationen, Befehle, Verordnungen, Bekanntmachungen, Vorschriften und Anweisungen, die bereits von den einzelnen Oberbefehlshabern oder in ihrem Namen für ihre Besatzungszonen herausgegeben worden sind, bleiben weiterhin in Kraft.
Der Kommandant des britischen Sektors, Generalmajor Lyne, verläÃt Berlin. Sein Nachfolger als Kommandant und Vertreter der britischen Militärregierung in der Alliierten Kommandantur ist Generalmajor Nares.
Er erläÃt das Gesetz Nr. 58 zur Ergänzung seines Gesetzes Nr. 2 über die Auflösung und Liquidierung der nationalsozialistischen Organisationen (vgl. Schriftenr. Bln. Zeitgesch., Bd. 1, 10.10.1945).
Der sowjetische Oberbefehlshaber, Marschall Sokolowski, wendet sich gegen das Memorandum der amerikanischen und britischen Vertreter im Kontrollrat, General Clay und Marschall Douglas, über das am 29. August 1947 von den Vereinigten Staaten von Amerika und GroÃ-Britannien beschlossene Industrieprogramm des Vereinigten Wirtschaftsgebietes, das eine Erhöhung der bisher gestatteten Industrieproduktion vorsieht. Er bezeichnet dieses Programm als das Ergebnis einer separaten Politik, die sowohl die Tätigkeit des Kontrollrats als auch die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz über die politische und wirtschaftliche Einheit Deutschlands zugunsten ausländischer Monopole ignoriere und zu seiner Aufspaltung führen müsse. General Clay weist die Vorwürfe Marschall Sokolowskis mit dem Hinweis zurück, daà die amerikanische Militärregierung sich seit 2½ Jahren um die deutsche Wirtschaftseinheit bemühe, jedoch nicht zulassen könne, daà die amerikanische Zone wirtschaftlich verkomme und für den europäischen Wiederaufbau ausfalle. Er fordert abschlieÃend die Vertreter der Sowjetunion und Frankreichs auf, dem Abkommen beizutreten.
Die SPD hatte eine Beteiligung an der Vorstandswahl mit der Begründung abgelehnt, daà sich der Verband im sowjetischen Sektor dem Bemühen des Magistrats um eine ordentliche und gerechte Verteilung der Nahrungsmittel entgegengestellt hätte.
Am 30. Juni befanden sich 11 837 Kinder in Familien-Pflegestellen, während 1946 die Zahl noch 13 107 betrug. Die verringerte Bereitschaft, ein Kind in Pflege zu nehmen, erklärt sich aus der groÃen Wohnungsnot und dem Mangel an Nahrung und Kleidung. Andere Untersuchungen haben ergeben, daà 149 194 Schulkinder nur reparaturbedürftige Schuhe und 126 158 Schulkinder überhaupt keine Schuhe besitzen.
Zum ersten Mal nach dem Kriege wird der Versuch gemacht, Kindertagesstätten geschlossen mit allen Kindern und dem gesamten Personal zur Erholung zu verschicken. Die Kinder-Erholungsfürsorge wird allerdings dadurch beeinträchtigt, daà die früheren Heime der Stadt Berlin mit einigen Ausnahmen noch nicht wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zugeführt werden konnten.
Die Militärgouverneure werden angewiesen, Anordnungen auszuarbeiten, die gewährleisten sollen, daà die Inhaber der Westmark beim Umtausch im Verhältnis 1:1 keinen Diskriminierungen ausgesetzt sind. Währungsfragen sollen in allen Sektoren gleichmäÃig behandelt werden. Bank- und Krediteinrichtungen sind der Bevölkerung uneingeschränkt zugänglich zu machen. Für den Handel zwischen Berlin und dritten Ländern und den deutschen Westzonen soll eine zufriedenstellende Basis ausgearbeitet werden. SchlieÃlich sollen ausreichende Geldbeträge für den Haushalt der Stadt und für die möglichst reduzierten Besatzungskosten zur Verfügung gestellt werden.
Die Direktive legt fest, daà die Regulierung des Geldumlaufs in Berlin von der Deutschen Emissionsbank der sowjetischen Besatzungszone mit Hilfe der Berliner Kreditinstitute vorgenommen werden soll. Die WährungsmaÃnahmen sowie der weitere Umlauf in Berlin sind jedoch der Kontrolle einer aus Vertretern der vier Militärgouverneure zusammengesetzten Kommission unterworfen.
AuÃenminister Molotow besteht auf weiterer Geheimhaltung der Besprechungen.
In Abwesenheit der SED-Vertreter werden die Stadtverordneten Paul Lobe (SPD), Stadtrat Professor Ernst Reuter (SPD), Stadtverordnetenvorsteher Dr. Otto Suhr (SPD), Jakob Kaiser (CDU) und Dr. Hans Reif (LDP) mit der Vertretung Berlins beim Parlamentarischen Rat beauftragt.
Stadtrat Professor Reuter soll Berlin auf der Ministerpräsidentenkonferenz im Jagdschloà Niederwald bei Rüdesheim am 31. August 1948 vertreten.
Dr. Friedensburg erklärt, daà die Wechselstuben durch Befehl der zuständigen Sektorenkommandanten an die Bezirksbürgermeister geschaffen wurden, von diesen kontrolliert werden und damit dem Einfluà des Magistrats entzogen sind.
General Robertson verweist auf die gegenwärtig geführten Vier-Mächte-Besprechungen und erklärt, daà diese im Augenblick nicht mehr als den Wunsch aller Beteiligten bedeuten, die administrativen Schwierigkeiten Berlins zu verringern. Das Ziel sei die Aufhebung der Teilung Berlins und die Errichtung einer gesunden politischen und wirtschaftlichen Basis für die Existenz der Stadt.
Der Militärgouverneur teilt mit, daà die britische Besatzungsmacht künftig zwei Hauptquartiere in Wahn bei Köln und in Berlin unterhalten werde. Das Hauptquartier in Berlin wird dem Leiter der Politischen Abteilung und dem Chef des Stabes als Sitz dienen und eine starke Besetzung erhalten. Er selbst und seine Berater würden Berlin regelmäÃig besuchen und hier auch ihre Dienststellen und Wohnungen beibehalten.
Die Tatsache, daà Berlin von dem natürlichen und unabdingbaren Recht auf Beteiligung an den vitalen politischen Entscheidungen des freien Deutschland ausgeschlossen wurde, zeige, daà seine historische Mission noch lange nicht beendet sei. Mit bitteren Worten beklagt Ernst Reuter den in verschiedenen Reden westdeutscher Politiker gezeigten Kleinmut und die Unfähigkeit zu einer aktiven Politik für die Wiedervereinigung sowie die mangelnde Hilfsbereitschaft gegenüber Berlin. Wenn den Berlinern immer wieder vorgerechnet werde, was die Bundesregierung für sie alles getan habe und noch tue, so "können wir leider nicht vergessen, daà es der ganzen rastlosen dynamischen Energie bedurfte, die wir entfalten muÃten, um wenigstens so weit zu kommen, wie wir heute gekommen sind".
Jahrelang habe die deutsche AuÃenpolitik sich in einer angeblichen Realpolitik auf die Aufgabe konzentriert, Papierpläne für kommende Divisionen auszuarbeiten. Die eigentlich politische Arbeit der "Stärkung Berlins und der Hilfe für die Zonengrenzgebiete mit dem Ziel einer "überzeugenden Antwort nach dem Osten" sei bei allem Lippendienst in der Sache immer als zweitrangig behandelt worden. Ernst Reuter fordert die Verwendung der bisher für Zwecke des EVG-Vertrages eingesparten Gelder zur Beschaffung von Arbeitsplätzen in Berlin.
Es zeuge von einer vollständigen Verkennung der Realitäten des deutschen Lebens und der geistigen Struktur unseres Volkes, wenn ständig das Schreckgespenst eines wehrlosen Deutschland ohne Armee und ohne Bündnis an die Wand gemalt würde, das eine leichte Beute der Sowjetunion werden könnte, denn diese Chance sei von ihr durch die Ereignisse beim Einmarsch der Roten Armee 1945 endgültig verpaÃt worden. Und wenn die deutschen Arbeiter am allermeisten immun gegen den Kommunismus geworden sind, so sei das nicht zuletzt ein Verdienst der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften.
Ernst Reuter begrüÃt die Aussicht auf die Einberufung einer Viermächtekonferenz über Deutschland und fordert, daà der jahrelange Notenwechsel endlich einmal beendet werden müsse. Da sogar der Bundeskanzler in seinem Memorandum an die Washingtoner AuÃenministerkonferenz das sowjetische Sicherheitsbedürfnis bestätigt habe, brauche von der Anerkennung dieser Tatsache bis zur Möglichkeit eines Kompromisses der Weg nicht mit unüberwindbaren Schwierigkeiten gepflastert zu werden. Allerdings müÃte sich die Sowjetunion darüber klar sein, daà der Weg zu einer Verständigung über Deutschland erst dann gangbar sein wird, wenn sie den Deutschen in ihrem Herrschaftsbereich das Recht auf freie Wahlen zugestehe. Daà es bei der Durchführung freier gesamtdeutscher Wahlen zu technischen Kontakten mit sowjetzonalen Stellen kommen müsse, sei selbstverständlich und keine welterschütternde Angelegenheit, denn diese gäbe es beim Interzonenhandel und bei innerstädtischen Fragen hier bereits heute schon alle Tage. Wenn der Westen die Wiedervereinigung wirklich wolle, dürfe er nicht darauf bestehen, daà Deutschland vorher ein Teil seines Bündnissystems wird. Die künftige Stellung Deutschlands könne endgültig nur durch eine Vereinbarung einer aus freien Wahlen hervorgegangenen gesamtdeutschen Regierung mit den vier GroÃmächten geregelt werden. Um in die bevorstehenden politischen Auseinandersetzungen stark hineinzugehen, sei es notwendig, eine von allen demokratischen Kräften gemeinsam getragene AuÃenpolitik zu entwickeln.
Die dritten "Berliner Festwochen" werden im Schiller-Theater mit einer Feierstunde, in der der Dramatiker Ferdinand Brückner die Festrede zum Thema "Vom Geist der Volkstümlichkeit" hält, eröffnet. In einer BegrüÃungsansprache fordert der Regierende Bürgermeister Professor Reuter dazu auf, neben der Lösung sozialer und materieller Aufgaben niemals zu vergessen, dem geistigen und künstlerischen Leben genug Wirkungsmöglichkeiten zu schaffen, damit es sich frei und unabhängig entfalten könne. Im Zusammenhang mit der bevorstehenden Rückkehr von 158 Bildern des früheren Kaiser-Friedrich-Museums, die während des Zweiten Weltkrieges nach Westdeutschland verlagert waren, appelliert er auch an die begüterten Schichten, allmählich wieder die Rolle von Kunstmäzenen zu übernehmen. Während der Festwochen gastieren in Berlin
Die Berliner Theater bringen folgende Premieren:
Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen" in der Inszenierung von Adolf Rott, musikalische Leitung: Leopold Ludwig;
Gottfried v. Einems "Der ProzeÃ" (nach Kafkas gleichnamigen Roman) in der Inszenierung von Günther Rennert, musikalische Leitung: Artur Rother;
Richard Wagners "Götterdämmerung", musikalische Leitung und Inszenierung: Heinz Tietjen.
Daneben bringt die Städtische Oper noch Milhauds "Orphee", K. A. Hartmanns "Des Simplicius Simplicissimus Jugend" und Monteverdis "Die Krönung der Poppäa" als Gastspiel im Hebbel-Theater zur Aufführung.
Das Ballett der Städtischen Oper gastiert im Titania-Palast mit Boris Blachers "Hamlet" und Mozarts "Choreomusica (Divertimento Nr. 15 b-Dur)" in der Choreographie von Tatjana Gsovsky.
Sophokles "Antigone" in der Inszenierung von Heinrich Koch;
Schillers "Die Räuber" in der Inszenierung von Willi Schmidt.
Samuel Becketts "Wir warten auf Godot" in der Inszenierung von Karl Heinz Stroux;
Shakespeares "Wie es Euch gefällt" in der Inszenierung von Boleslaw Barlog.
Karin Jacobsens Komödie "Wege des Zufalls" in. der Inszenierung von Karl-Heinz Schroth.
Max Hansen in "Bei Kerzenlicht", zwölf Chansons um eine kleine Komödie.
Singspiel "Der Blumentopf", Text: Robert Gilbert, Musik: Günther Neumann (Urauführung).
Einakter-Zyklus: "Medea" (Jean Anouilh), "Königinnen von Frankreich" (Thorton Wilder), "Um die neunte Stunde" (Edzard Schaper), "Pestalozzi" (Rolf Lauckner), "Das Zimmer" (Frank Thiess) und "Manhattan-Story" (H. J. Hohberg), alle in der Inszenierung von Falk Harnack oder Ernst Schröder;
Hugo Buchners "Maria Tudor" in der Bearbeitung und Inszenierung von Curt Goetz-Pflug und Frank Lothar.
Ibsens "Gespenster" mit Hermine Körner, in der Inszenierung von Hans Bernd Müller;
Hans J. Rehfischs "Das ewig Weibliche" in der Inszenierung von Gerd Omar Leutner (Uraufführung).
Sean O'Caseys "Juno und der Pfau" in der Inszenierung von Peter Thomas;
Richard Hays "Revolutionäre" in der Inszenierung von Wolfgang Spier (Uraufführung).
Junge Französische Plastik (Maison de France);
Kollektiv-Ausstellung Carl Hofer (Hochschule für Bildende Künste);
Hundert Jahre amerikanische Malerei 1800-1900 (Schloà Charlottenburg).
Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes und des Roten Kreuzes der Sowjetzone beenden ihre am 16. August begonnenen Verhandlungen über die Auslieferung der amerikanischen Spende für die Hochwassergeschädigten und vereinbaren, sie per Schiff nach Rostock zu transportieren.
Der Senat billigt die vom Regierenden Bürgermeister Dr. Schreiber ausgearbeiteten "Richtlinien für das FOA-Sonderprogramm für Sowjetzonenflüchtlinge in West-Berlin", in denen die Bedingungen für den Bau von Flüchtlingswohnungen aus der amerikanischen 15-Millionen-Dollar-Spende festgelegt werden, an der Berlin mit 20 Millionen DM beteiligt wird.
Auf der 143. (AuÃerordentlichen) Sitzung des Senats um 22.40 Uhr, die in Anwesenheit von Parlamentspräsident Brandt und der Fraktionsvorsitzenden des Abgeordnetenhauses stattfindet, widmet Bürgermeister Amrehn dem Toten erste Worte des Gedenkens, wobei er insbesondere an dessen unermüdliche Schaffenskraft und seinen nie nachlassenden Pflichteifer erinnert.
Der Senat bestimmt den 3. September zum Termin für den Staatsakt, beschlieÃt einen Aufruf an die Bevölkerung zur Teilnahme und vereinbart den Verlauf der Trauerfeierlichkeiten.
In der Würdigung seines Amtsvorgängers erklärt der Regierende Bürgermeister Brandt, daà das Leben Otto Suhrs durch einen schweren, über zwei Jahre währenden Todeskampf einen ungewöhnlich tragischen Akzent und zugleich einen heroischen Ausgang angenommen habe. Manche hätten damals in Unkenntnis der Zusammenhänge besorgt den Kopf über seine Ruhelosigkeit geschüttelt. Seine Freunde und Mitarbeiter blieben im Unklaren über die Schwere seines Leidens, das er mit einer solchen Energie beiseite geschoben habe, "daà uns heute noch tiefster Respekt für seine Haltung erfüllt". Otto Suhrs Lebensarbeit sei von dem in ihm geprägten Willen zu sozialen Tat geprägt gewesen; Leidenschaft habe ihn erfüllt, wenn es galt, dem Menschen zu helfen.
Das Blatt nennt dieses "Beispiel" symptomatisch für die Haltung der westdeutschen und West-Berliner Behörden zum innerdeutschen Handel. Zudem werfe es gleichzeitig ein bezeichnendes Licht auf den Charakter der "sogenannten Industrieausstellung in West-Berlin", die ja seit jeher einen provokatorischen Charakter gegenüber der DDR trage. Mit dem "Verbot für westdeutsche Firmen, DDR-Erzeugnisse zu zeigen", sei der Charakter dieser "zweifelhaften" Ausstellung nur noch einmal unterstrichen worden.
Schneider und Karsten stellen fest, daà bei Kartoffeln überhaupt kein Anlaà zur Sorge bestehe. Während die Nachfrage bei Rindfleisch noch nicht befriedigt werden könne, gäbe es bei Schweinefleisch keinerlei Grund, in den Verkaufsstellen auf ein volles Sortiment zu verzichten, denn gerade in dieser Frage hätten "wir mit der Fleischindustrie ein ernstes Wörtchen geredet", doch der GroÃhandel bestelle auch nicht zügig genug bei den Erfassungsbetrieben. Das Angebot an Schinkenwaren aller Art könne ebenfalls noch nicht befriedigen, während das Sortiment an Wurst, bis auf Dauerwurst, eigentlich genügen müÃte, in der Vergangenheit es aber an der nötigen Kontrolle gefehlt habe, ob die vorhandenen Wurstsorten auch überall verkauft wurden.
In diesem Zusammenhang erwähnt Karsten, daà z. B. der "VEB Aktivist" zwar eine ausgezeichnete Planerfüllung in Zahlen vorweisen könne, die Gaststätten sich aber dennoch darüber beklagt hätten, daà zu wenig Schnitzel geliefert worden wären. Auf die Frage, welche Entschuldigung der "VEB Aktivist" dafür genannt habe, bemerkt Karsten: "Nehmen wir das Beispiel Mayonnaise. Zuerst haben uns die Kollegen von Aktivist gesagt, es fehlen die Gläser. Als die Gläser vorhanden waren, fehlten plötzlich sechs Arbeitskräfte. Diesen Eiertanz haben wir uns nicht mehr länger mit angesehen. Es ist doch Schildbürgerei zu sagen, daà an sechs fehlenden Arbeitskräften die Produktion von Mayonnaise scheitert."
Karsten versichert auf eine entsprechende Frage mit Nachdruck, daà das Milchlieferungsangebot des Magistrats an den Senat keinesfalls die Ursache dafür darstelle, daà es in manchen Bezirken zu Stockungen der Milchbelieferung kam. Vielmehr verfüge Ost-Berlin über eine tägliche Reserve von 10 000 Litern und sei damit in der Lage, jeden Bedarf zu decken. Die vom "ND" in seinem Artikel vom 16. August gerügten Leiter der Verkaufsstellen im Bezirk WeiÃensee und in der Stalinallee seien wegen ihrer Schlamperei, an Sonntagen den Verkauf von Milch zu früh zu beenden, weil angeblich die Milch schon alle war, zur Rechenschaft gezogen worden: Geschäfte dürften auch nicht nur auf die Belieferung ihrer Stammkunden bedacht sein. Beim Sonntagsverkauf sei aber mit Verordnungen wenig getan, hier müsse "die Bevölkerung den Handel erziehen helfen".
Am 14. September besichtigt der Botschafter der USA in der Bundesrepublik Deutschland, Martin J. Hillenbrand, die frühere Exklave Steinstücken.
Wie "Der Tagesspiegel" am 10. Oktober berichtet, soll wegen der an jedem Wochende in Steinstücken "einfallenden Schar von Schaulustigen" so schnell wie möglich ein Bebauungsplan beschlossen werden, denn zahlreiche Bewohner Steinstückens beschwerten sich beim Bezirksamt Zehlendorf, daà von den Besuchern "auf der Suche nach fehlenden Sehenswürdigkeiten Privatwege und Privatgrundstücke zertrampelt" würden.
Am 6. Dezember eröffnet ein US-Richter in Berlin ein gerichtliches Ermittlungsverfahren.
Besorgt äuÃert sich Momper über "die Neigung im deutschen Westen, Berlin als eine Art Sparschwein für die deutsche Einheit zu betrachten". Die Berlin-Förderung dürfe nicht schlagartig entfallen. Die Bundeshilfe zum Berliner Landeshaushalt müsse um die Summe ergänzt werden, die für Ost-Berlin benötigt werde.
Das Abgeordnetenhaus verabschiedet die für die - am 2. Dezember stattfindenden - Gesamtberliner Wahlen notwendigen Ãnderungen der Verfassung von Berlin und des Landeswahlgesetzes. Beide Vorlagen werden mit den Stimmen von SPD, GRÃNE/AL und CDU beschlossen, während die REP dagegen stimmen. (Zur ersten Lesung vgl. 16. August.)
In der Verfassung und im Landeswahlgesetz ist nunmehr festgelegt, daà die ersten Gesamtberliner Wahlen seit 1946 in einem einheitlichen Wahlgebiet stattfinden. Die erste Wahlperiode des Landesparlaments wird ausnahmsweise fünf statt vier Jahre dauern, um wieder eine Entzerrung der Bundestags- und Abgeordnetenhauswahlen zu ermöglichen. Mit Rücksicht auf Ost-Berliner Wünsche finden die Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen ausnahmsweise nicht zusammen mit den Wahlen zum Abgeordnetenhaus statt. Die bezirkliche Wahlperiode endet erst Mitte 1992. Dann sollen die Bezirksverordnetenversammlungen in ganz Berlin für eine verkürzte Wahlperiode und 1995 wider zusammen mit dem Abgeordnetenhaus gewählt werden.
Für die Wahlen am 2. Dezember bleibt es bei der Fünf-Prozent-Sperrklausel. Listenverbindungen sind aber zugelassen, um kleineren Parteien im "Huckepack-Verfahren" den Einzug in das Landesparlament zu ermöglichen.
In der modifizierten Verfassung ist die Bildung eines Verfassungsgerichtshofs vorgesehen. Der Umweltschutz, das Recht auf Arbeit, das Petitionsrecht und das Recht auf Datenschutz sind als Grundrechte bzw. Staatszielbestimmungen festgeschrieben.
Ferner ist festgelegt, daà die Verfassung während der ersten Wahlperiode des Gesamtberliner Abgeordnetenhauses einer Ãberarbeitung zu unterziehen sei. Grundlage der Ãberarbeitung sollen die Verfassungen vom 22. April 1948 und vom 1. September 1950 sowie die Ost-Berliner Verfassung vom 11. Juli 1990 (vgl. 11. Juli) sein. Die überarbeitete Verfassung soll durch Volksabstimmung in Kraft gesetzt werden.
Das Abgeordnetenhaus verabschiedet ferner einen Gesetzentwurf der GRÃNEN/AL zur Einführung des kommunalen Wahlrechts für Ausländer zu den Bezirksverordnetenversammlungen. (Zur dritten Lesung vgl. 27. September.) Das Gesetz soll jedoch erst zum 1. Juli 1991 in Kraft treten, weil die SPD den ausstehenden Spruch des Bundesverfassungsgerichts abwarten will. (Vgl. 11. Juni.) In der namentlichen Abstimmung votieren die 71 anwesenden von 72 Koalitionsabgeordneten mit Ja, die 58 anwesenden von insgesamt 66 Abgeordneten der Opposition mit Nein.
Vor dem Abflug aus Moskau sagt Jelzin, Russen und Deutsche wollten zu einer qualitativ neuen Phase der Zusammenarbeit übergehen. Dies sei der Wille der politisch Verantwortlichen und der Wunsch der Bevölkerung beider Länder. Russen und Deutsche seien keine Gegner mehr, sondern in vielen Sphären Partner geworden. Ein weiterer Verbleib der Truppen hätte ? so Jelzin ? eine Verschlechterung der Beziehungen bedeutet.
Ein breites Veranstaltungsspektrum widmet sich den wechselvollen deutsch-russischen Kulturbeziehungen. Unter den 229 Veranstaltungen gibt es viele Gastspiele Moskauer Bühnen und Konzerte russischer Musiker. Unumstrittener Höhepunkt ist die Ausstellung "Moskau - Berlin/Berlin - Moskau 1900 - 1950", die bis zum 7. Jan. 1996 im Martin-Gropius-Bau in Berlin-Kreuzberg zu sehen ist. (Vgl. 3. Sep. 1995 - 7. Jan. 1996.) Mehr als 200 000 Besucher nehmen die zahlreichen Angebote der Festwochen wahr.
Am 13. September kommen über 400 Menschen, darunter viel Prominenz, in die Kreuzkirche am Hohenzollerndamm in Schmargendorf, um Abschied zu nehmen.
Wendlandt wird auf seinem Gut in Oberbayern beigesetzt werden.
Bei der 14. Langen Nacht der Museen werden in den etwa 120 teilnehmenden Häusern über 220 000 Besucher gezählt.
Das Grab von Ingrid Stahmer befindet sich auf dem Friedhof HeerstraÃe in Charlottenburg.
Zitierform: Berlin - Chronik. Online-Version : Hrsg. vom Landesarchiv Berlin. - URL: http://www.landesarchiv-berlin-chronik.de (Stand: 30.08.2026)